Wer oder was sind "linke Kommunisten"?

Es ist nicht gerade neu, daß die Konterrevolution sich immer wieder „linker“ Phrasen bzw. Agenten bedient, um Kommunisten zu denunzieren und der kommunistischen Partei zu schaden. Bereits in der Zeit um die Oktoberrevolution 1917 hatten sogenannte „linke Kommunisten“ mehrfach Verrat geübt und andere Verbrechen begangen. Hier einige Beispiele:

1. Enthüllungen über Revolutionspläne

Noch am Vorabend der Revolution hatten Kamenjew und Sinowjew in der menschewistischen Zeitung „Nowaja Shisn“ verbreitet, daß sie den unmittelbar bevorstehenden bewaffneten Aufstand für ein Abenteuer hielten. Sie enthüllten damit dem Feind den Beschluß des Zentralkomittees und verrieten die Revolution. Rußland befand sich in dieser Zeit im Kriegszustand mit Deutschland und Österreich. Als am 3. Dezember 1917 in Best-Litowsk die Friedensverhandlungen begannen, stand die Existenz der jungen Sowjetrepublik auf dem Spiel. Doch es gelang schließlich, ein Waffenstillstandsabkommen zu unterzeichnen und die Revolution zum Siege zu führen.

2. Verrat an die Interventionstruppen

Trotzki und eine Gruppe „linker Kommunisten“ begannen daraufhin einen wütenden Kampf gegen Lenin und forderten die Fortsetzung dieses Krieges. Am 10.Februar 1918 brachte Trotzki, der als Vorsitzender der Sowjetdelegation mit den Friedensverhandlungen beauftragt war, die Verhandlungen gegen die ausdrückliche Weisung Lenins handelnd zum Scheitern. Infolge dessen brach die deutsche Regierung den Waffenstillstand ab und ging in die Offensive über. Dieser Verrat Trotzkis kam die junge Sowjetrepublik teuer zu stehen. Die Interventionstruppen besetzten Lettland und Estland. Die Ukraine wurde in einen Vasallenstaat verwandelt und die Sowjetunion hatte an Deutschland hohe Kontributionen zu zahlen.

3. Boykott des sozialistischen Aufbaus

In den Jahren nach der Oktoberrevolution entfaltete die Partei Lenins einen energischen Kampf gegen den Schlendrian in der Produktion und gegen den Mangel an Arbeitsdisziplin in den Industriebetrieben. Das war nicht leicht. Und Lenin wies darauf hin, daß dieser Kampf um hohe kameradschaftliche Arbeitsdisziplin eine „ganze historische Epoche“ in Anspruch nehmen werde. Doch auch hier führten die „linken Kommunisten“ einen verschärften Kampf gegen Lenin. Gemeinsam mit den Sozialrevolutionären und den Menschewiki wandten sich Bucharin, Ossinski und andere gegen die Einführung der Arbeitsdisziplin, gegen die individuelle Leitung in den Betrieben und gegen das Rentabilitätsprinzip. Im kurzen Lehrgang der Geschichte der KPdSU lesen wir [1]:
Phrasen4. Ermordung des deutschen Botschafters

Als am 4. Juli 1918 der V. Sowjetkongreß eröffnet wurde, entfalteten „linke“ Sozialrevolutionäre einen wütenden Kampf gegen Lenin. Sie forderten die Beendigung des Kampfes gegen die Kulaken und die Entsendung von Arbeitern zur Lebensmittelbeschaffung in die Dörfer. Doch damit stießen sie auf den harten Widerstrand der Mehrheit der Kongreßabgeordneten. Dann versuchten diese „Linken“ eine erneute Provokation. Der „linke“ Sozialrevolutionär Blumkin drang in die deutsche Botschaft ein und ermordete den deutschen Botschafter Mirbach. Nur mit Mühe gelang es der Sowjetregierung einen Krieg abzuwenden und damit die Provokation der Konterrevolutionäre zu durchkreuzen.

