Zerbrochene Kinderfreuden…

Es war einmal in den 1980er Jahren in der Sowjetunion…
Irgendwo in der Nähe von Moskau gab es mal ein Kinderferienlager:

01.jpeg15.jpeg09.jpeg08.jpeg03.jpeg10.jpeg05.jpeg06.jpeg

…das heute verlassen dasteht und dem Vandalismus überlassen bleibt:
02.jpeg07.jpeg16.jpeg04.jpeg12.jpeg11.jpeg18.jpeg20.jpeg
Moskau hatte damals über 8 Millionen Einwohner. Es gab also Hunderte solcher Kinderferienlager. Sie sind heute alle in einem ähnlichen Zustand. Man kann sich sicher vorstellen, was es bedeutet, wenn es heute für die Kinder Moskaus keine solche kostenlosen Ferienfreuden mehr gibt. Nur wer die Straßenkinder dort gesehen hat und die Armut in Rußland kennt, der kann den Verlust ermessen. In der Bibliothek dieses Kinderferienlagers sind zum Beispiel noch bedeutende Werke der Weltliteratur zu finden (N.Leskow, M.Lermontow, W.Majakowski) und in der Großküche wurde das Essen für 200 Kinder täglich frisch zubereitet, sogar die Stühle wurden beim Verlassen sorgsam hochgestellt…

Quelle:
ulter1for

5 Gedanken zu “Zerbrochene Kinderfreuden…

  1. Lieber Norbert,

    Im Jahre 1977 hielt der selbsternannte Weltoekonom, der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt(SPD), vor dem International Institute for Strategical Studies, das ja in London sitzt, eine Rede, in welcher er als Erster die Behauptung aufstellte, dass die UdSSR an den USA im Hinblick auf Nuklearruestung vorbeigezogen sei, und eine sog. „Nachruestung“ forderte. Dieser Begriff machte dann spaeter Schule.

    In dieser Rede von 1977 sagte Helmut Schmidt aber auch: „Im Grunde genommen ist die UdSSR ein Obervolta mit Raketen.“ Diesen Satz wollen wir jetzt verstehen.

    „Obervolta“ bezieht sich nur vordergruendig auf ein westafrikanisches Land, das damals so hiess und das heute anders heisst: „Burkina Faso“ [= „Das Land der aufrecht gehenden Menschen“].

    Hintergruendig meinte er, dass der Global West, insbesondere die Mitglieder der North Atlantic Terror Organisation (NATO), vor allem USA/UK/Frankreich/BRD, am liebsten mit der UdSSR und ihren Bewohnern so umspringen wollten wie mit Laendern wie Obervolta, sich das aber wegen der nuklearen Bewaffnung der UdSSR nicht trauten.

    Also musste „man“ sich etwas ueberlegen, wie „man“ die UdSSR hinreichend abruesten konnte, ohne selber den nuklearen Knueppel aus der Hand zu legen. Die Rede selbst war also dazu gedacht, in dieser Hinsicht zum Nachdenken anzuregen.

    Nun bitte ich ums Nachdenken! Was ist „Tee mit Rum“ OHNE Tee? Rum! Was ist „Obervolta mit Raketen“ OHNE Raketen? Obervolta! Warum also war „man“ um etwa die Menschenrechtslage in der UdSSR so „besorgt“? Und duerfen wir uns also wundern ueber den zivilisatorischen Ruecksturz in den Laendern des nunmehr real-existiert habenden Sozialismus?

    Die Sache bedarf aber einer weiteren Ueberlegung. Mitterweile leben wir nicht mehr in einer Welt mit voneinander abgeschottenen Regionen, sondern in einer Welt mit Internationaler Zusammenarbeit, vermittelt un dorganisiert durch den Weltmarkt.

    Es ist aber so, dass eine derartige Internationale Zusammenarbeit NICHT dazu fuehrt, dass ein jedes Land friedlich-schiedlich „zu seinem Recht kommt“, wie David Ricardo (1772-1823) sich das gedacht hatte, SONDERN eine solche Art von Internationaler Zusammenarbeit tendenziell dazu fuehrt, dass die Erdoberflaeche in eine riesige Verallgemeinerte Thuenen’sche Flaeche verwandelt wird, mit allem, was dazugehoert, vor allem natuerlich die extreme Ungleichwertigkeit der einzelnen Plaetze auf dieser.

    Wenn wir uns das so aufzeichnen, wie Freiherr Adolf von Thuenen (1783-1850) das seinerzeit so gerne tat, naemlich als ein Kreis, dann sehen wir es sofort. Die besten Plaetze sind in der Mitte, aber dort ist der Plazt knapp, und also koennen nur einige wenige Laender als „Weltmarktgewinner“ bezeichnet werden. Die schlechtesten Plaetze finden wir am Rande, wo es sehr viel Platz gibt; die meisten Laender sind also „Weltmarktverlierer“: Opper Volta is (nearly) everywhere.

