Helden der afrikanischen Revolution: Thomas Sankara

Mit dem heroischen Sieg der Sowjetunion über den deutschen Faschismus im Jahre 1945 mußte der Imperialismus seine bisher größte Niederlage einstecken. Infolgedessen veränderte sich auch weltweit das Kräfteverhältnis hin zur Seite der sozialistischen und der antiimperialistischen Länder. Zu letzteren gehörte auch das frühere Obervolta, das heutige Burkina Faso, ein Land etwa von der Größe Großbritanniens. Vier Jahre lange regierte dort der junge afrikanische Revolutionär Thomas Sankara. Am 15. Oktober jährt sich der Tag seiner Ermordung. Er war der letzte legitime Präsident von Burkina Faso.
Ein Verrat, der uns erinnern soll.

Thomas Sankara
Thomas Sankara (21.12.1949 – 15.10.1987)

Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie auch Deutschland durch viele Fasern mit dem afrikanischen Kontinent verbunden ist. Der Kapitalismus hatte sich nicht in allen Ländern mit gleicher Schnelligkeit entwickelt. Als nun Deutschland Kolonialpolitik zu treiben begann, war ein großer Teil der Welt schon unter die alten kapitalistischen Mächten aufgeteilt. Die deutschen Kapitalisten forderten daher bereits in den 1880er Jahren mit Nachdruck die Eroberung von Kolonien. Ihre Werke produzierten fast ebensoviel Waren, wie die Fabriken der französischen Bourgeoisie. Jetzt strebten sie nach billigen Rohstoffen und aufnahmefähigen Märkten. Die Ausplünderung von Kolonien sollte ihnen noch höhere Profite sichern. Bismarck scheute sich aber noch, überseeische Gebiete zu erobern. Er befürchtete, daß Deutschland durch den Bau einer Flotte, ohne die es keine Kolonialpolitik treiben konnte, in einen Gegensatz zu England geraten würde. Das hielt Bismarck in dieser Zeit für gefährlich.

Die ersten Kolonien der deutschen Kapitalisten

Zu Beginn der 1880er Jahre verschärften sich jedoch die Gegensätze zwischen England, Rußland, Frankreich und Italien. Frankreich annektierte 1881 Tunis, das sich Italien aneignen wollte. England unterwarf Ägypten; auch die französische Bourgeoisie hatte dieses Land als Kolonie erobern wollen. Das zaristische Rußland besetzte 1884 Turkmenien, für das sich auch England stark interessierte. Jetzt schien Bismarck die Gelegenheit, Kolonien zu erobern günstig. Der Bremer Kaufmann Lüderitz gründete 1883 in Südwestafrika eine Handels-niederlassung. Im April 1884 unterstellte Bismarck diese Gründung mit dem benachbarten Küstenstreifen der Oberhoheit des Deutschen Reiches. So entstand die erste deutsche Kolonie in Südwestafrika. Die deutsche Bourgeoisie trat in den Kolonien genauso räuberisch und grausam auf wie die englischen und französischen Kapitalisten. [1]

Ist Deutschland noch eine Kolonialmacht?

Zur Geschichte der deutschen Kolonialpolitik ließe sich sicherlich noch vieles sagen. Wie steht nun die heutige BRD zu ihrer imperialen und kolonialistischen Vergangenheit? Man kann dies am Beispiel von Burkina Faso nachvollziehen. Um herauszufinden, was Deutschland dem afrikanischen Kontinent schuldig ist, betrachte man sich die folgende Kartenübersicht von 1914. Deutlich (schwarz schraffiert) ist hier zusehen, welche bedeutenden Gebiete das imperialistische Deutsche Reich bis dahin erobert hatte:
Aufteilung Afrikas (1914)
Die Aufteilung Afrikas unter die imperialistischen Mächte (1914)

Und damit nicht jemand, der googlegeschädigt oder sonstwie hirngewaschen ist, auf den Einfall kommt, Deutschland sei niemals eine „richtige“ Kolonialmacht gewesen, wird hier auf die damaligen „deutschen Schutzgebiete“ verwiesen. Auch dafür steht die bis heute fortgesetzte Ausbeuterpolitik und kolonialistische Grundhaltung der BRD. Das ist Beleg und Anklage zugleich. Es ist hier nicht zu diskutieren, ob Burkina Faso als Beispiel für Deutschlands koloniale Untaten zutrifft. Deutschland profitiert seit jeher von der Ausbeutung, Unterwerfung, Entrechtung und Ermordung der Völker Afrikas. Wer sich davon nicht betroffen fühlt, der ist allemal einbezogen in die verschiedensten Verwicklungen dieses imperialistischen Deutschlands in den afrikanischen Kontinent. Und sei es dadurch, daß europäische Schrottautos in Afrika abgeworfen werden.

Eine perfide Wortschöpfung: „Scheinasylant“

Gerne wird heute von deutschen Politikern die Floskel vom „Mißbrauch des deutschen Asylgesetzes“ benutzt, um Gewalttaten gegen Asylsuchende zu rechtfertigen. Zynisch ist dabei die Rede von angeblichen „Wirtschaftsflüchtlingen“, die man hier nicht „gebrauchen“ könne und nicht haben wolle. Doch selbst wenn jeder afrikanische Asylsuchende auch nur einen Bruchteil von dem in Anspruch nähme, was den afrikanischen Ländern durch die imperialistischen Länder Europas geraubt wurde, so ist damit die Schuld noch längst nicht abgetragen. Wahrscheinlich wird man hierzulande erst dann über die wahren und hauptsächlichen Ursachen der wachsenden Asylantenströme nach Europa nachzudenken beginnen, wenn nicht nur Tausende, sondern Abermillionen Afrikaner ihre Rechte einfordern und die Europäer für allen Raub verantwortlich machen.
AusbeutungWo liegt nun Burkina Faso?

Die ehemalige französiche Kolonie Obervolta (jetzt: Burkina Faso) befindet sich in Westafrika. Das Land erlangte am 5. August 1960 unter diesem Namen seine Unabhängigkeit. Lange Zeit herrschte dort ein Militärregime. Nach erfolglosen Versuchen, zu einer Zivilregierung zurückzukehren, und mehrfachem Machtwechsel unter den rivalisierenden Gruppierungen des Militärs kam es 1983 zur Revolution. Am 4.August 1983 übernahm ein Nationalrat der Revolution die Macht. Sein Vorsitzender und zugleich Staatsoberhaupt und Regierungschef wurde Hauptmann Thomas Sankara, der als Ziel die Errichtung einer sozial gerechten, den Interessen der Mehrheit der Bevölkerung entsprechenden, gesellschaftlichen Ordnung proklamierte. Am ersten Jahrestag der Übernahme der Macht durch die neue Regierung wurde Obervolta dann in Burkina Faso (Land der aufrichtigen Menschen) umbenannt. [2]
Burkina FasoBurkina Faso

Und das ist Afrika heute:
Goldsuchersklaven 1Goldsuchersklaven 2
Arbeitssklaven auf Goldsuche

Ich, als in der DDR Geborener, habe in meinem Staat, der DDR, die Solidarität mit Afrika erlebt und gelebt. Vorläufig lebe ich nun in einer mir aufgezwungenen Bundesrepublik Deutschland. Die Vorstellungen von Sozialismus sind hier gegenwärtig im Volk auf „Pause“ eingestellt. Die Menschen sind zwar verblödet vom herrschenden System, jedoch ist die Menschheit nicht per se blöd. Sie werden den Sozialismus wieder ergreifen. Und dann gibt es auch für Helden wie Thomas Sankara Gerechtigkeit. – Vorläufig sage ich jedem Afrikaner: Thomas Sankara ist auch bei uns nicht vergessen. Er stand für die gerechteste Sache der Welt, den Sozialismus. Und er wird weiterleben in den Herzen der Menschen, in meinem wie auch in den Euren! (N.N.) [3]

Quellen:
[1] Lehrbuch für den Geschichtsunterricht, 7.Schuljahr (DDR), Ausgabe 1952, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1955, S.282f.
[2] Autorenkollektiv: Länder der Erde, Politisch-ökonomisches Handbuch, Verlag Die Wirtschaft Berlin, 1985, S.115f.
[3] Text von ‚Vorfinder‘ (leicht bearbeitet)

Siehe auch:
Oyunga Pala: The Upright Man (engl.)

Ehret die Arbeit…

Ein Loblied auf die Arbeiterklasse! Viel zu selten werden heute diejenigen Menschen geehrt, die tagtäglich fleißig ihre Arbeit verrichten und denen oft nicht einmal der ihnen zustehende Lohn gezahlt wird, der notwendig ist, um den Lebensstandard zu erhalten, sondern lediglich ein existentielles Minimum, das gerade mal zum Überleben reicht, und denen – wie Karl Marx schreibt – der „für die physische Existenz des Geschlechts notwendige Rest vermittels der Armengesetze“ [1] aufgebracht werden muß. Heute sagt man dazu: das sind die „Aufstocker“, die zusätzlich zu ihrem kärglichen Lohn (von bspw. 7,50 € pro Stunde) noch Sozialhilfeleistungen beantragen müssen, um nicht unter die Armutsgrenze zu fallen, um die Miete bezahlen zu können, ja – die ansonsten wohl verhungern müßten. Und das in einem der reichsten kapitalistischen Länder der Welt! Hier gibt es eben „Tafeln“ wie anderswo Suppenküchen. Armutsberichte, deren Ergebnisse nur sporadisch an die Öffentlichkeit gelangen, bezeugen dies: „In Deutschland leben über 2,5 Millionen Kinder in Einkommensarmut. Dies entspricht etwa 19,4 Prozent aller Personen unter 18 Jahren.“ [2] Deshalb: Ehret die Arbeit! Und wer keine Arbeit hat, der hat in der kapitalistischen BRD nicht einmal das Recht auf einen Arbeitsplatz, geschweige denn auf angemessene Entlohnung!
Wie lange willst du noch darum betteln, daß man dich arbeiten läßt, Arbeitsloser?
Wie lange willst du dich noch ausbeuten lassen, Prolet?