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FAZIT: Die „linken Kommunisten“ sind eine konterrevolutionäre Strömung innerhalb der kommunistischen Bewegung, die sich aus kleinbürgerlichen Denk- und Verhaltensweisen ergibt. Und ihre antikommunistischen Methoden sind vielfältig. Schon Karl Marx wies darauf hin, daß diese Leute nicht unbedingt einfache Warenproduzenten, Händler usw. zu sein brauchen. »Sie können ihrer Bildung und ihrer individuellen Lage nach himmelweit von ihnen getrennt sein. Was sie zu Vertretern des Kleinbürgers macht, ist, daß sie im Kopfe nicht über die Schranken hinauskommen, worüber jener nicht im Leben hinauskommt, daß sie daher zu denselben Aufgaben und Lösungen theoretisch getrieben werden, wohin jenen das materielle Interesse und die gesellschaftliche Lage praktisch treiben.« [2]

Diese „linken“ Typen können Porschefahrer, Lehrer an kirchlichen Schulen, Journalisten, Rechtsanwälte, Bundestagsabgeordnete oder sonstwas sein. Es steht niemandem auf die Stirn geschrieben, welche politische Haltung er wirklich vertritt. Hinzu kommt, daß man heute nicht mehr, wie 1917, von einer geschwächten Bourgeoisie ausgehen kann. Die konterrevolutionäre Ideologie hat sich unter den Bedingungen der kapitalistischen Produktionsweise ständig reproduziert, modifiziert und verfeinert. Auch wenn die bisherigen Moral- und Wertvorstellungen in den kapitalistischen Industrieländern immer mehr erschüttert werden, und die Frage nach einer gesellschaftlichen Alternative hinter einer Nebelwand von manipulierenden Nachrichten, Geschichtsfälschungen, Allerweltsthemen, politischen Debatten und kulturellen Ablenkungen zu verschwinden droht – ein politisch bewußtes Handeln wird auch in Zukunft nur möglich sein, wenn die Arbeiterklasse als die revolutionärste Klasse die politischen und ökonomischen Zusammenhänge in dieser kapitalistischen Gesellschaft begreift. Man muß auch heute wieder den Marxismus-Leninismus studieren, um in der Welt etwas verändern zu können.

Schon 1978 schrieben Erich Hahn und Alfred Kosing, an die Jugend gerichtet [3]:
FazitZitate:
[1] Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Verlag der sowjetischen Militärverwaltung in Deutschland, Berlin – 1946, S.267.
[2] Karl Marx: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte. In: MEW, Bd.8, S.142.
[3] E.Hahn/A.Kosing, Marxistisch-leninistische Philosophie geschrieben für die Jugend, Dietz Verlag, Berlin, 1978, S.21.

Geistige Manipulierung

Befragt man das 1967 im Dietz Verlag Berlin (DDR) erschienene „Kleine Politische Wörterbuch“, so gewinnt man mitunter den Eindruck, manches sei erst gestern und eigens für uns geschrieben, so aktuell erscheinen uns die Texte. Wir wußten schon immer, daß die Massenmedien im Kapitalismus dafür geschaffen wurden, um die Meinungen in der Bevölkerung zu manipulieren. Es geht also gar nicht darum, einen sachlich und wissenschaftlich begründbaren Standpunkt zu zu vermitteln, sondern es geht um Verwirrung. Es wäre ja auch schlimm, wenn wir mit einemmal erkennen würden, worin z.B. die Ursachen der kapitalistischen Krise bestehen. Hier also:

Was ist geistige Manipulierung?