    1952 wurde in der UdSSR sehr intensiv diskutiert ueber eine NICHT als Weltmarkt organisierte Internationale Zusammenarbeit. Nach dem 05/03/1953 wurden diese Ansaetze dann fallengelassen; stattdessen waren „Entstalinisierung“ und „Friedliche Koexistenz“ mit USA & CO. angesagt – mit den vorhersehbaren (und auch vorhergesehenen!) Folgen. Willkommen zurueck auf der Thuenen’schen Flaeche!

    Auch darueber lohnt es sich, dass wir einmal nachdenken. Am besten bereits das kommende Wochenende dafuer nutzen.

    Fiat Lux!

    Samy Yildirim

    Zaandam / Nordholland / Niederlande

    Gefällt mir

  2. Samy Yildirim (Besucher)
    14. Jun 2013 @ 14:17:06

    „Im Jahre 1977 hielt der selbsternannte Weltoekonom, der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt(SPD)…“.. etc……

    An diesen Vergleich der UDSSR mit Ober-Volta erinnere ich mich selbst nur noch ganz dunkel…., doch deine jetzigen Schlußfolgerungen haben weder ich noch meine damaligen Freunde so klar gezogen wie du jetzt hier.
    Doch in der Tat, im Grunde ging es schon damals so zu wie heute, imperialistisches herumspringen mit und beherrschen schwacher impotenter Staaten und Völker.
    Wir sehen es insbesondere seit 2008 sogar innerhalb der EU.
    Die Länder des realen Sozialismus, die DDR von Seiten der BRD, schon damals wurden sie im Grunde als Beute, Hinterhöfe, „Ober-Voltas“ angesehen.
    (Leider kapierten es die meisten BRD Botschaften-Stürmer und „Helden von Leipzig“ 1989 so klar ebenfalls nicht)
    1990, DDR, „Treuhand“…., ein ganzes Land, eine ganze Gesellschaft ausgeschlachtet nach Strich und Faden…, no comments..

    Gefällt mir

  3. Danke, Samy, für den interessanten Kommentar! Es werde Licht! Daß sich die allmächtige USA „nicht trauen“ die KVDR anzugreifen, hat ähnliche Gründe. Erst eine Konterrevolution „auf Filzlatschen“ ermöglichte es den Imperialisten und ihren Handlangern, nach der gewaltsamen Beseitigung ihres größten Gegners – Stalin, auch in der UdSSR die „Obervolta-Methode“ anzuwenden und so nach und nach sämtlichen Menschheitsfortschritt rückgängig zu machen. Unter dem Beifall (oder soll man besser sagen: mit Beihilfe) der USA und deren 5. Kolonne!

    Wobei die Sowjetunion – im Gegensatz zu dem kleinen afrikanischen Land tatsächlich – bildlich gesprochen – ein Vielvölkerstaat „aufrecht gehender Menschen“ geworden war. Das rohstoffreiche Obervolta blieb hingegen immer eines der ärmsten, am meisten ausgebeutetsten Länder der Welt. Hoffen wir, daß Rußland ein ähnliches Schicksal demnächst erspart bleibt!

    Diese Kaltschnäuzigkeit eines Schmidt konnte damals in Moskau wohl niemanden mehr erschrecken, da man sich bereits mit der Chruschtschowschen Koexistenz friedlich arrangiert hatte. Siehe dazu den Offenen Brief der KP Chinas an die Führung der KPdSU vom 12.12.1963: http://mitglied.multimania.de/Volksbewegung/Texte/Mao/Koexistenz.html
    Mit solidarischen Grüßen!
    Norbert

    Gefällt mir

  4. Lieber Harry 56,
    Lieber Norbert,

    Es ist leider nur allzuoft so, dass die Menschen nicht so genau hinsehen und hinhoeren wie sie eigentlich sollten: es bliebe ihnen andernfalls vieles erspart.

    Es bleibt noch einiges nachzutragen. Thomas Sankara (1949-1987) war der Mann, der als Praesident von 1983 bis zu seiner Ermordung 1987 dafuer sorgte, dass in Burkina Faso endlich einmal die Dinge in die richtige Richtung sich bewegten.

    So reorganierte er die Landwirtschaft und sorgte dafuer, dass Burkina Faso sich innerhalb von drei Jahren wieder selbst mit Lebensmittel versoregn und sogar etwas exportieren konnte.

    Auch im Hinblick auf die Bodenschaetze begann er mit Massnahmen, die darauf abzielten, dass Burkina Faso moeglich viel davon hatte.

