Kann man die menschliche Gesellschaft verbessern?

KiewWenn einige Jugendliche es in Kiew anfangs noch ganz ‚cool‘ fanden, Barrikaden zu bauen und gegen ihren Staat zu protestieren, und sie laut ‚Revolution‘ riefen, so sind sie doch im Irrtum. Denn: „Revolutionen setzen Wissen und Ideen voraus, nicht Unwissen. Die Revolutionen setzen ein Vorwärtsgehen voraus und nicht den Rückgang in vergangene Jahrhunderte.“ (Bashar al-Assad [1])

weiterlesen

Karl Marx (1818-1883)

Karl Marx
Karl-Marx-Monument auf dem Highgate-Friedhof in London

Was Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte: die bisher unter ideologischen Überwucherungen verdeckte einfache Tatsache, daß die Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion usw. treiben können; daß also die Produktion der unmittelbaren materiellen Lebensmittel und damit die jedesmalige ökonomische Entwucklungsstufe eines Volkes oder eine Zeitabschnitts die Grundlage bildet, aus der sich die Staatseinrichtungen, die Rechtsanschauungen, die Kunst und selbst die religiösen Vorstellungen der be­treffenden Menschen entwickelt haben, und aus der sie daher auch erklärt werden müssen – nicht, wie bisher geschehen, umgekehrt.

weiterlesen

Einem aufrechten deutschen Kommunisten zum 96. Geburtstag: Dr.Kurt Gossweiler

Kurt GossweilerDr.sc. Dr. h.c. Kurt Gossweiler (* 5.11.1917)

Lieber Kurt,

es ist schon etwas außergewöhnliches, wenn man auf so ein langes, kämpferisches Leben zurückblicken kann. Geboren im Jahr der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution und aufgewachsen in einem kommunistischen Elternhaus, hast Du Dich schon seit frühester Jugend für Politik interessiert. Auf der Karl-Marx-Schule lerntest Du Edith kennen, die seitdem Deine langjährige Lebensgefährtin ist. Gemeinsam mit Deinem Freund Werner Steinbrink, den die Nazis 1942 ermordeten, tratest Du 1931 in die kommunistische Schülerorganisation „Sozialistischer Schüler-Bund“ ein. Als Du, wie viele andere auch, von den Nazis in den Krieg eingezogen wurdest, flüchtetest Du bei erstbester Gelegenheit nach einer Verwundung im März 1943 in die Sowjetunion.

Deine Erlebnisse auf sowjetischer Seite festigten Deine kommunistische Einstellung und die Überzeugung, daß sich die Sowjetunion auf dem richtigen, von Lenin gewiesenen Wege befindet. Du wurdest dort von Deiner Kriegsverwundung ausgeheilt, lerntest Russisch und besuchtest ab Oktober 1943 die Antifa-Schule № 2041 in Taliza, an der Du bis zu Deiner Entlassung im Juli 1947 auch als Lehrer tätig warst. Das befähigte Dich, schon sehr früh zu erkennen, daß mit Chruschtschow ein Antikommunist an die Spitze der KPdSU gelangt war. Unter dem Vorwand des Bruchs mit dem so genannten „Personenkult“ wurde 1956 dort in Wahrheit der Bruch mit dem Marxismus-Leninismus vollzogen und eine Wendung hin zur Restauration des Kapitalismus eingeleitet. Allerdings waren bis 1988 fast alle davon überzeugt, daß das nie gelingen würde. Wie es dennoch dazu kommen konnte – diese Frage zu beantworten, ist vordringlich, weil das die Voraussetzung ist für einen neuen, endgültig erfolgreichen Sieg über den Imperialismus, dessen fortdauernde Herrschaft das Überleben der Menschheit in Frage stellt. Davon hast Du nach der Zerstörung der Sowjetunion durch die Ganovenclique um Gorbatschow in Deiner „Taubenfußchronik“ ausführlich Zeugnis abgelegt.

Unermüdlich und streitbar hast Du Dich von Anfang an für eine richtige Bewertung der Sowjetunion, und insbesondere der weisen Führung unter J.W.Stalin eingesetzt. Das ist nachzulesen in Deinen zahlreichen Büchern und Schriften (wie z.B. im Briefwechsel mit Peter Hacks: „Am Ende verstehen sie es“, Eulenspiegel Verlag, 2005) und natürlich in Deinem politischen Archiv. (www.kurt-gossweiler.de) Deine kluge Entscheidung, sich nach 1989 von Deinem eigentlichen Forschungsgegenstand als Historiker, dem deutschen Faschismus, zurückzuziehen und nun die Ursachen der Konterrevolution aufzudecken, hat in aller Welt dazu beigetragen, den Marxismus-Leninismus als Weltanschauung der Arbeiterklasse, vom dem Krebsschaden des modernen Revisionismus zu reinigen. Und es wird auch künftig die Grundlage dafür sein, daß Kommunisten sich neu besinnen und sich erneut ihrer Aufgabe als Revolutionäre bewußt werden.