Es ist die mit dem staatsmonopolistischen System verbundene, auf Desinformation beruhende einheitliche ideologische Ausrichtung aller Staatsbürger im Sinne der aggressiven Politik des Imperialismus; als Form der ideologischen Machtausübung fester Bestandteil der Herrschaftstechnik des Monopolkapitals, besonders in der westdeutschen Bundesrepublik. Die g.M. spielt eine wesentliche Rolle bei der Errichtung der formierten Herrschaft. Ideologischer Hauptinhalt des Systems der g.M. ist der mit Revanchismus und in zunehmendem Maße mit Nationalismus verbundene Antikommunismus. Die g.M. wird sowohl mit staatlichen als auch mit außerstaatlichen Mitteln betrieben. Sie nutzt alle ideologischen Beeinflussungsmöglichkeiten, neben den Volksbildungseinrichtungen hauptsächlich die Massenkommunikationsmittel.

Mittels einer angeblich unbeschränkten Presse- und Meinungsfreiheit wird versucht, das Denk- und Urteilsvermögen von Millionen Menschen systematisch zu zerstören, sie zur geistigen Unmündigkeit zu verurteilen und zu willfährigen Untertanen zu erziehen, die keiner Kritik am staatsmonopolistischen Herrschaftssystem mehr fähig sind, die ökonomische Ausbeutung und politische Unterdrückung geduldig ertragen, die Pseudoideale dieses Systems als die ihrigen ansehen und sich für die imperialistische Politik mißbrauchen lassen. Dabei erscheint sowohl die g.M. als auch die daraus resultierende Handlungsweise als „frei“ gewählte Entscheidung der Betroffenen.

Gegen die g.M. wenden sich insbesondere demokratisch gesinnte Vertreter aus den verschiedenen Bereichen des geistig-kulturellen Lebens der westdeutschen Bundesrepublik. Sie fordern eine den Bedingungen der wissenschaftlich-technischen Revolution entsprechende Umgestaltung des Schulwesens, die Herstellung und Einhaltung des Rechts auf Presse- und Meinungsfreiheit und den Abbau aller staatlichen Maßnahmen, die diese Freiheiten einschränken, sowie die Zurückdrängung des Einflusses der Monopole auf die öffentliche Meinungsbildung und die Kultur. Im Kampf um demokratische Veränderungen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens kommt es darauf an, die für Wirtschaft und Politik zu erkämpfende Mitbestimmung auch auf den Prozeß der Bildung und Meinungsbildung auszudehnen.

Soweit das Zitat. Allerdings sind wir uns bei dem zuletzt Genannten nicht so sicher, ob „demokratisch gesinnte Vertreter“ damit auch Erfolg haben. Und mittlerweile gibt es im „linken“ Spektrum auch eine ganze Reihe pseudolinker, trotzkistischer und linksradikaler Demagogen, die sich „kommunistischer“ Parolen bedienen, die das Arsenal dieser „freien Meinungsbildung“ noch ergänzen…

Quelle:
Kleines Politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1967, S.218f.

Siehe auch:
Antikommunistische Manipulierung der Schuljugend in der BRD
Die reaktionäre Innenpolitik der BRD
Unterschwellige Beeinflussung…

Kleinbürgerliche Demokraten…

IHR NAHT EUCH WIEDER SCHWANKENDE GESTALTEN… (Goethe)

Bei einigen Kommunisten gibt es mitunter Unklarheiten darüber, wie man mit kleinbürgerlichen Demokraten umgehen soll. Mit wem soll man sich nun verbünden, und wen sollte man bekämpfen? In seiner Schrift „Der ‚linke Radikalismus‘, die Kinderkrankheit des Kommunismus“ gibt W.I.Lenin darauf eine klare Antwort:

Die richtige Taktik

Die kleinbürgerlichen Demokraten (darunter auch die Menschewiki) schwanken unvermeidlich zwischen Bourgeoisie und Proletariat, zwischen bürgerlicher Demokratie und Sowjetsystem, zwischen Reformismus und Revolutionismus, zwischen Liebe zu den Arbeitern und Furcht vor der proletarischen Diktatur usw. Die richtige Taktik der Kommunisten muß darin bestehen, daß man diese Schwankungen ausnutzt, keineswegs darin, daß man sie ignoriert. Um sie auszunutzen, muß man Zugeständnisse an diejenigen Elemente machen, die sich dem Proletariat zuwenden, und zwar dann, wenn sie sich dem Proletariat zuwenden, und insoweit, wie sie sich dem Proletariat zuwenden – gleichzeitig aber muß man den Kampf gegen diejenigen führen, die zur Bourgeoisie abschwenken.