Ferdinand Freiligrath

Ferdinand Freiligrath (1810-1876)

EHRET DIE ARBEIT

Wer den wucht’gen Hammer schwingt;
wer im Felde mäht die Ähren;
wer ins Mark der Erde dringt,
Weib und Kinder zu ernähren;
wer stroman den Nachen zieht;
wer bei Woll‘ und Werg und Flachse
hinterm Webestuhl sich müht,
daß sein blonder Junge wachse: –

Jedem Ehre, jedem Preis!
Ehre jeder Hand voll Schwielen!
Ehre jedem Tropfen Schweiß,
der in Hütten fällt und Mühlen!
Ehre jeder nassen Stirn
hinterm Pfluge! – Doch auch dessen,
der mit Schädel und mit Hirn
hungernd pflügt, sei nicht vergessen!

Ferdinand Freiligrath
———————————————————

Der Dichter Ferdinand Freiligrath

Freiligrath, in Detmold geboren, entstammte einer armen Lehrerfamilie. Er mußte den Besuch des Gymnasiums vorzeitig abbrechen und trat in die Kaufmannslehre. Dieser Beruf bildete fast sein ganzes Leben lang die materielle Grundlage seiner Existenz, aber schon sehr bald empfand er drückend dessen kleinbürgerliche Enge. Mit zum Teil romantischen Gedichten über ferne Länder versuchte er darum, sich in eine Phantasiewelt zu flüchten. Gegenüber der politischen Entwicklung in Deutschland verhielt sich der Dichter anfangs zurückhaltend, aber 1844 veröffentlichte er einen neuen Gedichtband. „Ein Glaubens-bekenntnis“. Im Vorwort dazu sagt er: „Solange der Druck währt, unter dem ich mein Vaterland seufzen sehe, wird mein Herz bluten und sich empören, sollen mein Mund und mein Arm nicht müde werden, zur Erringung besserer Tage nach Kräften das ihrige mitzuwirken!“

Wer die Wahrheit sagt, der wird verfolgt

Diese mutigen Worte – im reaktionären Deutschland ausgesprochen – zwangen den Dichter zur Emigration. In Brüssel lernte Freiligrath Karl Marx kennen, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verbinden sollte. Bald darauf siedelte er in die Schweiz über. Hier veröffentlichte er 1846 die Gedichtsammlung „Ça ira!“ (= Es wird gehen). Sie enthält auch, das eindringliche Gedicht „Von unten auf“, in dem das revolutionäre proletarische Klassenbewußtsein deutlich zum Ausdruck kommt und das nach Franz Mehrings Worten der „Gipfel der sozialistischen Lyrik“ Freiligraths ist.

Die Revolution wird siegen, denn: „…sie töten den Geist nicht, ihr Brüder!“

Als die bürgerlich-demokratische Revolution von 1848 ausbrach, kehrte der Dichter in seine Heimat zurück. Er schrieb das Revolutionsgedicht „Die Toten an die Lebenden“ (1848), das außerordentlichen Widerhall fand. Die Regierung verfolgte ihn wegen des Gedichtes und machte ihm einen Hochverratsprozeß; er mußte jedoch freigesprochen werden. Durch seine Teilnahme an den revolutionären Kämpfen erwarb er sich den Ehrentitel „Trompeter der Revolution“. Freiligrath trat dem Bund der Kommunisten bei und arbeitete in der Redaktion der „Neuen Rheinischen Zeitung“ eng mit Karl Marx zusammen. In Freiligraths Revolutions-gedichten (z.B. „Die Revolution“) ist der Geist von Marx bis in die einzelnen Gedanken und Wendungen zu spüren“ (Mehring). Sie wurden durch Flugblätter schnell in ganz Deutschland verbreitet. Die letzte Nummer der „Neuen Rheinischen Zeitung“ vom 19. Mai 1849 enthielt des Dichters trotziges „Abschiedswort der Neuen Rheinischen Zeitung“: „Nun ade – doch nicht für immer ade! Denn sie töten den Geist nicht, ihr Brüder!“ Zwei Jahre später mußte der Dichter Deutschland erneut verlassen. Aus dem englischen Exil kehrte er – „immer noch der alte Achtundvierziger“ – 1868 nach Deutschland zurück, wo er 1876 starb. [3]

Quelle:
[1] Karl Marx: Lohn Preis und Profit, in: Marx/Engels, Ausgewählte Werke in sechs Bänden, Bd.III, Dietz Verlag Berlin, 1987, S.123.
[2] Deutscher Kinderschutzbund: Kinderarmut in Deutschland, siehe hier:
http://www.dksb.de/CONTENT/SHOWPAGE.ASPX?CONTENT=459&TPL=0
[3] Übersichten und Biographien zum Literaturunterricht Klasse 8-10, Volk und Wissen, Volkseigener Verlag Berlin, 1965, S.49f. (Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

P.S. In der DDR gab es keine Arbeitslosigkeit und keine Armut. Und es gab keine Ausbeutung mehr! Um diese EHRE, um dieses RECHT auf ARBEIT musen wir erst wieder KÄMPFEN.

Siehe:
DDR: Das Recht auf Arbeit
Leben in der DDR
Ein kinderfreundliches Land

Sieben Millionen für einen Fälscher…

Viele werden es kennen: „Der Hase im Rausch” – ein beliebtes und gern rezitiertes Gedicht von Sergej Michalkow. Wußte Eberhard Esche nicht, als er diese Strophen vortrug, wer der Autor war? Wußte er nicht, daß der Verfasser ein ebenso witziger, wie wendiger und anpassungsfähiger Poet war, der auf Wunsch seiner jeweils neuen Herren die Nationalhymne dreimal umgedichtet hatte: erst ein untertänigstes Lob auf Stalin, dann ‚Stalin raus und Chruschtschow rein‘, schließlich ein Hoch auf die russische Nation und dafür einen Orden aus der Hand des Oligarchen Putin. Seine adlige Natur machte es ihm möglich. Nicht weit vom Stamme fiel der Apfel: auch der künstlerische Sohn wußte, was er den Oligarchen schuldig ist…

Ljubow Pribytkowa

WARUM DER RUSSISCHE REGISSEUR NIKITA MICHALKOW
DIE LEIBEIGENSCHAFT SO IN DEN HIMMEL HEBT…

Im Juli 2013 teilte der bekannte russische Schauspieler und Regisseur Nikita Michalkow seinen Lesern hocherfreut mit, daß die russische Regierung seinem geplanten Historienfilm über die Leibeigenschaft in Rußland einen Zuschuß von 300 Millionen Rubeln (fast sieben Millonen Euro) gewährt hat. „Die Bolschewiki haben eine furchtbare Sache gemacht“, sagte er, „sie haben unser kulturelles Erbe aus dem Bewußtsein des Volkes gelöscht, die Erinnerung an alles Gute und Helle, das es im russischen Volk gab, einschließlich der Erinnerung an die Leibeigenschaft. Es ist unsere Aufgabe, die historische Wahrheit wiederherzustellen.”

Und den Begriffsstutzigen erklärt er: „Was war eigentlich Leibeigenschaft? Leibeigenschaft – das ist dokumentierter Patriotismus. Der Mensch war mit Mütterchen Heimat nicht nur durch sein Pflichtgefühl, sondern auch dokumentarisch verbunden. Die Leibeigenschaft ist eine Volksweisheit, es sind vierhundert Jahre unserer Geschichte. Und wenn mir jetzt jemand vorschlägt, diese 400 Jahre aus unserer Geschichte zu streichen, so ich sage, Brüder, denkt ihr etwa, daß unsere Vorfahren Dummköpfe waren?”
Leibeigenschaft
Michalkow träumt davon, im Film zu zeigen, welche „wertvollste“ Eigenschaft es in der Geisteswelt der russischen Bauern war: seine Liebe „zur festen Hand”. „Seit dem Abtritt der Bolschewiki denkt man in Rußland jetzt, daß die Leibeigenschaft so etwas ähnliches war wie die nordamerikanische Sklaverei. Aber es war durchaus nicht die Beziehung eines Sklaven zu seinem Gutsherrn, sondern vielmehr die eines Sohnes zu seinem Vater. Viele Bauern wollten keine ‚Freiheit‘. Ja, manchmal prügelte der Gutsbesitzer den Bauern; wie auch ein Vater sein ungehorsames Kind prügelt.“

Ist Michalkow nur ein armer Irrer?

Über das Gelesene sprach ich mit einem bekannten Irkutsker Kunstwissenschaftler. Erstaunt bemerkte er: „Na, bei dem Nikita ist wohl einfach das Dach weggeflogen.“ Damit war ich nicht einverstanden. Es ist wohl kaum anzunehmen, daß bei Michalkow in Zusammenhang mit seiner umfangreichen gesellschaftlichen Tätigkeit (er ist Leiter irgendeines Bündnisses und Vorsitzender irgendwelcher Fonds, Mitglied irgendeines Präsidiums und sogar der Präsident von irgendsoeinem Gremium usw.) und im Zusammenhang mit seinen regelmäßigen Streitereien im Verband der Filmschaffenden irgendwelche psychischen Anomalien begonnen haben. Und es ist auch kaum anzunehmen, daß er über die Geschichte unseres Vaterlandes in der Schule nichts gelernt hat, und daß er im vorgerückten Alter unsere gesamte klassische Literatur vergessen hat… Unwissenheit kann man ihm nicht vorwerfen. Er erinnert sich an alles. Er weiß alles.
Sklaverei in Rußland
Gab es im vorrevolutionären Rußland Sklaverei? – Ja, es gab sie!