Dafür, lieber Kurt, danken wir Dir und umarmen Dich in kommunistischer Verbundenheit herzlich!

Siehe auch:
kommunisten-online v.5.11.2013

Helden der afrikanischen Revolution: Thomas Sankara

Mit dem heroischen Sieg der Sowjetunion über den deutschen Faschismus im Jahre 1945 mußte der Imperialismus seine bisher größte Niederlage einstecken. Infolgedessen veränderte sich auch weltweit das Kräfteverhältnis hin zur Seite der sozialistischen und der antiimperialistischen Länder. Zu letzteren gehörte auch das frühere Obervolta, das heutige Burkina Faso, ein Land etwa von der Größe Großbritanniens. Vier Jahre lange regierte dort der junge afrikanische Revolutionär Thomas Sankara. Am 15. Oktober jährt sich der Tag seiner Ermordung. Er war der letzte legitime Präsident von Burkina Faso.
Ein Verrat, der uns erinnern soll.

Thomas Sankara
Thomas Sankara (21.12.1949 – 15.10.1987)

Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie auch Deutschland durch viele Fasern mit dem afrikanischen Kontinent verbunden ist. Der Kapitalismus hatte sich nicht in allen Ländern mit gleicher Schnelligkeit entwickelt. Als nun Deutschland Kolonialpolitik zu treiben begann, war ein großer Teil der Welt schon unter die alten kapitalistischen Mächten aufgeteilt. Die deutschen Kapitalisten forderten daher bereits in den 1880er Jahren mit Nachdruck die Eroberung von Kolonien. Ihre Werke produzierten fast ebensoviel Waren, wie die Fabriken der französischen Bourgeoisie. Jetzt strebten sie nach billigen Rohstoffen und aufnahmefähigen Märkten. Die Ausplünderung von Kolonien sollte ihnen noch höhere Profite sichern. Bismarck scheute sich aber noch, überseeische Gebiete zu erobern. Er befürchtete, daß Deutschland durch den Bau einer Flotte, ohne die es keine Kolonialpolitik treiben konnte, in einen Gegensatz zu England geraten würde. Das hielt Bismarck in dieser Zeit für gefährlich.

Die ersten Kolonien der deutschen Kapitalisten

Zu Beginn der 1880er Jahre verschärften sich jedoch die Gegensätze zwischen England, Rußland, Frankreich und Italien. Frankreich annektierte 1881 Tunis, das sich Italien aneignen wollte. England unterwarf Ägypten; auch die französische Bourgeoisie hatte dieses Land als Kolonie erobern wollen. Das zaristische Rußland besetzte 1884 Turkmenien, für das sich auch England stark interessierte. Jetzt schien Bismarck die Gelegenheit, Kolonien zu erobern günstig. Der Bremer Kaufmann Lüderitz gründete 1883 in Südwestafrika eine Handels-niederlassung. Im April 1884 unterstellte Bismarck diese Gründung mit dem benachbarten Küstenstreifen der Oberhoheit des Deutschen Reiches. So entstand die erste deutsche Kolonie in Südwestafrika. Die deutsche Bourgeoisie trat in den Kolonien genauso räuberisch und grausam auf wie die englischen und französischen Kapitalisten. [1]

Ist Deutschland noch eine Kolonialmacht?

Zur Geschichte der deutschen Kolonialpolitik ließe sich sicherlich noch vieles sagen. Wie steht nun die heutige BRD zu ihrer imperialen und kolonialistischen Vergangenheit? Man kann dies am Beispiel von Burkina Faso nachvollziehen. Um herauszufinden, was Deutschland dem afrikanischen Kontinent schuldig ist, betrachte man sich die folgende Kartenübersicht von 1914. Deutlich (schwarz schraffiert) ist hier zusehen, welche bedeutenden Gebiete das imperialistische Deutsche Reich bis dahin erobert hatte:
Aufteilung Afrikas (1914)
Die Aufteilung Afrikas unter die imperialistischen Mächte (1914)

Und damit nicht jemand, der googlegeschädigt oder sonstwie hirngewaschen ist, auf den Einfall kommt, Deutschland sei niemals eine „richtige“ Kolonialmacht gewesen, wird hier auf die damaligen „deutschen Schutzgebiete“ verwiesen. Auch dafür steht die bis heute fortgesetzte Ausbeuterpolitik und kolonialistische Grundhaltung der BRD. Das ist Beleg und Anklage zugleich. Es ist hier nicht zu diskutieren, ob Burkina Faso als Beispiel für Deutschlands koloniale Untaten zutrifft. Deutschland profitiert seit jeher von der Ausbeutung, Unterwerfung, Entrechtung und Ermordung der Völker Afrikas. Wer sich davon nicht betroffen fühlt, der ist allemal einbezogen in die verschiedensten Verwicklungen dieses imperialistischen Deutschlands in den afrikanischen Kontinent. Und sei es dadurch, daß europäische Schrottautos in Afrika abgeworfen werden.