…und was kam dabei heraus?

Die Anwendung der richtigen Taktik hatte zur Folge, daß der Menschewismus bei uns immer mehr zerfiel und auch weiter zerfällt, daß die verbohrten opportunistischen Führer isoliert werden und daß die besten Arbeiter, die besten Elemente aus der kleinbürgerlichen Demokratie in unser Lager übergehen. Das ist ein langwieriger Prozeß, und durch einen übers Knie gebrochenen „Beschluß“: „keinerlei Kompromisse, keinerlei Lavieren!“ kann man dem Wachstum des Einflusses des revolutionären Proletariats und der Mehrung seiner Kräfte nur schaden.

Quelle:
W.I.Lenin, Ausgew.Werke in sechs Bänden, Dietz Verlag Berlin, 1971, Bd.V, S.527f.
(Zwischenüberschriften von mir – N.G.)

Siehe auch:
Über die Freiheit der Andersdenkenden

Der heutige Linksradikalismus

Es ist nicht verwunderlich, wenn die Bourgeoisie heute kein Mittelchen unversucht läßt, um linke Bewegungen auf jede nur mögliche Art ins Zwielicht zu setzen. Das geschieht insbesondere auch dadurch, daß großzügig diejenigen Gruppierungen unterstützt werden, die sich zwar als „Linke“ bezeichnen, aber keine sind. Da gibt es unglaublich vielfältige Varianten. Dieser Etikettenschwindel maskiert sich auf raffinierte Weise. Er verwendet geschickt die kommunistische Rhetorik und Symbolik, um vor allem nichtorganisierte Kommunisten zu binden, sie in sinnlose Streitereien zu verwickeln, um sie schließlich in die Isolation oder in die Resignation zu treiben. Doch diese Rechnung geht nicht auf!
In ihrem 1989 erschienenen Buch „Linksradikalismus“ befassen sich die DDR-Autoren mit den Hintergründen:

Anarchisten, Revoluzzer, Terroristen…

Der heutige Linksradikalismus ist, wie bereits nachgewiesen wurde, ein Ergebnis der sich vertiefenden sozialen, politischen und geistigen Krisen des kapitalistischen Systems. Zugleich sind die herrschenden Kreise aller kapitalistischen Staaten jedoch bestrebt, den linksradikalen Revolutionarismus auf die verschiedenste Art und Weise für ihre Klassenziele zu nutzen. Angesichts der historischen Defensive des Imperialismus sind die politisch handelnden Kreise des Monopolkapitals eifrig bemüht, alle nur möglichen Potenzen, Ideen und Kräfte – darunter auch solche, die sich verbal gegen den Kapitalismus aussprechen – für den Kampf gegen den gesellschaftlichen Fortschritt einzusetzen. Der Linksradikalismus wird in diesem Zusammenhang nicht mehr nur toleriert, sondern in vielfältiger Form direkt und indirekt gefördert. Damit erlangte das Verhältnis von Imperialismus und Linksradikalismus im Vergleich zu vorherigen Geschichtsperioden eine neue Qualität.