Und am besten weiß er natürlich darüber Bescheid, daß die wahrheitsgemäße Interpretation der realen Geschichte unseres Landes heute nicht gerade in Mode ist. Auch weil man mit einer forcierten Fälschung der historischen Tatsachen angefangen hat. Und auch, weil man aus den Schulprogrammen die Werke der Klassiker der Literatur hinausgeworfen hat. Heute werden sie nicht mehr verehrt, jene bedeutenden Persönlichkeiten der russischen Kultur, die russischen Schriftsteller Radischtschew, Gribojedow und Ostrowski, Lermontow und Turgenew, Herzen und Tschernyschewski, Belinski und Dobroljubow. Im Kino, auf den Theaterbühnen und im Fernsehen sind Werke des kritischen und sozialistischen Realismus nur noch äußerst selten zu sehen.

Und Michalkow, der von Kindheit an im Lichte der Autorität seines berühmten Vaters glänzte, der selber von der Sowjetmacht verwöhnt wurde, kann sich vom Ruhm des bekannten Schauspielers, des produktiven Regisseurs, einer an die Macht gelangten Persönlichkeit des öffentlichen Lebens nicht lösen oder aus seiner Haut klettern, wenn er seinen Status quo nicht verlieren will. Er hat sehr gut begriffen, was man jetzt von ihm verlangt. Und er ist zu vielem bereit, um die neuen Herren des Lebens zufriedenzustellen. Er braute einen lästerlichen Film nach dem anderen über den Großen Vaterländischen Krieg zusammen, und nun kriecht er mit seinen schmutzigen Gedanken in die Geschichte unseres Vaterlandes hinein. Er hat seine vorhandene Begabung wunschgemäß einer speichelleckerischen Leidenschaft untergeordnet und wurde, wie ein kluger Mensch sagte, zum keineswegs unbekannten „Flaggschiff der Entsowjetisierung“.

Die Bourgeoisie und ihre intellektuellen Lakaien

Die heutigen Schüler und Studenten lernen schon nach Lehrbüchern, in denen die echten historischen Tatsachen verzerrt dargestellt und die realen Ereignisse verfälscht und gefälscht wurden. Meinungsfreiheit besitzen jetzt die Dunkelmänner der Russisch-Orthodoxen Kirche und solche Typen mit einer Pseudokultur wie Michalkow und Schwydki, Swanidse, Weller und Hunderte ihnen ähnlicher Leute. Sie sind bezahlte Agenten der Bourgeoisie. Man hat sie gemietet, um junge menschliche Seelen zu verbilden. Die wahren Bücher hat man aus den Bibliotheken hinausgeworfen, und andere wurden einfach verbrannt. Ihren Platz nimmt heute übersetzter und gedruckter westlicher Abfall ein, minderwertige Massenschmöker und Unterhaltungslektüre. Für die Jugend wurde es mit jedem Jahr schwieriger an wahrhafte Kultur zu gelangen und zur Wahrheit über Geschichte unseres Vaterlandes vorzudringen.
Russische ArbeitssklavenWolgatreidler
Rußland um 1870: leibeigene Arbeitssklaven an der Wolga

Doch es wird der Bourgeoisie und ihren intellektuellen Dienern wohl kaum gelingen, die Wahrheit durch die Lüge zu töten. Selbst unter den Bedingungen der grausamsten Reaktion, der staatlichen Verfolgung von Atheismus und marxistischer Weltanschauung, selbst bei Bildung eines superperfekten Systems der totalen Bespitzelung und Massenspionage, werden sich in der menschlichen Gesellschaft immer wieder Menschen finden, für die der Kampf für die Wahrheit höher steht als das Wohlwollen ihrer Herren. Und die Wahrheit ist doch folgende: Die vierhundertjährige Existenz der Leibeigenschaft in Rußland gehört zu den schwärzesten Kapiteln der russischen Geschichte.

Leibeigenschaft in Rußland: Es herrschte finsterste Sklaverei

Nicht zufällig schrieb der bedeutende russische Dichter Michail Lermontow 1841, als er sich in den Kaukasus begab: „Lebe wohl, du schmutziges Rußland – Land der Sklaven und der Herren…” Und viel früher, im Jahre 1790, schrieb der hervorragende russische Schriftsteller Alexander Radischtschew das unsterbliche Buch „Eine Reise von St. Petersburg nach Moskau“, das er anonym verlegte. Darin berichtete er als erster über das schwere Leben und die Rechtlosigkeit der Leibeigenen, über die Willkür und das politische Joch der in Rußland herrschenden Gutsbesitzer. „Ich blickte umher“, schrieb er, „und meine Seele war bedrückt von all dem menschlichen Leid.“ Ringsumher herrschte finsterste Sklaverei. Das war das Wesen der adeligen, auf der Leibeigenschaft beruhenden, zaristischen Monarchie. Die Mehrheit der Bauern war versklavt. Und dieses öffentliche Übel – die adelige Selbstherrschaft und die Leibeigenschaft – konnten erst durch die Volksrevolution ausgerottet werden. Der Thron mußte erst zerstört, und die Zaren hingerichtet werden.

Bitterer Frondienst unter zaristischer Herrschaft

Nachdem die zu dieser Zeit herrschende Zarin Katharina das Buch Radischtschews gelesen hatte, war sie empört. Eigenhändig bereitete sie die Anklage vor. Und ohne Zögern verurteilte die Strafkammer des Petersburger Gerichtes den Schriftsteller zum Tode. Man rief: „Hinrichten … den Kopf ab!” Aber die Zarin galt in Europa als „gebildete Herrscherin”, und so ließ sie sich zur Begnadigung herab, „schlug ihn in Ketten und verwies ihn zur Zwangsarbeit nach Nertschinsk“.

1902 erschien dann, zuerst in London und später auch in Rußland, von Pjotr Kropotkin das bemerkenswerte Buch „Aufzeichnungen eines Revolutionärs“. Aufgewachsen in der Familie eines Großgrundbesitzers, beschrieb er mit enzyklopädischer Wahrheitstreue das Leben des russischen Adels und die Leibeigenschaft der Bauern. Bei der Leibeigenschaft besaß der Gutsbesitzer den Boden, und die darauf wohnenden Bauern waren faktisch vom Gutsbesitzer abhängig. Es herrschte Frondienst – kostenlose Zwangsarbeit in der Wirtschaft der Gutsherrn an einigen Wochentagen. Der Gutsbesitzer war berechtigt, die Bauern zu verkaufen, zu kaufen und einzutauschen.
Moskauer NachrichtenLeibeigene zu verkaufen
Moskau um 1800: „drei Mädchen zu verkaufen“ – „Witwe, 33 Jahre, zu verkaufen“

Kaum eine Ausgabe der Moskauer „Wedomosti“ erschien, ohne daß nicht Anzeigen veröffentlicht wurden wie: „Zwei Knechte zu verkaufen, von den einer ein Hundeknecht, der andere ein Musikant ist” oder „Weber zu verkaufen, 35 Jahr alt, mit Frau und Tochter, sowie ein tüchtiger Hengst, 6 Jahr alt“. Der Gutsbesitzer konnte die ihm zwangsweise untertanen Bauern gegen ein Paar Windhundwelpen eintauschen. In einem der Museen Moskaus, wird das Gemälde eines der bekanntesten Maler um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20.Jahrhundert, von N.A. Kassatkin, aufbewahrt. Es trägt den Titel „Eine in Ungnade gefallene leibeigene Schauspielerin nährt an ihrer Brust die herrschaftlichen Welpen”. Beim Blick auf diese Leinwand füllt sich die Seele mit Haß auf die Unterdrücker.

Spießrutenlauf – eine furchtbare Strafe

Unter Katharina II. verschärfte sich das Joch der Leibeigenschaft. Es war sogar verboten, gegen den Fronherren Klage zu erheben. Der Gutsbesitzer konnte nach eigenem Ermessen heiraten und verkuppeln, für das geringste Vergehen mit Ruten auspeitschen lassen und zu den Soldaten geben, wen immer er wollte. Kropotkin schreibt: „Der Soldatendienst damals war schrecklich: Er dauerte 25 Jahre … und Prügel, Ruten- oder Stockhiebe gab es jeden Tag. Die Grausamkeit übertraf dabei alles, was man sich vorstellen kann. Wer unter das Militärgericht geriet, wurde fast immer zum Spießrutenlaufen verurteilt. Dabei wurden tausend Soldaten in zwei Reihen aufgestellt, die mit Stocken von der Dicke des kleinen Fingers (man gab ihnen die deutsche Bezeichnung „Schlitzruten”) ausgerüstet waren. Die Delinquenten jagte man drei, vier, fünf und mehrere Male durch diese Aufstellung, wobei jeder Soldat jedesmal einen Schlag auszuführen hatte. Die Unteroffiziere achteten darauf, daß die Soldaten nach Leibeskräften schlugen. Nach ein- oder mehreren tausend Stockhieben trug man das bluttriefende Opfer ins Spital, wo es nur behandelt wurde, damit die Strafe zu Ende gebracht werden konnte, kaum daß der Soldat sich ein wenig erholt hatte. … Nikolaj I. und sein Bruder Michail waren unbarmherzig.”

Unzählige Bauernaufstände gegen die zaristische Macht

Jedes Jahr gab es an einem oder dem anderen Ort in Rußland Bauernunruhen. Im 17. und 18. Jahrhundert fanden in Rußland vier Bauernaufstände statt. Im September 1603 flammte bei Moskau ein Aufstand der Bauern und Leibeigenen auf, der von Chlopok angeführt wurde. Zu seiner Niederschlagung schickte Zar Boris Godunow seine Truppen in einige der vom Aufstand erfaßten Städte. Im Jahre 1606 führte der flüchtige Leibeigene des Fürsten Teljatjewski, Iwan Bolotnikow, einen Aufstand an. Er verfügte über das Talent eines hervorragenden Feldherren und Organisatoren. Doch die zaristischen Truppen ertränkten auch diesen Volksaufstand im Blut.