Eine perfide Wortschöpfung: „Scheinasylant“

Gerne wird heute von deutschen Politikern die Floskel vom „Mißbrauch des deutschen Asylgesetzes“ benutzt, um Gewalttaten gegen Asylsuchende zu rechtfertigen. Zynisch ist dabei die Rede von angeblichen „Wirtschaftsflüchtlingen“, die man hier nicht „gebrauchen“ könne und nicht haben wolle. Doch selbst wenn jeder afrikanische Asylsuchende auch nur einen Bruchteil von dem in Anspruch nähme, was den afrikanischen Ländern durch die imperialistischen Länder Europas geraubt wurde, so ist damit die Schuld noch längst nicht abgetragen. Wahrscheinlich wird man hierzulande erst dann über die wahren und hauptsächlichen Ursachen der wachsenden Asylantenströme nach Europa nachzudenken beginnen, wenn nicht nur Tausende, sondern Abermillionen Afrikaner ihre Rechte einfordern und die Europäer für allen Raub verantwortlich machen.
AusbeutungWo liegt nun Burkina Faso?

Die ehemalige französiche Kolonie Obervolta (jetzt: Burkina Faso) befindet sich in Westafrika. Das Land erlangte am 5. August 1960 unter diesem Namen seine Unabhängigkeit. Lange Zeit herrschte dort ein Militärregime. Nach erfolglosen Versuchen, zu einer Zivilregierung zurückzukehren, und mehrfachem Machtwechsel unter den rivalisierenden Gruppierungen des Militärs kam es 1983 zur Revolution. Am 4.August 1983 übernahm ein Nationalrat der Revolution die Macht. Sein Vorsitzender und zugleich Staatsoberhaupt und Regierungschef wurde Hauptmann Thomas Sankara, der als Ziel die Errichtung einer sozial gerechten, den Interessen der Mehrheit der Bevölkerung entsprechenden, gesellschaftlichen Ordnung proklamierte. Am ersten Jahrestag der Übernahme der Macht durch die neue Regierung wurde Obervolta dann in Burkina Faso (Land der aufrichtigen Menschen) umbenannt. [2]
Burkina FasoBurkina Faso

Und das ist Afrika heute:
Goldsuchersklaven 1Goldsuchersklaven 2
Arbeitssklaven auf Goldsuche

Ich, als in der DDR Geborener, habe in meinem Staat, der DDR, die Solidarität mit Afrika erlebt und gelebt. Vorläufig lebe ich nun in einer mir aufgezwungenen Bundesrepublik Deutschland. Die Vorstellungen von Sozialismus sind hier gegenwärtig im Volk auf „Pause“ eingestellt. Die Menschen sind zwar verblödet vom herrschenden System, jedoch ist die Menschheit nicht per se blöd. Sie werden den Sozialismus wieder ergreifen. Und dann gibt es auch für Helden wie Thomas Sankara Gerechtigkeit. – Vorläufig sage ich jedem Afrikaner: Thomas Sankara ist auch bei uns nicht vergessen. Er stand für die gerechteste Sache der Welt, den Sozialismus. Und er wird weiterleben in den Herzen der Menschen, in meinem wie auch in den Euren! (N.N.) [3]

Quellen:
[1] Lehrbuch für den Geschichtsunterricht, 7.Schuljahr (DDR), Ausgabe 1952, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1955, S.282f.
[2] Autorenkollektiv: Länder der Erde, Politisch-ökonomisches Handbuch, Verlag Die Wirtschaft Berlin, 1985, S.115f.
[3] Text von ‚Vorfinder‘ (leicht bearbeitet)

Siehe auch:
Oyunga Pala: The Upright Man (engl.)

Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse

Deutsche FilmkunstEin heute fast vergessener Film ist der 1950 entstandene DEFA-Film: „Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse“. Einer der beiden Autoren des literarischen Szenariums, Michael Tschesno-Hell, schrieb darüber:

Ernst Thälmann, hochgeschätzt von Lenin und Stalin, war nicht nur eine der markantesten und populärsten Persönlichkeiten der internationalen revolutionären Arbeiterbewegung, er war, wie Romain Rolland sich plastisch ausdrückte, „das Symbol des großen Friedens unter den befreiten Völkern“, er „verkörperte wie wohl selten jemand sowohl das kommende Deutschland wie die kommende Welt überhaupt“ (Martin Andersen Nexö).