Eine neue Stufe – auch in der BRD wird nicht gespart…

Diese Tatsache kommt auch darin zum Ausdruck, daß in den imperialistischen Hauptländern erstmals nicht geringe wissenschaftliche Kapazitäten zur Erforschung des Linksradikalismus eingesetzt wurden. Das trifft zum Beispiel auf das Hoover Institute der Stanford University und die Rand Corporation in Santa Monica, beide in Kalifornien, zu. In der BRD veröffentlichte in den letzten Jahren eine vom Bundesinnenministerium eingesetzte hochrangige Wissenschaftlergruppe eine mehrere tausend Seiten umfassende Studie zum Anarcho-Terrorismus in der Bundesrepublik. Auf gleicher Ebene sind auch die Tätigkeit von Gerd Langguth, Mitglied der CDU und Direktor der Bonner »Bundeszentrale für politische Bildung«, einzuordnen, der seit 1971 mehrere umfangreiche Bücher zum Linksradikalismus unserer Zeit publizierte, oder die Aktivitäten des eng mit der BRD-Bundeswehr verbundenen »Arbeitskreises für Landesverteidigung e. V.«, der zur Information staatlicher und industrieller Führungskräfte ein internes »radikal-info« herausgibt.

Linksradikale als nützliche Idioten

Obwohl die politisch führenden Kreise der Monopolbourgeoisie nach wie vor rechten Kräften in der Arbeiterbewegung den Vorzug zur Beeinflussung der Arbeiterklasse geben, erfuhr jetzt auch der Linksradikalismus in diesem Konzept eine beachtliche Aufwertung. Im Kalkül dieser Kräfte soll der linksradikale Revolutionarismus, der »zwar als Ärgernis empfunden …, aber nicht als Gefahr« betrachtet wird, so lange er nicht wichtige Machtbereiche des staatsmonopolistischen Kapitalismus tangiert(1), als eine Art Ventil für den durch die wachsenden Widersprüche des kapitalistischen Systems entstehenden politischen Überdruck fungieren.

Wozu dient eigentlich der Linksradikalismus?

In den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen unserer Zeit sind die herrschenden Kreise der kapitalistischen Staaten bestrebt, den Linksradikalismus vor allem in folgender Hinsicht zu nutzen:
• als Ideenlieferant für eine Komplettierung des bürgerlichen Antikommunismus und Antisowjetismus durch »linke« Kronzeugen;
• um in die Arbeiter- und andere fortschrittliche Bewegungen politisch-ideologisch desorientierende Auffassungen zu tragen;
• für Angriffe gegen die kommunistischen Parteien, die in den kapitalistischen Staaten als die wichtigsten Gegner des imperialistischen Systems betrachtet werden;
• um die gegen den Imperialismus opponierenden Kräfte aufzusaugen und politisch zu paralysieren. Die großbürgerlich-konservative Zeitung »Die Welt« wandte sich deshalb 1983 gegen jede Unterschätzung des Linksradikalismus und betonte: »Den Randgruppen auf der äußersten Linken fällt vielmehr die Aufgabe zu, als Auffangbecken für die nicht integrierbaren Kräfte des Sozialismus zu dienen.«(2);
• um apolitische Bürger und konservativ eingestellte Menschen mit dem provokativen linksradikalen Revolutionarismus zu schrecken und damit noch fester an die systemtragenden Parteien zu binden; und nicht zuletzt
• als Rechtfertigung für den verstärkten Ausbau solcher staatlicher Repressionsapparate wie Polizei, Gehimdienste, Computer-Überwachungssysteme usw.

Und wie funktioniert nun die Beeinflussung?