Im Frühjahr 1670 begann am Don ein noch mächtigerer Volkskrieg, der von dem talentierten Anführer Stepan Timofejewitsch Rasin geleitet wurde. Die Aufständischen eroberten Zarizyn, Saratow und Samara … „Die anmutigen Briefe” Stepan Rasins fanden in ganz Rußland Verbreitung. Die Bauern, welche sie erhielten, töteten die Wojwoden, die Gutsbesitzer und ihre Verwalter und erhoben sich zum Kampf. Panikartig verließen die Gutsbesitzer ihre Landsitze. Fürst Juri Dolgoruki unterdrückte daraufhin den Aufstand mit unerhörter Grausamkeit. Doch Stepan Rasin blieb für immer im Gedächtnis des Volkes, das seine Heldentaten in Liedern und Legenden besang.

Im Jahre 1773 nahm die Bewegung Jemeljan Pugatschows gegen Adel und Leibeigenschaft riesige Ausmaße an. In seinen „Manifesten“ versprach er dem Volk „Land, Wasser, Wald, Wohnung, Güter, Flüsse, Fisch und Brot, Gesetze, Ackerland und Lohn, Blei und Pulver…“ „Euren Kindern und Kindeskindern gebe ich Freiheit für ewig.“

Hungerepidemien, Gewalt und Unterjochung der russischen Bauern

Im Volk waren die Unterdrücker verhaßt. Die Aufständischen brannten die Adelsgüter nieder und töteten die Gutsbesitzer. Allein 1820 waren 13 russische Gouvernements von Unruhen erfaßt. Der Hunger in den Jahren 1820-1821 verschärfte sich die Situation. Ganze Dörfer ernährten sich von Spreu, Gänsefuß und Baumrinde. Hungerepidemien mähten die Menschen dahin. Und die Gutsbesitzer erhöhten die Preise für Brot.

Der Vaterländische Krieg von 1812 hat allen denkenden Menschen von Rußland gezeigt, daß die Selbstherrschaft und die feudale Leibeigenschaft eine Bremse für die Entwicklung Rußlands darstellte. Die Soldaten der Armee, die für einige Zeit in Europa waren, sahen die Möglichkeit des Lebens ohne Leibeigenschaft. Und sie sagten: „Wir haben unser Blut vergossen, und sie zwingen uns wieder, im Frondienst zu schwitzen. Wir haben die Heimat vom Tyrannen befreit, und dafür tyrannisieren die Herrn uns wieder.“

Der Dekabristenaufstand

Am 14. Dezember 1825 fand auf dem Senatsplatz von Sankt Petersburg der Dekabristenaufstand statt. Die Allerbesten aus der Adelsklasse traten öffentlich auf „gegen Gewalt, Unterjochung und Verhöhnung über das rechtlose Volk durch die Anhänger der Leibeigenschaft“. Leidenschaftlich und mutig deckte der Dekabrist Wladimir Rajewski das Hauptübel Rußlands auf: „Wer hat dem Menschen das Recht gegeben, einen Menschen als sein Eigentum zu betrachten? Mit welchem Recht kann der Körper, das Vermögen und sogar der Geist des einen jemandem anderen gehören? Woher ist dieses Gesetz genommen, daß man einem selbst ähnliche Menschen verkaufen, tauschen, verlieren, verschenken und tyrannisieren kann? Entspringt es nicht aus Quellen der groben, tollen Unwissenheit des Verbrecherischen, viehischer Affekte und aus der Unmenschlichkeit?” Einer der geistigen und politischen Führer des Aufstands, Pawel Iwanowitsch Pestel, sagte einmal: „Die Sklaverei muß entschlossen vernichtet werden, und der Adel muß sich unbedingt für immer von dem schändlichen Vorteil lossagen, über andere Menschen zu verfügen.”
Kolman: Dekabristenaufstand 1825
Petersburg 1825: Junge, talentierte und mutige Männer erheben sich gegen Unterdrückung und Unmenschlichkeit und werden dafür von der zaristischen Regierung einfach niedergeschossen (Aquarell Kolman)

An diesem Tag, dem 14. Dezember, wurde mit der Heldentat der adeligen Revolutionäre gegen den Zarismus ein für allemal abgerechnet. Zar Nikolai I. machte schonungslos Schluß mit ihnen. Die Kanonen donnerten, und 1271 Teilnehmer des Aufstands blieben auf dem Platz liegen. Viele kamen ums Leben, versanken im Fluß beim Versuch, die Newa schwimmend zu durchqueren. Oberst Pestel, Leutnant Rylejew, Oberstleutnant Sergej Murawjew-Apostol, Leutnant Bestuschew-Rjumin und Oberleutnant Kachowski wurden aufgehängt. 121 Dekabristen wurden auf Beschluß des Obersten Gerichtes zu lebenslanger Zwangsarbeit geschickt. Und Nikolai I. versetzte ganz Europa aufgrund seiner „Barmherzigkeit“ in Erstaunen.

Das Banner der Revolution ging niemals unter

Die besten Menschen Rußlands wußten, daß in den Kerker geworfen würden, daß ihnen alle Titel und Anerkennungen entzogen würden, daß sie aufs Schafott gehen würden oder Dutzende Jahre zur Zwangsarbeit geschickt würden, aber sie sagten die Wahrheit über die Selbstherrschaft, sie brandmarkten die Schande der Leibeigenschaft, um die junge Generation „zu neuem Leben zu erwecken“. Die Dekabristen waren gefallen, doch ihr Kampfbanner nahm der große russische, revolutionäre Demokrat Alexander Herzen auf, und er entfaltete eine revolutionäre Agitation. Anläßlich des hundertjährigen Geburtstages dieses Denkers sagte der Führer des russischen Proletariats Lenin: „Herzen hat die freie russische Presse im Ausland geschaffen – darin besteht sein großes Verdienst.“ Die Zeitung „Nordstern“ hob die Tradition der Dekabristen auf. Die Zeitung „Kolokol“ (1857-1867) nahm entschlossen Partei für die Befreiung der Bauern. Das Schweigen der Sklaven war gebrochen. Herzen hatte die revolutionäre Agitation entfaltet. Sie wurde von den verschiedensten Revolutionären aufgegriffen, weiterverbreitet, bestärkt und gefestigt, angefangen von Tschernyschewski bis hin zu den Helden „Narodnaja Wolja“.

Der Regisseur Michalkow – ein erbärmlicher Speichellecker der russischen Bourgeoisie

Und der kleine Nikita Michalkow wird nun für 300 Millionen Rubel aus dem Volksvermögens mit großem Aufwand über unsere nationale Geschichte seine Lügen verbreiten. Er wird zeigen, welche freundschaftlichen Beziehungen die Gutsbesitzer zu ihren Leibeigenen hatten, fast wie die Beziehungen von Vätern zu ihren Söhnen. Den Schauspieler kann man verstehen – was tut er nicht alles in seinem lakaienhaften Eifer. Doch die in die UdSSR geschehene Konterrevolution ist kein Theaterstück. Es ist die grausame Realität. Die an die Macht gekommene Bourgeoisie mag es nicht, wenn man ihr widerspricht. Wenn man etwas sagt, was ihr nicht angenehm ist. Wenn sie dich schon nicht zum Schreiben der Wahrheit an einen fernen Ort schickt, dann wird sie aufhören, deine unzähligen kleinen filmischen Werkchen zu sponsern. Und man will ja oben bleiben, man will ja auf den kostenlosen Futtertrog nicht verzichten…

25. Juli 2013

Übersetzung: Jana Griebling

Quelle: Kommunisten-online
http://www.og.com.ua/Pribytkova_Mihalkov.php

Anmerkung:
Fälschungen der Geschichte gehören ja nicht erst seit der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution zum Handwerkszeug der untergehenden Bourgeoisie. Und wie man sieht: Die Fälscher werden reichlich honoriert. Daß sich da auch leicht derartiges Gesindel findet, die Geschichte zum eigenen Vorteil und zu Gunsten ihrer bourgeoisen Auftraggeber umzuschreiben und fortschrittliche Entwicklungen zu diskreditieren, ist ebenfalls nicht neu. Albert Norden schrieb 1958 über den Tscherwonzenfälscherprozeß. Und Professor Wiktor Iljuchin deckte 2010 die Fälschungen der Katyner Sache auf. Die Zahl der verlogenen Bücher, Filmchen und Zeitzeugendarstellungen ist schier endlos. Oft mischt sich Wahrheit mit Erfindung, Erlebtes mit Vermutungen, Unterstellungen und dreisten Lügen. Doch die historische Wahrheit läßt sich auf Dauer nicht unterbinden, weil es immer wieder Menschen gibt, die sich gegen Ausbeutung, Unterdrückung, und gegen die Lügen der Apologeten des Kapitalismus zur Wehr setzen. Hier sind dazu einige bisherige Beiträge:

Siehe auch:
Albert Norden: Fälscher…
Das Jucken der Umbennungen
L.Pribytkowa: Ein Lump der sich mit linken Phrasen schmückt
Fälscher im Russischen Staatsarchiv
Die Story der Fälscher