Der Thälmann-Film soll die revolutionären Traditionen der deutschen Arbeiterklasse in unseren Werktätigen wieder lebendig machen, das Bewußtsein ihrer eigenen Kraft, das Vertrauen in ihre Fähigkeit zur Umwandlung der Welt stärken und festigen. „Unermeßlich sind die Kräfte, die uns aus der Erinnerung an stolze und gehobene Momente und Tatsachen unserer Vergangenheit zuströmen“ (Thälmann). Der Film soll auch die Bedeutung der Rolle der Werktätigen als der Befreier der Menschen von Ausbeutung und Krieg, als treibende Kraft der Geschichte, als Vollstrecker des Willens des Volkes, der Nation, veranschaulichen.

Quelle:
Deutsche Filmkunst, Henschelverlag, Kunst und Gesellschaft, Heft 1, 1954, S.13f.

Teil 1:

Teil 2:

К 130-летию Эрнста Тельмана Коммунистическая Партия представляет впервые озвученный на русский язык снятый в 1954 году в ГДР фильм „Эрнст Тельман: герой своего класса“. Предлагаем нашему читателю посмотреть этот фильм.

Этот фильм демонстрировался в 50-е годы советскому зрителю, но русско-язычной версии перевода, демонстрировавшейся на широком экране в настоящее время не существует для широкого пользователя.

Закадровый текст читает Игорь Герасимов.

Первая часть:

https://youtu.be/ZcPwnaNnV2M?t=13s

Вторая часть:

https://youtu.be/G6dUcudY0Ek

Karl Marx und der Umgang mit Menschen

Karl Marx mit Arbeitern
Karl Marx unterhält sich mit Arbeitern in einer Schenke

Sein Vermögen, Männer und Frauen zum Reden zu bringen, sie fühlen zu machen, daß er sich interessiere für alles, was sie bewegte, war einfach wunderbar. Wie oft haben Leute der verschiedensten Stellungen und Berufe ihrer Verwunderung Ausdruck gegeben für sein besonderes Verständnis, das er ihnen und ihren Angelegenheiten entgegenbrachte. Wenn er glaubte, daß ein Mann wirklich etwas lernen wollte, dann war seine Geduld unbegrenzt. Da war keine Frage zu trivial, als daß er sie nicht beantwortet, kein Argument zu kindisch, als daß er es nicht ernstlich diskutiert hätte.

(Karl Marx – Eine Sammlung von Erinnerungen und Aufsätzen, in: Karl Marx, Eine Zusammenstellung vom Materialien für Feierstunden und Heimabende im Karl-Marx-Jahr 1953, Herausgegeben vom Zentralrat der FDJ, 1953, S.27.

Siehe auch:
Marx war ein strenger Lehrer
Karl Marx und das Proletariat

So plünderten die US-Amerikaner 1945 Leipzig…

US-BesatzerWenn von den USA als einem Land der Freiheit und der unbegrenzten Möglichkeiten die Rede ist, so ist dies nichts anderes als eine freche Propagandalüge. Seit mehr als hundert Jahren regiert in diesem Land ein räuberischer Monopolkapitalismus, welcher sich seitdem weltweit zu nahezu unumschränkter Dominanz ausgewuchert hat und mit unvorstellbarer Arroganz versucht, die Weltpolitik zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Von Freiheit kann hier nicht die Rede sein. Im Gegenteil: Es herrschen Unterdrückung und Ausbeutung für die gewaltige Mehrheit des Volkes. Die Verbrechen des USA-Imperialismus beschränken sich bei weitem nicht auf Afghanistan, Irak, Libyen und Syrien, sondern reichen bis weit hinein in die Geschichte dieses Landes. Nur ein einziges, kleines Beispiel möge dies beschreiben, welches die US-amerikanische Kolonialherren-Mentalität treffend charakterisiert.

weiterlesen

„Nicht die lebendige Seele verlieren!“

J.M.Swerdlow
Jakow Michailowitsch Swerdlow (1885-1919)