In den vergangenen Jahrzehnten gingen in dieser Beziehung besonders vom FBI und der CIA in den USA viele Initiativen aus, den Linksradikalismus für den Kampf gegen die Kräfte und Bewegungen des gesellschaftlichen Fortschritts zu nutzen. Schon Mitte der sechziger Jahre formulierte das FBI ein »Counter-lntelligence-Program« (COINTELPRO) für eine massivere Infiltration aller linken und demokratischen Organisationen mit Agenten. Ein noch weitergehendes Konzept entwickelte 1970 die CIA in Zusammenarbeit mit dem Pentagon in Gestalt der Geheimdienstinstruktion »FM 30-31«, die 1976 nochmals modifiziert wurde. Wie im Oktober 1978 die Mailänder Zeitschrift »Europeo« enthüllte, hieß es in dieser Instruktion, daß für den Kampf gegen die Kommunisten »auch die Nutzung äußerst linker Organisationen dienlich sei«. In Umsetzung solcher Programme gründeten zum Beispiel laut »New York Times« vom 24. Februar 1975 FBI-Agenten in Tampa (Florida) eine pseudolinke »Kommune«, und das FBI druckte in der Absicht, größeren Einfluß im linksradikalen Bereich zu erlangen, spezielle »linke« Flugblätter und Plakate und gab auch eine Zeitlang die pseudolinke Zeitung »Kader des Roten Sterns« heraus. Ende der siebziger Jahre wurde dann bekannt, daß von den damals knapp 3.000 Mitgliedern der trotzkistischen »Socialist Workers Party« in den USA 316 Agenten des FBI waren.

Quellen:
(1) Franz Neumann: Anarchismus. In: Handbuch politischer Theorien und Ideologien, Reinbek bei Hamburg 1978, S. 282.
(2) Die Welt, Ausgabe Berlin (West), 10. März 1983.

Das Buch heißt:
Linksradikalismus: Linksradikale Kräfte in d. gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, (Hrsg. von d. Akad. für Gesellschaftwiss. beim ZK d. SED). – Berlin: Dietz Verl., 1989. – 331 S.

siehe auch: Marx und Engels gegen den Linksradikalismus

Die Intelligenz und der Kapitalismus

Nähert sich die Intelligenz der Arbeiterklasse?

Da die objektiven Veränderungen im sozialen Status bei der Masse der Intelligenz im Unterschied zum Verlust der Existenz bei proletarisierten ehemaligen einfachen Warenproduzenten und Händlern vielfach nicht mit einer Veränderung der bisherigen Tätigkeit verbunden sind, widerspiegeln sich solche objektiven Prozesse nicht sofort und automatisch im Bewußtsein, in der Lebens- und Verhaltensweise der Intellektuellen. Dennoch lösten die ständige Gefahr des Verlustes des Arbeitsplatzes, die grassierende Arbeitslosigkeit unter Akademikern, die nicht selten negativen Erfahrungen mit der kapitalistischen Nutzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und der Proletarisierungsprozeß an den unteren Rändern der Intelligenz bei Hoch- und Fachschulabsolventen mannigfache Reaktionen aus.

Wie wirkt sich die drohende Arbeitslosigkeit aus?

Zumeist noch stark mit mittelschichtenspezifischen Denkweisen verbunden, betrachten sich die von Arbeitslosigkeit betroffenen Angehörigen der Intelligenz vielfach als von der herrschenden Klasse, vom kapitalistischen Staat Verratene und Verstoßene beziehungsweise als persönliche Versager. Sozialpsychologisch führt dies häufig zu einem Gefühl der Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit, zu einer berechtigten Angst vor der Zukunft. Diese soziale Verunsicherung von Teilen der Intelligenz ist oft auch der Auslöser von emotionellen Protesten gegen die Macht- und Eigentumsverhältnisse in den kapitalistischen Staaten. Manche verfallen angesichts dieser Lage in Pessimismus und Passivität. Nicht wenige jedoch reagierten mit erhöhter Aktivität und begaben sich jetzt auf die Suche nach neuen gesellschaftlichen Alternativen, nach einer sozialen Ordnung, in der sie wieder Anerkennung erfahren würden und ihre Persönlichkeit entfalten können.

