Die österreichische PdA – eine revisionistische Partei?

pda-klein
In einer Erklärung schreibt die aus der österreichischen „Kommunistischen Initiative“ hervorgegangene Partei der Arbeit (PdA):

„…wir gründen diese Partei in dem Bewußtsein, daß es noch ein langer Weg sein wird, bis sie eine starke und einflußreiche Rolle in der österreichischen Gesellschaft spielen kann, es besteht aber auch kein Grund, kleinmütig zu sein, denn wir haben ja zusammen schon einiges erreicht. Die einen von uns haben vor acht Jahren die Kommunistische Initiative gegründet und aufgebaut, die viel zur Gründung der PdA beitragen konnte; die anderen haben…“ usw.

Und am Schluß heißt es:
„Sie soll die Partei des ganzen Volkes sein, die Partei, deren Namen die Arbeiter voller Stolz aussprechen können: Die Partei der Arbeit!“
[1]

Eine „Partei des ganzen Volkes“? Da muß man doch glatt hellhörig werden. Hat nicht mit ebendiesen Worten der Verräter und Antikommunist Chruschtschow, der 1956 den Niedergang der einst so starken und siegreichen kommunistischen Weltbewegung einleitete, auf dem XXII. Parteitag der KPdSU ebenfalls verkünden lassen, aufgrund des völligen und endgültigen Sieges des Sozialismus in der UdSSR habe sich die Partei der Arbeiterklasse in eine „Partei des ganzen Volkes“ verwandelt? Es zählen also keine Klassenunterschiede mehr? Also auch: Weg mit der Diktatur des Proletariats???
Das ist reinster Revisionismus! Die Verworrenheit der Argumentation von Bruckner/Zenker nähert sich an das, was wir bereits von der sog. „Marxistischen Gruppe“ (namentlich von dem ’seligen‘ Dr. Karl Held) her kennen. Diese Gruppierung war ausgesprochen begabt darin, ihre Zuhörer oder Leser mit verschachtelten Sprüchen zu verwirren, von denen sie wohl selbst nicht immer verstand , was sie eigentlich sagen wollte. Lenin hat sich zur Klassenfrage und zur Bündnispolitik der Arbeiterklasse sehr eindeutig geäußert. Er schrieb:

Es gilt hier zu verstehen, welche K l a s s e n die Triebkräfte der Revolution sind. Es gilt, nüchtern die verschiedenen Bestrebungen dieser Klassen in Rechnung zu stellen. Der Kapitalist kann nicht denselben Weg gehen, wie der Arbeiter. Die Kleinbesitzer können sich weder den Kapitalisten ganz anvertrauen, noch können sie sich alle sofort zu einem brüderlich engen Bündnis mit den Arbeitern entschließen. Nur wenn man den Unterschied zwischen diesen Klassen erkannt hat, kann man den richtigen Weg für die Revolution finden. (Lenin) [2]

Diese Parteigründung in Österreich blieb indes nicht ohne Reaktion. Es gab viele kritische Anmerkungen und auch klare Worte. So schreibt z.B. Genosse Ulrich Sch. aus N.:

Also doch kein Ausrutscher des Genossen Bruckner? Eines der wesentlichen Ergebnisse der Meinungsmanipulation ist, die Menschen dazu zu bringen, Quantität höher als Qualität einzuschätzen. Wenn ich einen Hühnerzüchterverein habe und die Mitglieder um der Vielfalt wegen, mit Entenzüchtern vermehre, nur weil wir dann mehr sind, dann habe ich halt keinen Hühnerzüchterverein mehr.

Selbstverständlich müssen wir uns um Mittelschichten, Bauern, etc. bemühen, und das immer im Wissen um ihre Unbeständigkeit. Das kann man ja tun ohne gleich die eigene Substanz zum Fenster hinauszuwerfen – mit Bündnissen, Volksfront etc. dafür sind die nämlich da. Aber da ist ja die Crux bei ganz vielen Menschen und auch bei Genossen. Sie haben nicht den Schneid und die Standfestigkeit, mal als Minderheit oder alleine für die Wahrheit geradezustehen. Und dann wird da halt mal ein bißchen geschummelt. Man nennt das Opportunismus.

Ein weiterer Aspekt ist der materielle. Die Klasse ist eben nicht nur ein abgehobener, soziologischer Begriff, sondern sie wird objektiv durch das Verhältnis zu den Produktionsmitten bestimmt: Ausbeuter oder Ausgebeuteter, Eigentümer oder nur der seiner Arbeitskraft. Subjektiv wird er bestimmt durch die materielle Erfahrung im Produktionsprozeß. Das ist ganz konkret. Vielleicht fehlt einigen das Verständnis dafür. Wenn wir also anfangen, die Klassen zu vermischen, dann ist das so, als ob man Wölfe und Schafe in den selben Kraal sperrt und versucht eine Herde daraus zu machen. Das haben wir nämlich schon in der bürgerlichen ‚Demokratie‘.