Millionen Hektar russischer Wald vernichtet…

Die Stabilität der Putin-Regierung und die Verhökerung riesiger Wälder an China

Allunions-KP (Bolschewiki) 01.06.2013 – Beinahe unbemerkt blieb die schockierende Nachricht, daß die russische Regierung eine Million Hektar Wald an China zum Abholzen freigegeben hat. Wie in solchen Fällen mittlerweile üblich, hat man einfach „vergessen“, die Öffentlichkeit über diese Entscheidung zu informieren, da man wußte, daß die russische Bevölkerung dies nicht billigen würde. Der Beschluß darüber wurde von der russischen Regierung bereits im Februar 2012 gefällt und ist bis heute jedoch kaum an die Öffentlichkeit gelangt.
Holzfäller1Holzfäller2
Wie berichtet wird, betrachtet Rußland die Volksrepublik China wegen ihres Mangels an Holzressourcen als ihren strategischen Hauptpartner. Unter das Abholzen fällt eine der Regionen Sibiriens. Falls jedoch die Chinesische Seite die vorliegende Variante nicht realisieren sollte, hat das Russische Ministerium für Forstwirtschaft seine Bereitschaft geäußert, beliebige Informationen über die Holzvorräte in Rußland, und ebenso über die Art und Weise ihrer Nutzung zu veröffentlichen.
Holzfäller 3Holzfäller 4
Was ergibt sich daraus? Anstelle Betriebe aufzubauen, für die Bürger Arbeitsplätze zu schaffen, eine eigene Industrie zu entwickeln, bevorzugt es die russische Regierung, seine wirtschaftlichen Ressourcen an benachbarte Länder zu verhökern. Natürlich sehen die Bürger, wie in Rußland üblich. nichts von diesem Geld.
Holzfäller 5Holzfäller 6
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft über den Naturschutz sind bereits über die Hälfte des staatlichen Waldfonds im Amur-Gebiet abgeholzt worden. Nach Einschätzung des Weltnaturschutzfonds wird festgestellt, daß mit dem Abholzen in einem solchen Maßstab die Gefahr droht, daß die Wälder dort völlig verschwinden. Durch das Abholzen wird auch die gesamte Fauna vernichtet. Und das auf barbarischste Weise. Nach Angaben der Grenzverwaltung des FSB wird aus der Forstwirtschaft von ungeheuerlichen Tatsachen festgenommener chinesischer Wilderer berichtet. Bei einem der Verhafteten fand man die Pfoten von 210 getöteten Bären, bei einem anderen 250 kg der Lippen getöteter Elche, bei einem dritten 2500 Zobelfelle usw.
ZobelfelleGetötete Bären
Ein katastrophaler Schaden durch die Entwaldung hat sich im Gebiet Irkutsk zugetragen. Und zwar wurde, nachdem man die Erlaubnis zu Waldpflege erteilt hatte, durch Waldarbeiter (in der Regel in den von den Chinesen bewohnten Ortschaften) im folgenden, nur erstklassiges Sägeholz und dabei nur vom unteren, wertvollsten Teil des Stammes, entnommen und der Rest weggeworfen. Pro Kubikmeter Stammholz werden 40 Dollar bezahlt, wobei die chinesischen Firmen dann auf den internationalen Waldbörsen das Sägeholz schon auf 500 Dollar pro Kubikmeter realisieren. Um diesen Raub zu unterstützen, hat die Regierung Chinas ein Gesetz erlassen, das es untersagt, verarbeitetes Holz aus Rußland zu erwerben. Dadurch erhält dieser Raub, egal in welchem anderem Land, außer in den rückständigsten Kolonien, eine zusätzliche gesetzliche Legitimation.

In einem modernen Lehrbuch für Politikwissenschaft ist zu lesen: „Nachdem sie Inseln des Wohlstandes geschaffen hat, erzeugt die Globalisierung eine riesige vierte Welt, in der niemand etwas zu suchen hat. Und in dieser Welt befindet sich Rußland ….»

M.Ljapina

(nach Materialien aus vsya-russia.ru)

Quelle: kommunisten-online

P.S. Auch in Ostdeutschland kann man Ähnliches beobachten. Auch hier wird massenhaft abgeholzt. Siehe: Raubbau in ostdeutschen Wäldern

Sambia in den Fängen multinationaler Konzerne

Sambia
Sambia ist ein kleines, aber rohstoffreiches Land in Zentralafrika, südlich der Sahara. Die Kupferreserven wurden 1985 auf ca. 54 Millionen Tonnen geschätzt, damals waren das rund ein Zehntel der Kupfervorkommen der Welt. Infolge der 60jährigen Herrschaft des britischen Kolonialismus hatte Sambia bis dahin eine sehr einseitige wirtschaftliche Entwicklung genommen. Erst 1973 gelang es dem Nationalkongreß, die Kontrolle über die Kupfergesellschaften des Landes zu übernehmen. Aufgrund des wachsenden Einflusses des sozialistischen Weltsystems auf einem Sechstel der Erde konnte seitdem das Ausbluten des Landes verhindert werden. Doch schon damals wurde festgestellt, daß sich die Manipulierung der Kupferpreise auf dem kapitalistischen Markt hemmend auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirkten. Während bis in die 1980er Jahre der Anteil privatkapitalistischer Eigentümer in Sambia auf 10% zurückgegangen war, wirkte sich die Konterrevolution in der Sowjetunion und den anderen sozialistischen Ländern dahingehend aus, daß heute das Land erneut vollständig unter die Kontrolle internationaler Konzerne fiel. Die Bevölkerungszahl hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt (1985: 6,05 Mill. Einwohner) und die Armut nahm rasant zu. Darüber ist in der „jungen Welt“ vom 8.1.2013 folgender interessante Bericht: Globale Betrüger. Billige Rohstoffe? Mit gefälschten Preisen bluten internationale Konzerne Entwicklungsländer aus.

Quelle: Länder der Erde, Politisch-ökopnomisches Handbuch, Verlag Die Wirtschaft Berlin (DDR), 1985, S.511ff.

Clara Zetkin: Über die Frauenarbeit

Die immer wieder aufkommenden Diskussionen um eine Frauenquote oder um die Gleichstellung bzw. die gleiche Entlohnung der Frauen in der kapitalistischen Gesellschaft sind durchaus nicht neu. So äußerte sich schon 1889 die Abgeordnete der Arbeiterinnen von Berlin, Clara Zetkin, dazu wie folgt:

Die Frauenarbeit war von vornherein billiger als die männliche Arbeit. Der Lohn des Mannes war ursprünglich darauf berechnet, den Unterhalt einer ganzen Familie zu decken; der Lohn der Frau stellte von Anfang an nur die Kosten für den Unterhalt einer einzigen Person dar, und selbst diese nur zum Teil, weil man darauf rechnete, daß die Frau auch zu Hause weiterarbeitet außer ihrer Arbeit in der Fabrik. Ferner entsprachen die von der Frau im Hause mit primitiven Arbeitsinstrumenten hergestellten Produkte, verglichen mit den Produkten der Großindustrie, nur einem kleinen Quantum mittlerer gesellschaftlicher Arbeit. Man ward also darauf geführt, eine geringere Arbeitsfähigkeit bei der Frau zu folgern, und diese Erwägung ließ der Frau eine geringere Bezahlung zuteil werden für ihre Arbeitskraft. Zu diesen Gründen für billige Bezahlung kam noch der Umstand, daß im ganzen die Frau weniger Bedürfnisse hat als der Mann.
Frauenarbeit HaitiAutomobilindustrieArbeit bis ins AlterNäherin
Was aber dem Kapitalisten die weibliche Arbeitskraft ganz besonders wertvoll machte., das war nicht nur der geringe Preis, sondern auch die größere Unterwürfigkeit der Frau. Der Kapitalist spekulierte auf diese beiden Momente: die Arbeiterin so schlecht wie möglich zu entlohnen und den Lohn der Männer durch diese Konkurrenz so stark wie möglich herabzudrücken. In gleicher Weise machte er sich die Kinderarbeit zunutze, um die Löhne der Frauen herabzudrücken; und die Arbeit der Maschinen, um die menschliche Arbeitskraft überhaupt herabzudrücken.

Das kapitalistische System allein ist die Ursache, daß die Frauenarbeit die ihrer natürlichen Tendenz gerade entgegengesetzten Resultate hat; daß sie zu einer längeren Dauer des Arbeitstages fuhrt, anstatt eine wesentliche Verkürzung zu bewirken; daß sie nicht gleichbedeutend ist mit einer Vermehrung der Reichtümer der Gesellschaft, das heißt mit einem größeren Wohlstand jedes einzelnen Mitgliedes der Gesellschaft, sondern nur mit einer Erhöhung des Profites einer Handvoll Kapitalisten und zugleich mit einer immer größeren Massenverarmung. Die unheilvollen Folgen der Frauenarbeit, die sich heute so schmerzlich bemerkbar machen, werden erst mit dem kapitalistischen Produktionssystem verschwinden.

Der Kapitalist muß, um der Konkurrenz nicht zu unterliegen, sich bemühen, die Differenz zwischen Einkaufs (Herstellungs) -preis und Verkaufspreis seiner Waren so groß wie möglich zu machen; er sucht also so billig wie möglich zu produzieren und so teuer wie möglich zu verkaufen. Der Kapitalist hat folglich alles Interesse daran, den Arbeitstag ins Endlose zu verlängern und die Arbeiter mit so lächerlich geringfügigem Lohn abzuspeisen wie nur irgend möglich. Dieses Bestreben steht in geradem Gegensatz zu den Interessen der Arbeiterinnen, ebenso wie zu denen der männlichen Arbeiter. Es gibt also einen wirklichen Gegensatz zwischen den Interessen der Arbeiter und der Arbeiterinnen nicht; sehr wohl aber existiert ein unversöhnlicher Gegensatz zwischen den Interessen des Kapitals und denen der Arbeit.

Quelle:
Clara Zetkin: Für die Befreiung der Frau, Rede auf dem Internationalen Arbeiterkongreß zu Paris, 19. Juli 1889, in: Ausgewählte Reden und Schriften, Bd.1, Dietz Verlag Berlin 1957, S.7f.