Die Entwertung der Qualifikationen

Andere Momente, die in der heutigen Zeit bei der Intelligenz Widerspruch zum herrschenden kapitalistischen System und zur kapitalistischen Nutzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts auslösen, sind die wachsenden Tendenzen, die Menschen noch umfassender zu einem bloßen Anhängsel der Maschinen zu degradieren, oder die Konfrontation vieler im Sozialbereich tätigen Angehörigen der Intelligenz mit der sozialen Not immer größerer Bevölkerungsschichten. Die neuen ökonomischen Existenzbedingungen des Imperialismus führten aber nicht nur zu einem höheren Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften, sondern verstärkten auch die gegenteilige Tendenz zur Entwertung bisheriger Qualifikationen und Fähigkeiten sowie zu materieller und geistiger Verelendung.

Die Arbeitslosigkeit ist systembedingt

„Der kapitalistische Markt mit seinem angeblich freien Spiel der Kräfte erweist sich erneut vor aller Augen als Synonym für Ausbeutung, Existenzangst und Massenarbeitslosigkeit.“(1) Das kapitalistische System zeigt sich als unfähig, den wissenschaftlich-technischen Fortschritt grundsätzlich mit sozialem Fortschritt zu verbinden. Mitte der achtziger Jahre gab es in den 24 entwickelten kapitalistischen Ländern (OECD-Staaten) offiziell über 31 Millionen Arbeitslose. Bezieht man noch die nichtregistrierten und die aus den Statistiken herausmanipulierten Arbeitslosen mit ein, so waren in diesem Zeitraum in den imperialistischen Staaten mehr als 50 Millionen Menschen beschäftigungslos.

Weltweit sind hierzu noch die rund 500 Millionen Arbeitslosen beziehungsweise Unterbeschäftigten in den weniger entwickelten kapitalistischen Staaten einzubeziehen. Nach Aussagen westlicher Wirtschaftsexperten ist bezüglich der Arbeitslosigkeit in der kapitalistischen Welt eher mit einer steigenden als sinkenden Tendenz zu rechnen.(2)

Besonders betroffen von der Arbeitslosigkeit in den imperialistischen Staaten sind Jugendliche, Frauen, weniger qualifizierte Arbeitskräfte, ausländische Arbeiter und nationale Minderheiten. Einen bedeutenden Anteil stellen auch arbeitssuchende Akademiker. Nach gewerkschaftlichen Schätzungen stieg allein in der BRD die Zahl der erwerbslosen Hochschulabsolventen von 10.000 im Jahr 1973 auf zirka 250.000 im Jahre 1987, darunter über 135.000 Lehrer und Erzieher sowie rund 11.000 Ärzte. Noch nie in seiner Geschichte verfügte der Kapitalismus über ein solches Heer von hochqualifizierten Arbeitslosen. (…)

Welche Folgen hat das für die menschliche Psyche?

Psychologisch hat eine längere Arbeitslosigkeit für die Betroffenen mannigfache negative Folgen. Viele zweifeln an sich selbst, überhaupt noch für etwas Nützliches fähig zu sein. In sozialer Hinsicht wird der Kontakt zur Arbeiterklasse gelockert oder bei Jugendlichen, die noch nie einen festen Arbeitsplatz fanden, oft gar nicht erst hergestellt. Zum Teil erwachsen daraus Tendenzen zur Asozialität, zu einem ungezügelten Radikalismus, zur Verachtung jeder Arbeit und der Arbeiterbewegung. Anfang 1977 schrieb ein junges Mädchen aus Bologna in einem Brief, der im gleichen Jahr in der Zeitung „Paese sera“ veröffentlicht wurde: „Weißt du, es ist schrecklich, wenn man fünf Jahre die Oberschule besucht hat und dann in einem Geschäft an der Kasse sitzen oder angelernter Arbeiter in einem Betrieb sein muß; noch schrecklicher ist das Warten auf einen Arbeitsplatz, die fieberhafte Suche unter den Annoncen und schließlich die ungelernte Arbeit, nur um dem langweiligen Nichtstun und der leeren Gegenwart zu entrinnen und nicht an die aussichtslose Zukunft in einer Welt denken zu müssen, mit der du nichts gemein hast, unter Menschen, die dir feind sind. Wenn du so verzweifelt bist, daß du an nichts mehr glaubst, wenn du keine Idole mehr hast, denen du dich zuwenden kannst, die dir Zuversicht und Glauben spenden können, dann rebellierst du.“ (3)