    Das „musste“ natuerlich verhindert werden, und General Blaise Campaore sorgte dann auch fuer die Ermordung von Thomas Sankara am 15/10/1987. Selbstverstaendlich wurde anschliessend eine erneute Wende eingeleitet: heute muss das Land erneut Lebensmittel importieren, die Landwirtschaft stehr vor dem Ruin, die Bodenschaetze werden wieder von westlichen Gesellschaften ausgebeutet, und das Land selbst bekommt nur Brosamen, die meistens in den Taschen der Compradores landen.

    Dass Frankreich den Loewenanteil bekommt, ist klar, war und ist Burkina Faso doch Teil der Frankophonie, und der damalige franzoesische Praesident von 1981 bis 1995, Francois Mitterand, stand im Hintergrund.
    Derselbe Herr hatte schon in Vichy-Frankreich gedient und den Fransisque-Orden erhalten, den nur 100%ige Marschallisten erhielten, dann aber rechtzeitig die Kurve gekriegt, um nicht gerichtlich verfolgt zu werden, und in den Vierten Republik (1944-1958) dann als Durchstecher und Hinterzimmer-Machinator gewirkt, was ihm den Spitznamen „Florentiner“ einbrachte.

    Thomas Sankara erging es also aehnlich wie seinen Vorbildern Patrice Lumumba und Ernesto „Che“ Guevara. Und da die Landreformern in Zimbabwe bewiesen haben, dass die Afrikaner, wenn man sie nur liesse, sich selber versorgen koennen, ganz ohne weisse Farmer und Experten, ist Mugabe natuerlich ein „Terrorist“ und „Menschenrechtsverletzer“.

    Ein weiterer Punkt: Thomas Sankara forderte wiederholt die Streichung der „Entwicklungshilfe“-Schulden beim Westen. Das kommt natuerlich nicht in die Frage, denn die immerwaehrende Schuldnerschaft der Laender der sog. „Dritten Welt“ ist unverzichtbar, um diese unten zu halten.

    Auf den westafrikanischen Filmfestspielen in Ouagadougou 1993 lief der Film „Quelwaar“ von Ousmane Sembene. Dass das Publikum so begeistert reagierte, lag daran, dass die Zeit von Thomas Sankara damals noch nicht so lange zuruecklag, und man im ermordeten Provinzpolitiker „Quelwaar“ Sankara wiedererkannte.

    Das kam so. Quelwaar erhielt eine Einladung in die Hauptstadt, um dort den Europaeern zu danken fuer die Lebensmittellieferungen. Im Gegensatz zu allen anderen Redner aber erklaerte Quelwaar, dass diese Lebensmittellieferungen (dank Subventionierung) so billig sind, dass sie die einheimische Landwirtschaft ruinieren, was weitere „Hilfen“ notwendig macht, und so fort.

    Quelwaar verglich diese „Helfer“ mit Drogendealern, die Leute suechtig machen, um ihnen dann dauerhaft den Stoff verkaufen zu koennen, und so auf Kosten anderer sich bereichern. Quelwaar kritisierte auch „die eigenen Leute“, die hierbei mitmachen, und bezeichnete sie als Nachfolger jener westafrikanischen Eliten, die den Europaeern beim Einfangen von Westafrikanern und ihrer Verschleppung in die Sklaverei halfen und dabei reich wurden. Dass ein Provinzpolitiker sich erdreistete, Klartext zu reden, bedeutete de fakto sein Todesurteil.

    Und vergleichbare Strukturen und Personen sorgten seinerzeit fuer die Rolle rueckwaerts im Realsozialismus – mit den bekannten Ergebnissen.

    Gefällt mir

  5. Danke Samy für diese ausführliche Information über Sankara und seine imperialistischen „Freunde“, konkreter „Entwicklungshilfe“ der imperialistischen Schmarotzer, den im Grunde ganz normalen Alltag des Imperialismus.
    Ausplünderung aller natürlichen und menschlichen Resourcen dieses Planeten im Interesse einer ausbeutenden herrschenden Minderheit, das ist der ganze „Sinn“ und Zweck des Kapitalismus/Imperialismus.
    Bei „Kommunisten Online“ gibt es gerade einen interessanten Beitrag über dieses abscheuliche menschenverachtende ganz aktuelle Treiben der Imperialisten in Indonesien.
    Und so verfahren sie überall, wo sie ihre Marionetten, gefügigen Puppen, Gangster, Ganoven, Volksbetrüger installiert haben.
    Gerade versuchen sie ja in Syrien, ebenfalls solch ein abscheuliches Marionettenregime billiger höriger Knechte, billigen Ausverkaufs aller nationlen natürlichen Resourcen zu installieren.
    Nur ein winziges Beispiel: In Lybien, Irak und einigen Teilen Syriens verscherbeln „Rebellen“, „Freiheitskämpfer“ sehr billiges Öl unter dem Weltmarktpreis ÖL ins Ausland…..
    Da noch Fragen?

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s