Siehe auch:
Klara Zetkin: Wider den sozialdemokratischen Revisionismus

…zappeln die Menschen wie die Fliegen

RecessionFährt man über die deutschen Bundesstraßen und die Autobahnen, durch Städte und Dörfer, so fällt einem auf, daß vor allem in der Hauptverkehrszeit die Straßen aus allen Nähten platzen. Massenhaft drängen sich hier die Pkw. und Lastzüge, um von einem Ort zum anderen zu gelangen, um rechtzeitig zur Arbeit zu erscheinen, Lieferfristen einzuhalten, Kunden zu versorgen. Alles möglichst schnell, um keine Zeit zu verlieren. Und überall wird gewerkelt und gebaut: neue Häuser, Bürogebäude und Geschäfte entstehen, Autobahnen, Tunnel und Umgehungsstraßen… Nur ab und zu sieht man ein paar leerstehende Häuser, Fabrikruinen, Brachflächen – doch von Armut, wie anderswo in der Welt, ist hier kaum etwas zu sehen. Im Gegenteil, Volksfeste und Veranstaltungen gibt es ohne Ende, die Welt sieht aus wie frisch geputzt. Ist das nun ein Zeichen einer funktionierenden Wirtschaftsordnung? Wie es scheint – ja. Wenn da nicht auch über andere Dinge berichtet würde: Insolvenzen, Streiks im Luftverkehr, Entlassungen, Bankenkrise, Korruption und Mordprozesse…

Damals vor über 100 Jahren las man folgendes in der Zeitung – so viele Unterschiede zu heute gibt es da gar nicht:

„Reiche Städte wachsen empor, prachtvolle Geschäfte und Häuser werden gebaut, Schienenwege gelegt, alle möglichen Maschinen und Vervollkommnungen in Industrie und Landwirtschaft eingeführt – aber die Millionen des Volkes kommen aus ihrem Elend trotzdem nicht heraus, sie arbeiten nach wie vor Ihr ganzes Leben lang nur für den Unterhalt der Familie. Damit nicht genug, nimmt die Zahl der Arbeitslosen immer mehr zu. In den Dörfern wie in den Städten gibt es immer mehr Menschen, die überhaupt keine Arbeit finden können. In den Dörfern hungern sie, in den Städten vermehren sie die Scharen der Fechtbrüder und Vagabunden, sie hausen wie die Tiere in Erdhütten der städtischen Vororte oder in so furchtbaren Elendsquartieren und Kellerlöchern, wie sie am Chitrowmarkt in Moskau zu finden sind. Wie kann das sein? Reichtum und Luxus nehmen zu, und die Millionen und aber Millionen, die durch ihre Arbeit all diese Reichtümer schaffen, leben trotzdem weiter in Armut und Elend? Die Bauern sterben Hungers, die Arbeiter finden keine Arbeit – die Händler aber führen aus Rußland Millionen von Pud Getreide aus, die Fabriken und Werke stehen still, weil man die Waren nicht loswerden, sie nirgends absetzen kann?

Woher kommt das?

Das kommt vor allem daher, daß ein riesiger Teil des Grund und Bodens, ferner die Fabriken, Betriebe, Werkstätten, Maschinen, Gebäude, Dampfschiffe – einer geringen Zahl von Reichen als Eigentum gehören. Auf diesem Boden, in diesen Fabriken und Werkstätten arbeiten viele Millionen des Volkes – aber sie gehören einigen wenigen Tausenden oder Zehntausenden von Reichen, Gutsbesitzern, Kaufleuten und Fabrikanten. An diese Reichen verdingt sich das Volk, arbeitet für sie gegen Lohn, um ein Stück Brot. Alles, was über den elenden Lebensunterhalt der Arbeiter hinaus erzeugt wird, all das fließt in die Taschen der Reichen, all das ist ihr Gewinn, ihr „Einkommen“.
Kapital
Alle Vorteile von den Maschinen, von den Verbesserungen in der Arbeit kommen den Grundbesitzern und Kapitalisten zugute: sie häufen Millionenschätze an, für die Arbeiter aber fallen von diesem Reichtum nur kärgliche Brosamen ab. Die Arbeiter werden zu gemeinsamer Arbeit vereinigt; auf großen Gütern und in großen Fabriken arbeiten mehrere Hundert, mitunter sogar mehrere Tausend Arbeiter. Eine solche Vereinigung der Arbeit bei Benutzung der verschiedensten Maschinen macht die Arbeit ergiebiger: ein Arbeiter schafft weit mehr, als früher Dutzende von Arbeitern geschafft hatten, die für sich allein und ohne jede Maschine arbeiteten. Aber Nutznießer dieser Ergiebigkeit, dieser Produktivität der Arbeit sind nicht alle Werktätigen, sondern nur eine verschwindende Zahl von Großgrundbesitzern, Kaufleuten und Fabrikanten.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer?

Oft hört man sagen, daß die Gutsbesitzer und Kaufleute dem Volk „Arbeit geben“, daß sie den armen Leuten etwas zu verdienen „geben“. Man sagt zum Beispiel, daß die benachbarte Fabrik oder der benachbarte Gutshof die ortsansässigen Bauern „ernähre“. In Wirklichkeit jedoch ernähren die Arbeiter durch ihre Arbeit sowohl sich selber als auch alle, die selbst nicht arbeiten. Aber für die Erlaubnis, auf dem Gutsbesitzerland, in der Fabrik oder an der Eisenbahn zu arbeiten, gibt der Arbeiter dem Eigentümer alles, was er erzeugt, umsonst ab und erhält selber nur so viel, daß er gerade noch notdürftig sein Leben fristen kann. Folglich geben in Wirklichkeit nicht die Gutsbesitzer und nicht die Kaufleute den Arbeitern Arbeit, sondern die Arbeiter kommen durch ihre Arbeit für der. Unterhalt aller auf, da sie den größten Teil ihrer Arbeit umsonst abgeben.

Vom Geldverdienen und Geldausgeben

Weiter. Das Elend des Volkes kommt in allen modernen Staaten daher, daß die Arbeitenden Gegenstände aller Art für den Verkauf, für den Markt anfertigen. Der Fabrikant und der Handwerker, der Gutsbesitzer und der wohlhabende Bauer steilen diese oder jene Erzeugnisse her, züchten Vieh, säen und ernten Getreide für den Verkauf, für den Erlös von Geld. Das Geld ist jetzt überall zur Hauptmacht geworden. Gegen Geld wird all und jedes Erzeugnis der menschlichen Arbeit eingetauscht. Für Geld kann man kaufen, was man will. Für Geld kann man sogar den Menschen kaufen, d.h. den besitzlosen Menschen zwingen, für den zu arbeiten, der Geld hat. Früher war der Grund und Boden die Hauptmacht – so war es unter der Leibeigenschaft; wer Land besaß, der besaß auch Stärke und Macht. Jetzt aber ist das Geld, das Kapital zur Hauptmacht geworden. Für Geld kann man Land kaufen, soviel man will. Ohne Geld kann man auch mit dem Land nicht viel anfangen: wofür soll man denn einen Pflug oder andere Geräte kaufen, wofür Vieh, Kleidung und alle möglichen anderen städtischen Waren kaufen, ganz abgesehen von der Bezahlung der Steuern? Um des Geldes willen haben fast alle Gutsbesitzer ihre Güter bei den Banken verpfändet. Um Geld zu bekommen, nimmt die Regierung in der ganzen Welt Anleihen bei reichen Leuten und Bankherren auf, und für diese Anleihen zahlt sie jährlich Hunderte Millionen von Rubeln Zinsen.

Die Reichen und die Armen

Um des Geldes willen führen jetzt alle einen erbitterten Krieg gegeneinander. Jeder bemüht sich, billig zu kaufen und teuer zu verkaufen, jeder bemüht sich, den ändern zu überflügeln, möglichst viel Ware zu verkaufen, den Preis zu drücken, eine vorteilhafte Absatzstelle oder eine vorteilhafte Lieferung vor dem ändern zu verheimlichen. Die kleinen Leute, der kleine Handwerker und der kleine Bauer, sind in dieser allgemeinen Rauferei um das Geld am schlimmsten daran: sie ziehen dem reichen Kaufmann oder dem reichen Bauern gegenüber stets den kürzeren. Sie haben nie Vorräte zur Verfügung, sie leben von der Hand in den Mund, sie müssen bei jeder Schwierigkeit, bei jedem Unglücksfall ihre letzte Habe versetzen oder ihr Zugvieh für einen Spottpreis verkaufen. Sind sie einmal einem Kulaken oder Wucherer in die Klauen gefallen, so gelingt es ihnen nur in den seltensten Fällen, sich von den Fesseln zu befreien, und meist werden sie vollends ruiniert. Jedes Jahr verriegeln Zehntausende und Hunderttausende von Kleinbauern und Handwerkern ihre Häuschen, treten der Dorfgemeinschaft ihren Landanteil unentgeltlich ab und werden Lohnarbeiter, Landarbeiter, Gelegenheitsarbeiter, Proletarier. Die reichen Leute dagegen bereichern sich in diesem Kampf um das Geld immer mehr. Die reichen Leute sammeln in den Banken Millionen, ja Hunderte Millionen von Rubeln und bereichern sich nicht nur mit Hilfe ihres eigenen Geldes, sondern auch mit Hilfe des fremden Geldes, das in den Banken liegt. Für ihre zehn oder hundert Rubel, welche die kleinen Leute auf die Bank oder die Sparkasse tragen, bekommen sie drei oder vier Kopeken Zinsen pro Rubel, die Reichen aber legen diese kleinen Beträge zu Millionen zusammen, erweitern vermittels dieser Millionen ihren Umsatz und verdienen zehn und zwanzig Kopeken pro Rubel.

Kann man das denn ändern?

Deshalb sagen die sozialdemokratischen Arbeiter, daß man dem Volkselend einzig und allein dann ein Ende setzen kann, wenn man die jetzigen Zustände im ganzen Staat von Grund aus ändert und eine sozialistische Ordnung errichtet, das heißt, wenn man den Großgrundbesitzern ihre Güter, den Fabrikbesitzern ihre Fabriken und Werke, den Bankherren ihr Geldkapital wegnimmt, wenn man ihr Privateigentum aufhebt und es im ganzen Staate in den Besitz des gesamten Arbeiter Volkes überführt. Dann werden über die Arbeit der Arbeiter nicht die reichen Leute verfügen, die von fremder Arbeit leben, sondern die Arbeiter selbst und die von ihnen gewählten Vertreter. Dann werden die Früchte der gemeinsamen Arbeit und die Vorteile von allen Verbesserungen und Maschinen allen Werktätigen, allen Arbeitern zugute kommen. Dann wird der Reichtum noch rascher anwachsen, denn die Arbeiter werden für sich selber besser arbeiten als für die Kapitalisten, der Arbeitstag wird kürzer, die Lebenshaltung der Arbeiter besser werden, ihr ganzes Leben sich vollständig ändern.

Auf, auf zum Kampf!

