Woher kommt der deutsche Opportunismus?

irgendwo…irgendwo in Deutschland

Wieder einmal stehen in der BRD Wahlen bevor. Um es kurz zu machen: auch wenn die Wahllosungen noch so griffig sind und überzeugend scheinen, keine einzige von all den bürgerlichen Parteien vertritt die Interessen des Proletariats*. Keine einzige ist bereit, dafür an den Grundfesten der Ausbeuterordnung zu rütteln. Weder die CDU, noch die SPD, FDP, die Linke oder die Grünen sind dafür geeignet! Wir sehen zwar, daß der Kapitalismus als alte, überlebte Gesellschaftsordnung abgewirtschaftet hat und zu keinerlei menschen-würdigen Lösungen mehr imstande ist, wir sehen, daß die Verbrechen der Imperialisten auf der Welt rapide zunehmen, doch wir wundern uns darüber, daß die deutsche Arbeiterklasse so wenig revolutionär ist, daß sie so gespalten ist und daß sie ein so schwach entwickeltes Klassenbewußtsein besitzt. Und dabei ist es doch aus historischer Sicht sehr leicht erklärlich, wie es dazu kam.

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es den Opportunismus (die prinzipienlose Anpassung an die herrschende kapitalistische Ordnung) und den Reformismus (nach dem Motto: Besser Leben im Kapitalismus!). Mit dem aufkommenden Imperialismus begannen die Kapitalisten, eine Arbeiteraristokratie heranzuzüchten, die sich aufgrund ihres relativen Wohlstandes mit dem Kapitalismus ausgesöhnt hatte, desweiteren predigten Verräter der Arbeiterklasse unter Preisgabe der marxistischen Lehre einen Weg des friedliche Hineinwachsen in den Sozialismus. In der damaligen Sowjetunion hingegen verlief die Sache wesentlich anders. Dort hatte man mit Erfolg damit begonnen, den Zarismus zu beseitigen und die kapitalistische Ordnung abzuschaffen. Die Große Sozialistische Oktoberrevolution wurde zu einem Fanal für die gesamte Menschheit. Die Partei der Bolschewiki führte einen unversöhnlichen Kampf gegen die Opportunisten und Reformisten. Und der ist auch notwendig, wenn sich die gesellschaftlichen Verhältnisse eines Tages wieder zugunsten der arbeitenden Menschen ändern sollen.

Das Eindringen opportunistischer und imperialistischer Ideen in die Arbeiterbewegung

a) Handwerker werden zu Proletariern
Immer größere Massen selbständiger Handwerker wurden zu Lohnarbeitern; ihre kleinen Werkstätten unterlagen im Konkurrenzkampf kapitalistischen Unternehmen. Ein Meister oder Geselle nach dem anderen mußte in die Fabrik gehen. Ähnlich erging es manchem kleinen Ladeninhaber, der sich gegenüber den großen Handelsfirmen nicht behaupten konnte und ruiniert wurde. Massenweise wurden Angehörige des Mittelstandes zu Proletariern. Diese neuen Arbeiter sahen nicht, daß ihr wirtschaftlicher Ruin eine Folge der kapitalistischen Entwicklung war. Sie wollten daher auch nicht die kapitalistische Gesellschaftsordnung beseitigen, sondern sie forderten nur Reformen, um ihre augenblickliche Lage zu verbessern. Das nutzten die Kapitalisten aus, um mit ihrer Hilfe einen Teil der Arbeiter irrezuführen und für sich zu gewinnen. Das Anwachsen der Sozialdemokratischen Partei, der Gewerkschaften und Genossenschaften wirkte auch auf bürgerliche und kleinbürgerliche Intellektuelle anziehend. Sie erstrebten und erhielten eine sichere Existenz in der Arbeiterbewegung als Redakteure, Abgeordnete, Sekretäre usw. Ihre bürgerliche Weltanschauung legten nur wenige von ihnen restlos ab. Sie wurden gleichfalls Stützen des Reformismus.