In zaristischer Verbannung

Als die zaristische Regierung die Bolschewiki in die weltverlorene Einsamkeit der sibirischen Verbannung jagte, nahm sie ihnen nicht nur die Möglichkeit, aktive revolutionäre Arbeit zu leisten, versuchte sie nicht nur, sie für lange Zeit aktionsunfähig zu machen, sondern wollte auch auf jede Weise den Menschen zum moralischen Krüppel verunstalten; die „lebendige Seele“ in ihm töten, den aktiven Kämpfer zu einem politischen und moralischen Wrack zu machen. Das rauhe Klima, der ewige Kampf um das Stück Brot, die Trennung von allem, was ihm teuer war, von der geliebten Sache, von Verwandten und Angehörigen, von der belebenden Umwelt der Genossen spielte nicht selten eine verhängnisvolle Rolle. Es gab einige, die nicht standhielten. Die Sehnsucht nagte an ihrer Seele, verzehrte sie, Mutlosigkeit und Verzagtheit stellten sich ein und nahmen allmählich Besitz von den Menschen. Sie warfen die Flinte ins Korn. Nichts interessierte sie, zu nichts hatten sie Lust. Wegen einer Kleinigkeit kam es zu Streit und Klatsch, wodurch die kleinen Kollektive, die in jeder Ortschaft, in jeder Siedlung, in der es auch nur einige politische Verbannte gab, entstanden waren, untergraben und zerstört wurden.

weiterlesen

Karl Liebknecht: Trotz alledem!

LiebknechtKarl Liebknecht spricht,
Holzschnitt von Alfred Frank
(geb. 1884, von den Faschisten
hingerichtet am 12.1.1945)

Generalsturm auf Spartakus! „Nieder mit den Spartakisten!“ heult es durch die Gassen. „Packt sie, peitscht sie, stecht sie, schießt sie, spießt sie, trampelt sie nieder, reißt sie in Fetzen!“ Greuel werden verübt…

„Spartakus niedergerungen!“
Jawohl! Geschlagen wurden die revolutionären Arbeiter Berlins! Jawohl! Niedergemetzelt an die hundert ihrer Besten! Jawohl! In Kerker geworfen viele Hunderte Ihrer Getreuesten … ! Und die Ebert-Scheidemann-Noske haben gesiegt. Sie haben gesiegt, denn die Generalität, die Bürokratie, die Junker von Schlot und Kraut, die Pfaffen und Geldsäcke und alles, was engbrüstig, beschränkt, rückständig ist, stand bei Ihnen. Und siegte für sie mit Kartätschen, Gasbomben und Minenwerfern. Aber es gibt Niederlagen, die Siege sind; und Siege, verhängnisvoller als Niederlagen.

Die Besiegten der blutigen Januarwoche, sie haben ruhmvoll bestanden; sie haben um Großes gestritten, ums edelste Ziel der leidenden Menschheit, um geistige und materielle Erlösung der darbenden Massen; sie haben um Heiliges Blut vergossen, das so geheiligt wurde. Und aus jedem Tropfen dieses Bluts, dieser Drachensaat für die Sieger von heute, werden den Gefallenen Rächer erstehen, aus jeder zerfetzten Fiber neue Kämpfer der hohen Sache, die ewig ist und unvergänglich wie das Firmament.

Die Geschlagenen von heute werden die Sieger von morgen sein. Denn die Niederlage ist ihre Lehre. Noch entbehrt ja das deutsche Proletariat der revolutionären Überlieferung und Erfahrung. Und nicht anders als in tastenden Versuchen, in jugendhaften Irrtümern, in schmerzlichen Rückschlägen und Mißerfolgen kann es die Schulung gewinnen, die den künftigen Erfolg gewährleistet …

Die Geschlagenen von heute, sie haben gelernt. Sie sind geheilt vom Wahne, ihr Heil in der Hilfe verworrener Truppenmassen finden zu können; geheilt vom Wahne, sich auf Führer verlassen zu können, die sich kraftlos und unfähig erwiesen; geheilt vom Glauben an die unabhängige Sozialdemokratie, die sie schnöde im Stich ließ.

Nur auf sich selbst gestellt, werden sie ihre künftigen Schlachten schlagen, ihre Siege erfechten. Und das Wort, daß die Befreiung der Arbeiterklasse nur das eigene Werk der Arbeiterklasse selbst sein kann, es hat durch die bittere Lehre dieser Woche eine neue, tiefere Bedeutung für sie gewonnen. Und auch jene irregeleiteten Soldaten werden bald genug erkennen, welches Spiel mit ihnen getrieben wird, wenn sie die Knute des wiederhergestellten Militarismus von neuem über sich fühlen; auch sie werden erwachen aus dem Rausch, der sie heute umfängt.