Aber es ist keine leichte Sache, die Zustände im ganzen Staate zu ändern. Dazu ist viel Arbeit, ist ein langer und zäher Kampf erforderlich. Alle reichen Leute, alle Eigentümer, die ganze Bourgeoisie* werden ihre Reichtümer aus allen Kräften verteidigen. Vor die ganze Klasse der Reichen werden sich schützend die Beamten und die Truppen stellen, denn die Regierung selber befindet sich ja in den Händen der reichen Klasse. Die Arbeiter müssen sich wie ein Mann zusammenschließen zum Kampf gegen alle, die von fremder Arbeit leben; die Arbeiter müssen sich selbst und alle Besitzlosen zu einer einheitlichen Klasse der Arbeitenden, zu einer einheitlichen Klasse der Proletarier vereinigen. Der Kampf wird nicht leicht sein für die Klasse der Arbeitenden, aber dieser Kampf wird unweigerlich mit dem Siege der Arbeiter enden, weil die Bourgeoisie oder die Leute, die von fremder Arbeit leben, einen verschwindend kleinen Teil des Volkes bilden. Die Klasse der Arbeitenden aber ist die gewaltige Mehrheit des Volkes. Die Arbeiter gegen die Eigentümer — das bedeutet Millionen gegen Tausende.

Quelle:
W.I. Lenin: An die Dorfarmut, Werke Bd.6, Dietz Verlag Berlin, 1956, S.369-373

* Bourgeois heißt Eigentümer. Die Bourgeoisie sind alle Eigentümer zusammen. Großbourgeois bedeutet Großeigentümer, Kleinbourgeois Kleineigentümer. Bourgeoisie und Proletariat heißt soviel wie Eigentümer und Arbeiter, Reiche und Besitzlose, Leute, die von fremder Arbeit leben, und Leute, die gegen Lohn für andere arbeiten.

Und noch etwas – wir leben in einer bürgerlichen Demokratie. Ist das Freiheit?
„Diese Freiheit heißt eben bürgerliche Freiheit – Freiheit in Familienangelegenheiten, in persönlichen Angelegenheiten, in Vermögensangelegenheiten, Bauer und Arbeiter können frei (wenn auch nicht völlig) ihr Familienleben einrichten, ihr persönlichen Angelegenheiten regeln, über ihre Arbeit verfügen(sich ihren Herrn wählen) und über ihr Vermögen verfügen. Aber weder die russischen Arbeiter noch das ganze russische Volk haben bisher die Freiheit erlangt, die das gesamte Volk betreffenden Angelegenheiten zu regeln. … Politische Freiheit bedeutet die Freiheit des Volkes, seine Angelegenheiten, die Angelegenheiten des gesamten Volkes, des Staates zu regeln. … in Rußland gibt es keine gewählte Regierung, und es regieren nicht die Reichen und Vornehmen schlechthin, sondern die allerschlimmsten von ihnen. … Das Heer der Beamten, die vom Volk nicht gewählt und dem Volk nicht rechenschaftspflichtig sind, hat ein dichtes Spinnennetz gesponnen, in diesem Netz zappeln die Menschen wie die Fliegen.“ (S.366) – Nur in Rußland???

Der erste Mai – ein Tag der Biertrinker?

Gedanken zum ersten Mai

Über zwanzig Jahre brutale Herrschaft des Monopolkapitalismus haben in aller Welt dazu geführt, daß die Rechte der arbeitenden Menschen drastisch eingeschränkt wurden. Zu allem Übel wurden die Gewerkschaften bzw. deren Bosse immer mehr zu Lakaien der Bourgeoisie und zu Verrätern an der Arbeiterklasse, so daß sich ihre eigentliche Funktion ins Gegenteil verkehrt. Dieselben Leute, die am 1. Mai „kämpferische“ Lügenreden halten, kungeln anderntags hinter verschlossenen Türen mit den Bossen der Konzerne. Die Arbeiter wissen oft nicht so recht, was da geschieht, und sie fühlen sich am Ende verraten und verkauft. Die Bedeutung des 1.Mai hat sich verändert…
1.MaiIm Sozialismus ein Grund zum Feiern: Der 1. Mai – ein sowjetisches Plakat

Die Sonne scheint: Es ist der 1. Mai

Ist es nun ein „Kampf- und Feiertag der Werktätigen“ wie einst in der DDR? Oder eher ein Familienwandertag, ein Tag der Spaziergänger und Biertrinker? Eine sehr anschauliche Beschreibung, wie die proletarische Klasse diesen arbeitsfreien Tag begeht, lieferte modesty, und sie kommt (offenbar resignierend?) zu dem Schluß: „Nichts gegen schlagkräftige Gewerkschaften. Aber ich fände es schön, wenn sich die bessergestellten unter den Arbeitern auch einmal einen Gedanken um die weniger gut gestellten machen würden. Die schöne alte Solidarität wieder aufleben lassen würden.“ [1] Tja, wie ist das nun mit der Solidarität? Gibt es sie eigentlich noch? Oder lebt heute jeder nach dem Motto: Rette sich wer kann? Was geht mich fremdes Elend an? Um den Sinn dieses Kampf- und Feiertages der Werktätigen zu verstehen, muß man etwas „in die Tiefe“ gehen…

Brauchen wir eigentlich noch den Klassenkampf?

Da die lohnabhängigen Arbeiter im Kapitalismus ihre Arbeitskraft an die Kapitalisten, d.h. die Besitzer der Produktionsmittel, verkaufen müssen, um existieren zu können, geht der Kampf zunächst um ökonomische Forderungen. Es geht also um den Wert der Ware Arbeitskraft. „Der Wert der Arbeitskraft“, so schreibt Karl Marx, „wird aus zwei Elementen gebildet – einem rein physischen und einem historischen oder gesellschaftlichen. Seine äußerste Grenze ist durch das physische Element bestimmt, d.h., um sich zu erhalten und zu reproduzieren, um ihre physische Existenz auf Dauer sicherzustellen, muß die Arbeiterklasse die zum Leben und zur Fortpflanzung absolut unentbehrlichen Lebensmittel erhalten. Der Wert dieser unentbehrlichen Lebensmittel bildet daher die äußerste Grenze des Werts der Arbeit. … Wenn die tägliche Erschöpfung seiner Lebenskraft einen bestimmten Grad überschreitet, kann sie nicht immer wieder aufs neue, tagaus, tagein, angespannt werden. … Außer durch dies rein physische Element ist der Wert der Arbeit in jedem Land bestimmt durch einen traditionellen Lebensstandard. Er betrifft nicht das rein physische Leben, sondern die Befriedigung bestimmter Bedürfnisse, entspringend aus den gesellschaftlichen Verhältnissen, in die die Menschen gestellt sind und unter denen sie aufwachsen.“ Darum werden die Arbeiter im Kapitalismus immer kämpfen müssen. „Das Maximum des Profits ist daher begrenzt durch das physische Minimum des Arbeitslohnes und das physische Maximum des Arbeitstags.“

Aus ökonomischem Kampf wird politischer Kampf

Doch dieser „Kleinkrieg“ ändert noch nichts am kapitalistischen System der Ausbeutung. Weiter führt Marx aus: „Die Frage löst sich auf in die Frage nach dem Kräfteverhältnis der Kämpfenden. … Was die Beschränkung des Arbeitstags angeht, … so ist sie nie anders als durch legislative Einmischung erfolgt. Ohne den ständigen Druck der Arbeiter von außen hätte diese Einmischung nie stattgefunden. Jedenfalls aber war das Resultat nicht durch private Vereinbarung zwischen Arbeitern und Kapitalisten zu erreichen. Eben diese Notwendigkeit allgemeiner politischer Aktion liefert den Beweis, daß in seiner rein ökonomischen Aktion das Kapital der stärkere Teil ist.“
Klar ist, was Marx hier meint: Solange der Kampf der Arbeiterklasse sich auf rein ökonomische Fragen beschränkt: um mehr Geld, um höhere Löhne, d.h. auf die Erhaltung und Reproduktion der eigenen Arbeitskraft, solange wird auch das Kapital am längeren Hebel sitzen. Und solange es nicht „die schöne alte Solidarität“ gibt, wird sich daran auch nichts ändern.

Das Gesetz von Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt

Und hier noch eine interessante Feststellung von Marx: „Was die Grenzen des Werts der Arbeit angeht, so hängt seine faktische Festsetzung immer von Angebot und Nachfrage ab, ich meine die Nachfrage nach Arbeit von seiten des Kapitals und das Angebot von Arbeit durch die Arbeiter. In den Kolonialländern begünstigt das Gesetz von Angebot und Nachfrage den Arbeiter. Daher der relativ hohe Lohnstandard in den Vereinigten Staaten. Das Kapital kann dort sein Äußerstes versuchen. Es kann nicht verhindern, daß der Arbeitsmarkt ständig entvölkert wird durch die ständige Verwandlung von Lohnarbeitern in unabhängige, selbstwirtschaftene Bauern.“ Der Fachkräftemangel begünstigte die Lohnarbeiter. Daher auch der relativ hohe Lebensstandard in der BRD. Doch das Kapital ist in den letzten Jahren bedeutend gewachsen, stärker als die Nachfrage nach Arbeit. Die Produktivität erhöhte sich, was wiederum die qualifizierte Arbeit mehr und mehr überflüssig macht und entwertet, ganz zum Nachteil der Arbeiter. Aber heißt das nun, daß die Arbeiter auf weitere Lohnforderungen verzichten? Nein, das heißt es nicht. Doch die Arbeiterklasse, so schreibt Karl Marx, sollte „nicht vergessen, daß sie gegen Wirkungen kämpft, nicht aber gegen die Ursachen dieser Wirkungen“. Zwar verlangsamt ein jeder Streik, jeder Lohnkampf die Abwärtsbewegung des gegenwärtigen Systems, schafft sie aber nicht ab.

Wozu brauchen wir Gewerkschaften?