b) Ablehnung der sozialistischen Revolution und der Diktatur des Proletariats
Das Eindringen kleinbürgerlicher Elemente, die so leicht durch die kapitalistische Denkweise zu beeinflussen waren, führte dazu, daß in der Sozialdemokratischen Partei eine opportunistische Richtung entstand, die besonders stark in . den Parlamentsfraktionen des Reiches, der Länder und Gemeinden war. Man nennt sie opportunistisch, weil sie um kleiner Alltagserfolge willen auf die Durchsetzung der großen revolutionären Befreiungsideen der Arbeiterklasse verzichtete und sie damit verriet. Die Opportunisten bestimmten immer mehr die Politik der Sozialdemokratischen Partei. Ihr Führer, Eduard Bernstein, forderte in den neunziger Jahren eine umfassende Überprüfung und Abänderung (Revision) der Lehren von Marx und Engels. Die Revisionisten lehrten, daß es den Arbeitern schon im Kapitalismus allmählich immer besser gehen würde, wenn von einer Wahl zur anderen die sozialdemokratischen Stimmen zunähmen, wurden die Arbeiter bald die Mehrheit erreichen, und man würde auf diesem Wege friedlich in den Sozialismus hineinwachsen. Eine sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats seien nicht nötig. Es genüge, im Rahmen des bestehenden kapitalistischen Staates Reformen durchzusetzen. Ähnliche Ansichten entstanden auch in den Arbeiterparteien anderer Länder. Das war eine ernste Gefahr sowohl für die deutsche als auch für die internationale Arbeiterbewegung. Auf den Parteitagen der SPD wies August Bebel mit Unterstützung der großen Mehrheit der Mitglieder die Forderung auf Revision der Marxschen Lehre scharf zurück. Aber in der Praxis setzte sich die Politik der Anhänger Bernsteins immer mehr durch. Diese bereits unter dem Sozialistengesetz einsetzende und nach 1890 offen auftretende opportunistische Beeinflussung der Arbeiterbewegung erhielt ihren besonderen Auftrieb im Imperialismus.

Entstehung einer Arbeiteraristokratie

Die Kapitalisten benutzten einen Teil ihrer hohen Monopolgewinne, um eine kleine Gruppe ihrer Arbeiter besserzustellen und damit über die anderen Mitglieder der Belegschaften hinauszuheben. Diese erhielten höhere Löhne als die Masse der Arbeiter. In manchen Fällen gewährte ihnen der Unternehmer Werkwohnungen oder einen unbedeutenden Anteil am Gewinn des Betriebes. Damit wollte man eine kleine Schicht schaffen, die mit der Erhaltung des Kapitalismus einverstanden war. Man bezeichnet diese Schicht als Arbeiteraristokratie. Die Unternehmer wandten die Methode der Bestechung an, um einen Keil in die Arbeitermassen zu treiben. Die Arbeiteraristokratie wurde zu einem ausgesprochenen Träger imperialistischer Gedankengänge. So kauften die englischen Imperialisten mit Hilfe ihrer Kolonialgewinne eine große Anzahl von Arbeiterfunktionären und machten sie zu festen Stützen ihrer imperialistischen Politik im Innern und nach außen, worauf bereits Engels in seinen Briefen an Karl Marx aufmerksam gemacht hat.

Drei Richtungen in der SPD

In der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands entstanden mit der Entwicklung des Imperialismus drei Richtungen:
1. Die „Rechten“, die jede Revolution ablehnten; mit ihrem starken Anhang von Partei-und Gewerkschaftsangestellten;
2. die zahlenmäßig schwachen „Linken“ um Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Franz Mehring, Clara Zetkin und Wilhelm Pieck. Sie kämpften entschlossen für die konsequente Anwendung des Marxismus auf allen Gebieten und für seine Reinhaltung von jedem Opportunismus;
3. die Zentristen, die beide Richtungen versöhnen wollten, dabei aber in Wirklichkeit den Opportunisten die Durchführung ihrer Politik ermöglichten.
Bebel setzte sich für die Reinhaltung der marxistischen Lehre ein, wollte aber die Einheit der Partei um jeden Preis erhalten und vermied es, mit den Opportunisten zu brechen. Selbst die Linken wichen vor diesem Schritt zurück. Die Opportunisten blieben in der Partei. Zwar war die Mehrzahl der Arbeiter und vor allem der Arbeiterjugend nicht mit ihrer Haltung einverstanden, aber die Zahl der „Rechten“ nahm unter den Partei- und Gewerkschafts-führern weiterhin zu. Sie werden als rechte sozialdemokratische Führer bezeichnet. Sie dienen den Interessen der Monopolkapitalisten.