„Spartacus ist niedergerungen!“
O gemach! Wir sind nicht geflohen, wir sind nicht geschlagen. Und wenn sie uns in Bande werfen – wir sind da, und wir bleiben da! Und der Sieg wird unser sein … Denn Spartakus – das heißt Feuer und Geist, das heißt Seele und Herz, das heißt Wille und Tat der Revolution des Proletariats. Und Spartakus – das heißt alle Not und Glücks-sehnsucht, alle Kampfentschlossenheit des klassenbewußten Proletariats. Denn Spartakus, das heißt Sozialismus und Weltrevolution.

Noch ist der Golgathaweg der deutschen Arbeiterklasse nicht beendet – aber der Tag der Erlösung naht. Der Tag des Gerichts für die Ebert-Scheidemann-Noske und für die kapitalistischen Machthaber, die sich noch heute hinter ihnen verstecken. Himmelhoch schlagen die Wogen der Ereignisse – wir sind es gewohnt, vom Gipfel in die Tiefe geschleudert zu werden. Aber unser Schiff zieht seinen geraden Kurs fest dahin bis zum Ziel. Und ob wir dann noch leben werden, wenn es erreicht wird – leben wird unser Programm; es wird die Welt der erlösten Menschheit beherrschen.

Trotz alledem!

Aus: Die Rote Fahne, 15.Januar 1919

Quelle:
Der Sozialismus – deine Welt, Verlag Neues Leben, Berlin (DDR), 1975, S.148f.
——————————————————————————————————————–

Anmerkung:
Es ist nicht einfach, sich in die metaphernreiche Sprache des vergangenen Jahrhundert hineinzuversetzen, deshalb sei hier einmal versucht, diesen Text in die heutige Sprache zu übertragen. Vielleicht ist er dann für manchen etwas verständlicher:

Generalangriff auf den Sozialismus!

„Weg mit allem, was an die DDR erinnert!“ so heult es durch die Medien. „delegitimiert sie, schmäht sie, reißt sie in Fetzen!“ Schandtaten werden verübt, Protestierende niedergeknüppelt…

„Der Kommunismus ist gescheitert?!“
Nein! Er ist nicht gescheitert, er wurde zerschlagen. Geschlagen wurden auch die revolutionären Arbeiter von Berlin und Karl-Marx-Stadt! Jawohl! Vernichtet wurden an die hundert ihrer Besten! Jawohl! Enteignet wurde das ganze Volk der DDR … ! Und die Kohl-Schröder-Merkel haben gesiegt. Sie haben gesiegt, denn die „freiheitlich-demokratische Grundordnung“, die deutsche Bürokratie, die Konzernherren und Bankmanager, die Pfaffen und Geldsäcke und alles, was engstirnig, beschränkt, reaktionär ist, stand ihnen bei. Und siegte für sie mit Privatisierungen, Rückübertragungen, Hartz4-Gesetzen usw. Aber es gibt Niederlagen, die Siege sind – moralische Siege; und Siege, verhängnisvoller als Niederlagen – und das ist tragisch für meisten Menschen.

Die Besiegten vom Oktober 1989 haben schmachvoll kapituliert; sie hatten einst um Großes gestritten, ums edelste Ziel der Menschheit, um geistige und materielle Befreiung der ausgebeuteten Volksmassen; einige von ihnen hatten sogar geholfen, den Faschismus zu besiegen, hatten für die Zukunft der Menschheit ihr Blut vergossen. Aus jedem Tropfen dieses Bluts, aus dieser Drachensaat für die Sieger von heute, werden den Gefallenen Rächer erstehen, aus jedem zerfetzten Leichnam neue Kämpfer für die Sache des Sozialismus, die ewig ist und unvergänglich.

Die Geschlagenen von heute werden die Sieger von morgen sein. Denn die Niederlage wird ihnen eine Lehre sein. Noch fehlt dem deutschen Proletariat die revolutionäre Kampf-erfahrung. Und nicht anders als durch tastende Versuche, durch Irrtümer, schmerzliche Rückschläge und Mißerfolge kann es diese Erfahrungen sammeln, die den künftigen Erfolg gewährleisten. Der Kapitalismus, schöngeredet als „soziale Marktwirtschaft“, ist nicht imstande die Menschheitsprobleme zu lösen. Im Gegenteil: er verschärft sie …

Die Geschlagenen von heute, sie werden es lernen. Sie werden ihren Irrtum begreifen, daß man sich nicht auf Wahlen verlassen kann; daß man sich nicht auf „die Politik“ und auf die Parteien verlassen kann, die sich als kraftlos und unfähig erweisen; geheilt vom Glauben an die unabhängige Sozialdemokratie, die sie schnöde im Stich ließ.