Hier nun wieder Karl Marx: „Die Gewerkschaften tun gute Dienste als Sammelpunkt des Widerstands gegen die Gewalttaten des Kapitals. Sie verfehlen ihren Zweck zum Teil, sobald sie on ihrer Macht einen unsachgemäßen Gebrauch machen. Sie verfehlen ihre Macht gänzlich, sobald sie sich darauf beschränken, einen Kleinkrieg gegen die Wirkungen des bestehenden Systems zu führen, statt gleichzeitig zu versuchen, es zu ändern, statt ihre organisierten Kräfte zu gebrauchen als einen Hebel zur schließlichen Befreiung der Arbeiterklasse, d.h. zur endgültigen Abschaffung de Lohnsystems.“ [2] … Die Formen der Auseinandersetzung mit den Ungerechtigkeiten der kapitalistischen Gesellschaft sind offenbar nicht mehr zeitgemäß. Und im übrigen hatte Lenin schon recht…
Zitat von Lenin

Quelle:
[1] Blog von modesty: Die Arbeiterklassengesellschaft
[2] Karl Marx, Lohn, Preis und Profit, in: Karl Marx/Friedrich Engels, Ausgewählte Werke, Bd.III, Dietz Verlag Berlin, 1987, S.121-128 (alle Zitate)
(3) W.I.Lenin, Werke, Bd.31, Dietz Verlag Berlin, 1959, S.274.

Siehe auch:
Eine kleine Nachlese zum 1. Mai 2012
Wozu brauchen wir eine Gewerkschaft?
Jochen Hoff: Gewerkschaftsfuntionäre als Aufsichtsräte

Die Arbeiter und die Schmarotzer

Im Kapitalismus sind diejenigen, die keine eigenen Produktionsmittel besitzen, bei Strafe ihres Untergangs gezwungen, ihre Arbeitskraft Tag für Tag an die Besitzer der Produktionsmittel zu verkaufen. Das ist die Grundbedingung, das Wesensmerkmal kapitalistischer Produktionsverhältnisse. Schon hier wird klar, daß dieser Verkauf der Arbeitskraft eine einem Naturgesetz gleiche Notwendigkeit ist, die sich nicht aus dem persönlichen Verhalten von Arbeitern und Kapitalisten, etwa aus ihren subjektiven Charaktereigenschaften und Wünschen ergibt, sondern aus den objektiven sozialökonomischen Bedingungen. [1]

Die Hauptquelle des Monopolprofits ist nach wie vor der von der Arbeiterklasse im kapitalistischen Produktionsprozeß erzeugte Mehrwert, der durch rigourose Ausbeutung, durch den Einsatz elektronischer Produktionshilfsmittel, durch Auslagerung der Produktion in Billiglohnländer, durch Kapitalexport usw. rasch steigt. Davon lebt die sogenannte „zivilisierte Welt“ – der Lohnarbeiter verkauft seine Arbeitskraft. Und wo das nicht mehr möglich ist, sind die Ärmsten der Armen gezwungen, die wenigen noch im Müll der Zivilisation vorhandenen „Wertstoffe“ herauszusuchen, um sie irgendwo zu Geld zu machen.

Die Monopolherrschaft ist die Wurzel des Parasitismus und der Fäulnis des Kapitalismus. Darauf hatte schon Lenin hingewiesen. Dieser Parasitismus und die Fäulnis des Kapitalismus, hob er hervor, „zeigt sich vor allem in der Tendenz zur Fäulnis, die jedes Monopol auszeichnet, wenn Privateigentum an den Produktionsmitteln besteht… Zweitens zeigt sich der Fäulnisprozeß des Kapitalismus in der Entstehung einer gewaltigen Schicht von Rentiers, Kapitalisten, die vom ‚Kuponschneiden’ leben… Drittens ist Kapitalexport Parasitismus ins Quadrat erhoben. Viertens will das Finanzkapital nicht Freiheit, sondern Herrschaft. Politische Reaktion auf der ganzen Linie ist eine Eigenschaft des Imperialismus. Korruption, Bestechung im Riesenausmaß, Panamaskandale jeder Art. Fünftens verwandelt die Ausbeutung der unterdrückten Nationen, die untrennbar mit Annexionen verbunden ist, … die ‚zivilisierte’ Welt immer mehr in einen Schmarotzer am Körper der nichtzivilisierten Völker…“ [2]

Die folgenden Bilder zeigen die Arbeiter einer Müllhalde in Guatemala (links) und den „grauen Alltag“ einer englischen Adelsfamilie (rechts):
dangerous_work_the_mine_17royal_affair_01dangerous_work_the_mine_02royal_wedding_13dangerous_work_the_mine_01royal_wedding_02dangerous_work_the_mine_23royal_wedding_08Arbeiter
Die allgemeine Krise des Kapitalismus hat viele Gesichter. Aber ohne Zweifel gehören die Unfähigkeit des Imperialismus, die qualitativen Seiten des Lebens zu meistern, seine Unfähigkeit dem Leben Sinn und Inhalt zu verleihen, zu den wichtigsten Merkmalen dieser Krise. Der Imperialismus von heute ist zwar reich an oft sehr teuren Waren, aber arm an Menschlichkeit. [3]

Quelle:
[1] Otto Reinhold/Karl-Heinz Stiemerling, Politische Ökonomie – geschrieben für die Jugend, Dietz Verlag 1985, S.37.
[2] W.I.Lenin: Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus. In: Werke, Bd. 23, S. 103/104.
[3] Otto Reinhold/Karl-Heinz Stiemerling, a.a.O. S.134.

Topmanager im Geldrausch

Die Unverfrorenheit und Dreistigkeit der obersten Abzocker ist kaum noch zu überbieten. Fragt sich, wie lange sich die deutschen Dummköpfe noch verarschen lassen wollen.
In einem sehr zutreffenden Beitrag schreibt modesty:

Derzeit prasseln die schlechten Nachrichten wie Dauerregen auf die Menschen nieder:
Die Wirtschaft hat schon wieder aufgehört, überraschend stark zu wachsen, dafür erreichen Finanzkrisen erneut ungeahnte Ausmaße, die Gesundheitskosten explodieren vor sich hin, die Lebenshaltungskosten auch, aber die Renten sinken und Altersarmut droht. Beim Lohn konkurrieren diejenigen, die nicht gerade als qualifizierte Fachkräfte gefragt sind, längst mit Billigarbeitern aus Osteuropa, Indien oder China, mit denen man eigentlich nicht tauschen wollte und in Sachen Bildung ist Deutschland bald nicht mal mehr Mittelmaß.
moneyMoney, money…

Aber in all dem Elend gibt es tatsächlich etwas Positives: Die Vorstände der 30 DAX-Konzerne verdienen nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung endlich wieder Spitzengehälter!

Rasantes Wachstum auf dem Managerkonto
Zwischen 2008 und 2010 soll die durchschnittliche Vergütung der Vorstandsmitglieder um 21 Prozent gestiegen sein. In 21 DAX-Konzernen verdienten die Top-Manager im Schnitt mehr als 2 Millionen Euro pro Jahr. Hinzu kommen dann noch Leistungen für die Altersvorsorge, damit sich wenigstens diese hochbezahlten Spitzenkräfte das Leben als Alte leisten können. Damit bekommt so ein DAX-Vorstand pro Tag rund 15 Monatssätze Hartz-IV. (Sofern man den Hartz-IV-Satz von 364 Euro zugrunde legt.) Oder anders herum könnte man mit einem DAX-Top-Manager-Jahresgehalt 459 Hartz-IV-ler ein Jahr lang finanzieren. Okay, da kommt noch die Miete und so weiter dazu, dann bleiben großzügig gerundet halt 250 Hartz-IV-ler. Auch nicht schlecht. Das ist also das, was die neuesten gesetzlichen Regelungen über die Angemessenheit der Vergütung, die als Konsequenz aus der Finanzkrise eingeführt wurden, vorsehen. Ein Topmanager ist so viel wert wie 250 Arbeitslose. Aber der arbeitet ja auch für sein Geld.

Wer Kohle machen will, der darf nicht zimperlich sein…
Die gewerkschaftsnahe Stiftung kommt immerhin zu dem Schluß, daß die Neuorientierung bei der Vorstandsvergütung nur langsam voran komme. Man könnte auch sagen, sie kommt überhaupt nicht voran, denn die Bezahlung des Spitzenpersonals wird weiterhin fast ausschließlich an finanzwirtschaftliche Kennzahlen geknüpft. Und die werden so gestaltet, daß vor allem eine hohe Vergütung dabei heraus springt. Es sind ja nicht die lieben, netten, um die Mitmenschen und ums Gemeinwohl besorgten Kompetenzbolzen, die sich ganz oben sammeln, sondern im Gegenteil die auf ihren Vorteil bedachten Karrieristen, die manipulativen Ränkeschmiede, die selbstbezogenen Arschlöcher mit den spitzen Ellenbogen und dem kräftigen Gebiß.
Standpunkt…und gehen über Leichen

Die Macher ohne übertriebenes Mitgefühl oder empfindliches Gewissen
Menschenfreundliche Gemüter, die auch für andere mitdenken, kommen nicht in solche Führungspositionen. Egal, wie kompetent sie auch sein sollten. Wer ein DAX-Unternehmen durch die Stürme der globalen Konkurrenz führen will, der darf nicht zimperlich sein. Genau deshalb stehen genau die Leute am Ruder, die dort stehen. Die Imperatoren der Bilanzen, die keine Menschen, sondern nur Zahlen sehen. Und wenn sie sich mal verrechnet haben sollten und ein Unternehmen an die Wand fahren, dann fallen sie höchstens mit einem vergoldeten Fallschirm in die nächste gutdotierte Beraterpostition, während Tausende ihrer Mitarbeiter im Regen stehen.

Aber so ist das halt:
Wenn es ohnehin nicht für alle reicht, dann muß man wenigstens die ganz oben gut absichern. Billige Arbeitskräfte gibt es ohnehin mehr als genug…

Quelle:
Blog Gedanken(v)erbrechen, Spitzengehälter für Spitzenverdiener
(Zwischenüberschriften von mir, N.G.)