Der Kampf der Bolschewiki gegen die Opportunisten

Im Gegensatz zur deutschen Sozialdemokratie hatte die Partei der Bolschewiki die organisatorische Trennung von den Opportunisten durchgeführt. vertrat eine klare, marxistisch-revolutionäre Politik. Ihre Führer, Lenin Stalin, kritisierten scharf die Opportunisten in Rußland und den rechten Flügel in der deutschen Partei und in der II. Internationale. Sie vertraten die Meinung, daß die Rechten aus der sozialistischen Arbeiterbewegung geschlossen werden müßten. Damit zeigten sie auch der deutschen Arbeiterklasse den richtigen Weg. Er wurde aber nicht beschritten. Die deutsche Sozialdemokratie war die zahlenmäßig stärkste Partei in der II. Internationale Ihre rechten Führer sahen in nationalistischer Überheblichkeit mit Geringschätzung auf die Partei der Bolschewiki herab. Sie unterdrückten auch in der sozialdemokratischen Presse die Stellungnahme der Bolschewiki zu den Grundsätzen des Marxismus. Die Partei der Bolschewiki forderte auf allen internationalen Kongressen einen unversöhnlichen Kampf gegen den Kapitalismus und gegen seine Anhänger und Verteidiger in der Arbeiterklasse, nämlich gegen Opportunisten und Zentristen. Sie verlangten schärfsten Kampf gegen die imperialistischen Kriegstreiber.

Zusammenfassung:
Unausgesetzt strömten kleinbürgerliche Elemente in die Arbeiterklasse und auch in die Sozialdemokratie. Sie verlangten Flickreformen anstatt des konsequenten Kampfes gegen die kapitalistische Ausbeutung. In der Sozialdemokratie entstand eine opportunistische Richtung. Verräter an der Sache der Arbeiterklasse verlangten eine Abänderung, in Wirklichkeit die Preisgabe der marxistischen Lehre. Sie predigten das friedliche Hineinwachsen in den Sozialismus; sie verwarfen die sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats. Die Kapitalisten züchteten systematisch eine Arbeiteraristokratie, eine Minderheit von Arbeitern, die durch materielle Besserstellung mit dem Kapitalismus ausgesöhnt wurden. In der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands entstanden drei Richtungen: die Rechten, die Zentristen und der von Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Wilhelm Pieck geführte linke Flügel. Es kam nicht wie in Rußland zu einem klaren Bruch mit den Opportunisten. Die Partei der Bolschewiki führte einen unversöhnlichen Kampf gegen den Opportunismus und zeigte damit der deutschen Arbeiterbewegung den richtigen Weg. Zum Nachteil für die deutschen Arbeiter wurde er nicht beschritten.

Quelle:
Lehrbuch für den Geschichtsunterricht, 7.Schuljahr, Ausgabe 1952, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1955, S.322-324

*Anmerkung:
Zum Proletariat gehören alle diejenigen Lohnarbeiter, die – weil sie kein Eigentum an Produktionsmitteln besitzen – gezwungen sind, ihren Lebensunterhalt dadurch zu bestreiten, indem sie ihre Arbeitskraft an die Kapitalistenklasse verkaufen, wobei sie für diese Klasse die Existenzmittel und den Reichtum schaffen, und so – unabhängig von der Höhe ihres Lohnes – ausgebeutet werden. Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung besteht aus Lohnempfängern. Kleine und mittlere Unternehmer, sowie deren mithelfende Ehefrauen, arbeiten indessen für den Profit und den Erhalt der eigenen Firma. Sie zählen nicht zu den Lohnempfängern. Der unversöhnliche Interessengegensatz zwischen dem Proletariat und der Kapitalistenklasse ist die Grundlage des Klassenkampfes. Darin besteht der unlösbare Hauptwiderspruch des Kapitalismus, es ist der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privatkapitalistischer Aneigung.