Nur auf sich selbst gestellt, werden sie ihre künftigen Schlachten schlagen, ihre Siege erfechten. Und das Wort, daß die Befreiung der Arbeiterklasse nur das eigene Werk der Arbeiterklasse selbst sein kann, es hat durch die bittere Lehre der letzten Jahrzehnte eine neue, tiefere Bedeutung für sie gewonnen. Und auch jene irregeleiteten „Sicherheitkräfte“ und Soldaten werden bald genug erkennen, welches Spiel mit ihnen getrieben wird, wenn sie die Knute des wiederhergestellten Militarismus von neuem über sich fühlen; auch sie werden erwachen aus dem Rausch, der sie heute umfängt.

„Der Sozialismus ist überwunden!“
O gemach! Wir sind nicht geflüchtet, wir sind nicht geschlagen. Und wenn sie uns auch juristisch knebeln und mundtot zu machen versuchen – wir sind da, und wir bleiben da! Und der Sieg wird unser sein … Denn Kommunismus – das heißt Feuer und Geist, das heißt Gefühl und Verstand, das heißt Wille und Tat für die Revolution des Proletariats. Und Kommunismus – das beinhaltet alle Glückssehnsucht und alle Kampfentschlossenheit des klassenbewußten Proletariats. Denn nur das verheißt der Menschheit eine Zukunft.

Noch ist die Trägheit und Zerrüttung der deutschen Arbeiterklasse nicht überwunden – aber der Tag der Besinnung wird kommen. Der Tag des Gerichts für die Politiker, Beamten und ihre Lakaien, und für die kapitalistischen Machthaber, die sich noch heute hinter ihnen verstecken. Immer schnellebiger wird die Zeit, immer höher schlagen die Wogen der Ereignisse – wir sind es gewohnt, vom Gipfel in die Tiefe geschleudert zu werden. Aber unser Schiff zieht seinen geraden Kurs fest dahin bis zum Ziel. Und ob wir dann noch leben werden, wenn es erreicht wird – leben wird unser Programm; es wird die Welt der befreiten Menschheit beherrschen. Trotz alledem!

Text
Siehe: Die Kommunisten…

Willi Bredel, ein deutscher Kommunist

Willi Bredel
Willi Bredel (1901-1964)

„Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, … die Entwicklung der deutschen Arbeiterbewegung in menschlichen Erlebnissen literarisch darzustellen“, so äußerte sich der Arbeiterdichter Willi Bredel über sein Werk. Er wußte aber auch: „Will ein Schriftsteller nicht nur die Welt besser kennenlernen, sondern mit seiner Kunst dazu beitragen, sie verbessern zu helfen, so muß er am gesellschaftlichen Leben seines Volkes unermüdlich teilnehmen.“ Diese Erkenntnis bestimmte stets Handeln des Dichters.

In Hamburg, der Heimatstadt Ernst Thälmanns, wurde Willi Bredel 1901 als Sohn eines Tabakarbeiters geboren. Schon als Dreherlehrling auf einer Schiffswerft schloß er sich der Sozialistischen Arbeiterjugend an. 1918 wurde er Mitglied des Spartakusbundes und der Kommunistischen Deutschlands. Als er arbeitslos war, wanderte er nach Italien. 1923 nahm er mit der Waffe in der Hand an dem heldenmütigen Oktoberaufstand der Hamburger Arbeiter unter der Führung Ernst Thälmanns teil. Dafür wurde er zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner Amnestierung ging er zur See, so lernte er Portugal, Spanien, Italien und Nordafrika kennen. Auf Anraten Ernst Thälmanns schrieb er ab 1926 Artikel für die „Hamburger Volkszeitung“, 1928 trat er dem Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller bei.

Als Redakteur der „Hamburger Volkszeitung“ hatte Bredel zwei Artikel über die geheime Wiederaufrüstung in der Weimarer Republik geschrieben; angesichts der zunehmenden Faschisierung sah er schon damals die große Gefahr für Deutschland voraus. Auf Grund dieser Artikel wurde Bredel 1930 erneut zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt. Die Haftzeit benutzte er eifrig zum Studieren und Lesen, jetzt kam er auch dazu, seine ersten Romane zu schreiben. Der Roman „Maschinenfabrik N & K“, ein „Roman aus dem proletarischen Alltag“, erschien 1930, noch während der Verbüßung der Strafe, der Roman „Rosenhofstraße“ 1931. In ihm schilderte Bredel den Kampf einer kommunistischen Parteizelle in einer norddeutschen Großstadt. Mit diesen Romanen stellte sich der Dichter in die Front der sozialistischen Schriftsteller, die in der Weimarer Republik für die ökonomische und politische Befreiung des werktätigen Volkes kämpften.