Durch die Phase, in der wir sind, die Phase der Konfusion, des geistigen Niedergangs und auch zuweilen der ideologischen Einsamkeit, die ganz schnell eine soziale werden kann, durch das müssen wir als Kommunisten durch. Wir müssen gerade in dieser Phase unsere kommunistische Substanz hüten, wie den eigenen Augapfel, und nichts wird dabei vergeben. Wenn wir das überstehen, erst dann werden wir die Hefe sein, die aus dem Fladen ein Brot macht. Das ist viel wichtiger als auf Vielfalt oder Mehrheit zu spekulieren. Das ist manchmal ein hartes Brot. Trotz alledem, ich möchte es gegen nichts tauschen.
Der Kommunismus hat mir alles gegeben. [3]

Aber es gibt auch andere Stimmen: Pünktlich jubelt dagegen zu dieser Parteigründung die Münchner Zeitschrift „Theorie & Praxis“: „Wir wünschen der PdA nur das Beste für die Zukunft und sind uns sicher, daß heute eine neue Bruderpartei aus der Taufe gehoben wurde.“ Ganz so sicher wäre ich mir da nicht, zumal es bei der PdA noch erhebliche Unklarheiten gibt. Hinzugefügt sei noch: Eine revolutionäre Partei muß ihre Reihen festigen und sicherstellen, daß sie ihre Grundsätze weder verwässert noch aufgibt. Sie muß Wert legen auf die marxistische Bildung, sowie eine umfassende ideologische Festigkeit aller ihrer Funktionäre.

Quelle:
[1] Partei der Arbeit, Österreich
[2] W.I. Lenin, Einleitung zu den Resolutionen der Siebenten Gesamtrussischen Konferenz der SDAPR( B ), (Aprilkonferenz), Werke Bd.24, S.308.
[3] Kommunisten-online

Siehe auch:
Das Wesen des Revisionismus
Der Bruch in der Komunistischen Bewegung
L.Pribytkowa: Die Demontage
Laßt uns den Marxismus verteidigen!

3 Gedanken zu “Die österreichische PdA – eine revisionistische Partei?

  1. Lieber Genosse Norbert,
    Man sollte doch die Kirche im Dorf lassen und nicht schon jetzt jedes Wort,das die PdA von sich gibt, auf die Goldwaage legen. Die auf dem Gründungsparteitag beschlossenen Grundsätze,die du ja auch schon vorab veröffentlicht hattest,zeigen doch auf,dass die PdA auf vollkommen marxistisch-leninistischer Grundlage basiert.Die meisten der Gründungsmitglieder stammen aus der opportunistischen KPÖ und haben sich eben wegen deren Abkehr von Grundsätzen des Marxismus-Leninismus von ihr getrennt.Bereits jetzt dieser Partei,die sich für einen schweren und steinigen Weg entschieden hat,Revisionismus vorzuwerfen-das finde ich unfair.Ich jedenfalls habe mich entschieden,Mitglied dieser Partei zu werden,weil sie die einzige in Österreich ist,die mir eine politische Heimat bieten kann.

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  2. Lieber Genosse Günter, klar, man soll nicht gleich das Kind mit dem Bade auskippen. Ich habe lange hin und her überlegt, wie ich das schreibe. Gut – der Satz ist kritisiert worden, zurecht, und nun muß man sehen, wie sich die Sache entwickelt. Fakt ist auch: jeder gescheiterter Versuch der Gründung einer kommunistischen Partei ist ein Schritt zurück. Und man darf auch nichts überstürzen. Ich werde das jedenfalls wieder löschen, sobald sich was besseres findet. Versprochen! Und Du hast freilich recht: der Weg ist steinig genug!

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  3. Lieber Norbert, Deine Beiträge hier sind das reinste Parteilehrjahr. Ich gehe davon aus, Du verstehst diese Sicht als die Wertschätzung, als die ich es meine. Danke für die zahlreichen gradlinigen, parteilichen Beiträge! Neben dem Selbststudium, lebt man von solchen Lebendigkeiten der Genossen.

    Was nun die PdA anbelangt, scheint mir, ohne dass ich da für mich schon alles zur schließlichen Bewertung zusammen habe; jede solcher Parteigründungen war bisher ein Spaltungsakt.

    Sollte sich zeigen, dass die Gründung der PdA ein Prozeß der nationalen Entwicklung in Österreich ist, wird eine neue Bewertung vorzunehmen sein. Bei dem was ich von hier zur Lage in Österreich vernehme, sehe ich keinen Prozeß, der mir Überzeugung gibt, dass die PdA ein Gewinn für die Arbeiterklasse wäre. Und aus der PdA heraus sehe ich weder Fakten noch habe ich, bei dem dort bislang verlautbarten, das Gefühl, das da Kommunisten ein Haus gegeben ist, in dem der Marxismus-Leninismus nicht nur im Regal steht. Die Einrichtung dieses „Hauses“ wirkt doch eher wie Revisionismus aus dem Katalog im Sonderangebot.

    Es ist schon gesagt, wir sollen abwarten und nicht schwarz malen, bevor wir da nicht sicher sind. Und da die KPÖ von Feind okkupiert ist, könnte die PdA ja der Versuch der Aufrechten sein, zu retten was zu retten ist. Wenn aber die Kräfte der übergetretenen Genossen nicht ausgereicht hatten, die KPÖ vor der Okkupation zu bewahren, zweifel ich doch, dass die Kräfte nun reichen und beisammen sind eine PdA zu bauen, die die Kommunisten stärkt.

    Immerhin, unsere Zeit bringt zügig Bewehrungsproben. Wir werden recht bald Klarheit betreff der neuen PdA haben.

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