Siehe auch:
Was versteht man unter Ausbeutung?
Wer gehört eigentlich zur Arbeiterklasse?
Warum gibt es überhaupt Arbeitslosigkeit?
Stalin: Was ist besser Sozialismus oder Kapitalismus?
Warum ist der Kommunismus gut für die Menschen?
Laßt uns den Marxismus verteidigen!

5 Gedanken zu “Woher kommt der deutsche Opportunismus?

  1. Dein Beitrag ist wie immer hoch „fleschwertig“.

    Wenn ich das richtig verstanden habe, kommt der Opportunismus von der gespaltenen Arbeiterbewegung und vom Keil den die Unternehmer in die Arbeiterschaft treiben, weil sie einige besser bezahlen bzw. überhaupt durch gute Bezahlung die Arbeiter vom Revoltieren abhalten wollen. Das denke ich auch.

    Nur mit dem letzteren Abschnitt, dass die Bolschewiki den Kampf gegen den Opportunismus erfolgreich bekämpft haben, kann ich nicht ganz übereinstimmen. Im Stalinismus sind doch Menschen umgekommen. Also wurde jede Form von Gegenmeinung mit Gewalt niedergemacht. Das kann niemand gut finden. Und wie hätte das in Deutschland aussehen sollen?

    Trotzdem: deinen Schreibstil bewundere ich!

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  2. Danke, Luise. Ja, natürlich sind in der Stalin-Zeit Leute ums Leben gekommen, hingerichtet worden, erschossen worden. Viele zurecht, manche durchaus auch ungerechtfertigt. Durch die Bolschewiki. Aber Du darfst nicht vergessen, was die entmachtete Bourgeoisie, die Kulaken, die ehemaligen zaristischen Offiziere und die ausländischen Interventen und die inneren Feinde (Trotzkisten, Menschewiki..) alles angestellt haben, um die neue Macht der Arbeiterklasse wieder zu zerstören. Sabotage, Morde, Putsche, Kriege, Banden usw. – Hätte man sie gewähren lassen, wäre der Sozialismus keine drei Tage alt geworden.* Und so hat sich das unterentwickelte, verarmte Rußland, die Sowjetunion zu einer Weltmacht entwickelt. Nach Jahrhunderten hatte das Volk endlich eine leuchtende Perspektive. Dann kam der barbarische faschistische Krieg und und danach der „Kalte Krieg“ – alles das, um die Sowjetunion, das erste sozialistische Land der Welt, endgültig zu vernichten – was dann die Ganoven „Gorbi“, der Trinker Jelzin und der Oligarch Putin nur noch vollendeten: eine „Epoche der schwärzesten Reaktion“!

    *(Gegenmeinungen, schön und gut, die gab es ständig. man hat sich immer damit auseinandergesetzt. Lies mal die Biografie von Swerdlow, dann verstehst Du wie das ging. Oder lies mal Lenins bzw. Stalins Reden und Aufsätze…)

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  3. Hallo zusammen,

    nun sag mal Sascha – was meinst Du mit „Stalinzeit“? Stalin lebte vom 18.12.1878 bis 05.03.1953. Also – in der Zeit wurden Kriege von Zaun gebrochen (z.B. der 1. WK) , eine epochale Revolution begann ihren Lauf (und ist noch lange nicht zu Ende), Interventions- und Bürgerkriege gegen die SU gestartet, faschistische Konzentrationslager errichtet, Kriege in Asien vom Zaun gebrochen, die halbe Welt in einen faschistischen Krieg der Kapitalisten geführt, Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki geworfen, auf den Rheinwiesen 1945 hunderttausende Nazi-Soldaten von den Engländern, US Amerikanern, Franzosen verhungern gelassen… – von den Toten des Kalten Krieges gar nicht zu sprechen – aber der soll ja seit 1989 zu Ende sein…

    Na klar – ich versteh schon – Du versuchst EureLuise klar zu machen, daß mit Stalinzeit die Zeit der von den Bourgeoisen gemeinte Zeit ist, in der Stalin als höchster Repräsentant der UdSSR und deren Kommunistischer Partei war. Nur dort kamen Menschen ums Leben.

    Aber das wollte EureLuise gar nicht wissen.