1933 wurde er erneut verhaftet und von den Faschisten in das Konzentrationslager Fuhlsbüttel geschleppt. Nach 13 Monaten Haft (davon 11 Monate in Einzelhaft, 17 Auspeitschungen!) wurde er entlassen. Danach gelang ihm 1934 die Flucht in die Tschechoslowakei. Dort entstand der Roman „Die Prüfung“ (1934). Innerhalb von vier Wochen schrieb Bredel in diesem Roman seine Erlebnisse nieder und gab damit als erster Schriftsteller der Welt Bericht von den Grausamkeiten hinter dem Stacheldraht der faschistischen Konzentrationslager. Das Buch errang einen Welterfolg, es wurde in 7 Sprachen übersetzt und erreichte eine Auflage von über 2 Millionen Exemplaren.

In der Sowjetunion fand Willi Bredel dann eine neue Heimat. Zusammen mit Bertolt Brecht und Lion Feuchtwanger gab er die antifaschistische literarische Zeitschrift „Das Wort“ heraus. Damals entstand auch der Roman „Dein unbekannter Bruder“ (1936), der vom Widerstand der deutschen Arbeiter gegen den Hitlerfaschismus berichtet. Während des Befreiungskampfes des spanischen fand 1937 in Madrid der II. Internationale Schriftstellerkongreß zur Verteidigung der Kultur statt. Zu seinen Teilnehmern zählte auch Willi Bredel. Danach schloß er sich den Internationalen Brigaden an und war Kriegskommissar des Thälmann-Bataillons (Reportage „Begegnung am Ebro“ 1938).

In die Sowjetunion zurückgekehrt, stand Bredel während des Großen Vater1ändischen Krieges erneut an der Front gegen den Faschismus. Zusammen mit Erich Weinert widmete er sich während der Schlacht an der Wolga der wichtigen Aufgabe, die von den Faschisten verhetzten und verführten deutschen Soldaten durch Flugblätter und Lautsprecherpropaganda aufzuklären. Bredel arbeitete auch seit der Gründung (1943) im Nationalkomitee „Freies Deutschland“ mit. In den Jahren seines Aufenthalts in der Sowjetunion entstanden Teile der Romantrilogie (dreiteiliges Werk) „Verwandte und Bekannte“. Der erste.Teil, „Die Väter“, wurde 1941 in Moskau veröffentlicht; der zweiter Teil, „Die Söhne“ (1949), und der dritte Teil, „Die Enkel“ (1953) erschienen in Deutschland. Diese Trilogie ist Bredels Hauptwerk, sie ist „die erste Darstellung des deutschen Arbeiters in seiner Entwicklung durch das letzte Jahrhundert und wird schon deshalb einen dauernden Platz in der deutschen Literaturgeschichte einnehmen“ (Feuchtwanger). Die Kämpfe, das Versagen und den endgültigen Sieg der deutschen Arbeiterklasse schilderte der Dichter am Leben und Schicksal der Familie des Hamburger Arbeiters Julian Hardekopf und der nachfolgenden Generationen.

Bereits am 5.Mai 1945 kehrte Willi Bredel in die Heimat zurück. Von Anfang an wirkte er mit am Aufbau unseres neuen, sozialistischen Lebens. Er leistet dabei umfangreiche gesellschaftliche und kulturpolitische Arbeit. Daneben entstand eine Anzahl von Dichtungen. Die Reportage „Fünfzig Tage“ (1950) berichtet vom Wiederaufbau eines durch Unwetter zerstörten thüringischen Dorfes in sozialistischer Gemeinschaftsarbeit. Der historische Roman „Die Vitalienbrüder“ (1950) erzählt vom Leben Klaus Störtebekers. In dem Roman „Ein neues Kapitel“ (1959-1960) geht es um die schwere Zeit des Wiederaufbaus im Sommer 1945. Außerdem schrieb der Dichter die Drehbücher zu den beiden Thälmann-Filmen und setzte damit dem unvergessenen Führer der deutschen Arbeiterklasse ein Denkmal.

Ehrungen und Auszeichnungen würdigen die großen Verdienste des Künstlers. Die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik ehrte ihn für sein dichterisches Werk zweimal mit Nationalpreis (1950 und 1954). 1962 wurde Willi Bredel zum Präsidenten der Deutschen Akademie der Künste gewählt.

Quelle:
Übersichten und Biographien zum Literaturunterricht, Klasse 8-10, Volk und Wissen, Volkseigener Verlag Berlin (DDR), 1965, S.95f. (Bild: ebd. S.95)

Texte von Willi Bredel:
Die Wahrheit des Details
Quo vadis SPD?
Über die Rolle der Persönlichkeit (E.Thälmann)
Eine Anekdote

Siehe auch:
Willi-Bredel-Gesellschaft Geschichtswerkstatt e.V.