    Sie wollte eigentlich nur ihre Meinung bestätigt wissen, daß bürgerlicher (oder auch „sozialistischer Opportunismus“ – gibt es den denn überhaupt?) „Opportunismus“ etwas Gutes für alle Menschen ist – weil ja die Opportunisten ja immer nur etwas Gutes – und vor allen „friedfertiges“ (also niemals Gewalt – welche Gewalt ist hier gemeint? – anwenden) für alle Menschen will.
    Und Opportunisten machen ja immer nur etwas Gutes für alle Menschen – weil sie ja Menschen sind (wie z.B. Faschisten, Kapitalisten, Romanow-Leute, Kerenski-Leute, Wlassow-Leute, Trotzkisten – vor allem aber US-Amerikaner und Deutsche…), und sind deshalb bei den Bolschewisten umgekommen – wie Eure Luise schreibt.
    Für EureLuise sind natürlich „Bolschewisten“ nur Stalinisten – die wurden ja nicht von den Faschisten überfallen… – das kennt sie aus dem Geschichtsunterricht – und die Bolschewisten morden Menschen – äh – die Opposition einfach hinweg – siehe: Wie die Stasi in der DDR…

    Und in Deutschland?

    Liebe EureLuise – selbstverständlich unterstütze ich Dich, wenn Du schreibst: Wie hätte das in Deutschland ausgesehen – wie Du finde ich die Ausschreitungen der BRD Polizei bei den jährlichen Anti-Nazi-Demos in z.B. Dresden einfach unmenschlich – auch bei den brutalen Übergriffen der deutschen Polizei bei den Protesten in Frankfurt/Main, in Stuttgart und anderswo (Heiligendamm – sagt dir das was?)…

    Und die Toten dabei? Über die reden wir ja nicht. Die gibt es ja nicht. Menschen sterben nach einer Demo ja im Krankenhaus . und da wird eben auch gestorben…

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  4. Klar, Bruttoertrag, natürlich hast Du recht. Wenn man das in diesem Rahmen sieht (und das muß man wohl auch!), dann sollte man auch über gerechte und ungerechte Kriege reden. Die Große Sozialistische Oktoberrevolution war eben ein gerechter Krieg, während der faschistisch-deutsche Überfall auf die Sowjetunion ein ungerechter Krieg war. Und man muß die Frage stellen: Ist Gewalt zur Verteidigung des Kommunismus etwa unmoralisch? Nein, sie ist es nicht. Ein Schmusekurs und jegliches Zugeständnis gegenüber der Bourgeoisie in der Frage der Erhaltung der Macht ist ein Verrat an der Arbeiterklasse.

    Die Partei der Bolschewiki hat unter Lenin und Stalin stets einen unversöhnlichen Kampf gegen den Opportunismus geführt. Und zwar nicht nur den Opportunismus gegenüber der Ausbeuterklasse, sondern auch den gegenüber dem Proletariat (gemeint sind damit solche falschen Fuffziger, die wie bspw. Michalkow heute wieder auf der ‚richtigen‘ Seite stehen). Das war absolut der richtige Weg. Zum Nachteil für die deutschen Arbeiter wurde dieser Weg hier nicht beschritten. Man hat sich von diesen Typen eben nicht verabschiedet. Und das spürt man noch heute.

    Folglich ist natürlich auch klar: Die Mitschuld des deutschen Volkes am 2. Weltkrieg ist ebenfalls ein Resultat dieses typisch deutschen Opportunismus.

    Übrigens Luise, es ist falsch, wenn Du schreibst, daß von den Bolschewiki jede Gegenmeinung angeblich mit Gewalt niedergemacht wurde. Das ist eine von den am weitesten verbreiteten antikommunistischen Verleumdungen. Das war weder in der Sowjetunion so, noch in der DDR. Man hat lange diskutiert, sehr lange – viel zu lange. Und die Diskussionen waren ja beabsichtigt, um das eigentliche Ziel zu verschleiern. Das Ziel war die Abschaffung des Sozialismus. Wie war das doch gleich mit den Andersdenkenden?

    Siehe hier:
    http://sascha313.blog.de/2011/03/20/boris-polewoj-leipzig-nuernberg-10861229/
    http://sascha313.blog.de/2012/05/05/freiheit-andersdenkenden-13632297/

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