Wachsende Armut und die zunehmende Verzweiflung

Synchron mit der hohen Arbeitslosigkeit ist in den imperialistischen Staaten auch ein Anwachsen der Armut, tendenziell zu einer Zwei-Drittel-Gesellschaft zu verzeichnen. Millionen Menschen, rund ein Drittel der Bevölkerung, werden aus dem produktiven Leben ausgegrenzt, an den Rand der Gesellschaft gedrängt, werden marginalisiert. Allein in den USA vegetierten nach amtlichen Angaben 1987 über 33 Millionen Menschen unterhalb der offiziellen Armutsgrenze. Peter Schütt, ein progressiver Schriftsteller der BRD, notierte nach einer Reise durch die USA, daß es in den Vorstädten von Chicago ganze Straßenzüge gibt, in denen die Menschen in ausrangierten LKW-Containern und in Hütten aus alten Kanistern hausen. Wachsende Armut gibt es gleichfalls in der BRD. In einer Sendung im Dritten Programm des BRD-Fernsehens teilte am 16. April 1980 Jürgen Roth mit: In der BRD leben „vier Millionen Menschen in unwürdigen Behausungen, wissen 2,2 Millionen alte Menschen nicht, womit sie sich ernähren sollen … Wissenschaftler schätzen, daß zwischen 15 und 20 Prozent der Bevölkerung arm sind.“(4) Diese Entwicklung hat sich in den achtziger Jahren weiter fortgesetzt. Generell weisen amtliche, gewerkschaftliche und kirchliche Angaben für die achtziger Jahre aus, daß in den OECD-Staaten 6 bis 23 Prozent der Bevölkerung am Rande oder unterhalb des offiziellen Existenzminimums leben. Radikale Verzweiflungstaten sind in einem solchen Milieu daher keine Seltenheit.

Zitate:
(1) Erich Honecker: Referat am 12. Februar 1988, Berlin 1988, S. 52
(2) Siehe Horst Veith: Arbeitslosigkeit – Geißel des Proletariats, Berlin 1985; S.8ff.
(3) Zit. in: K. G. Mjalo: Linksextremistische Gruppierungen in den Ländern Westeuropas: ideologische und sozialpsychologische Genesis. In: Rabotschi klass i sowremenny mir, Moskva, 1985, Nr. 1, S. 136.
(4) Siehe Peter Schutt: Die Mauer in Chicago, die die Reichen von den Armen trennt, ist hundert Meter hoch. In: Unsere Zeit, Düsseldorf, 5. Juli 1979.

Quelle:
Linksradikalismus, Aut.Koll., Dietz Verlag Berlin, 1989, S.65ff.

Anmerkungen:
Nach einer gewissen konjunkturellen „Erholung“ hat sich dieser Prozeß seit Beginn der 2000er Jahre wieder verschärft. Zugleich erweist sich die kleinbürgerliche Ideologie in der Intelligenz als idealer Nährboden für trotzkistische, anarchistische und andere linksradikale Abenteuer. (Siehe auch: Marx und Engels gegen den Linksradikalismus)

Marx und Engels gegen den Linksradikalismus

Die Erfahrungen aus der Geschichte zeigen, daß der Linksradikalismus keine neue Erscheinung ist. Es gab ihn vor über 100 Jahren auch, und er hat nur geschadet. Eine Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse ist nur möglich, wenn die werktätige Klasse als Hauptträger der Lasten, und schließlich die Volksmassen dazu bereit sind…

Abenteuerliche Pläne

London, Spätsommer 1850: Im Bund der Kommunisten prallen die Meinungen heftig aufeinander. Eine um August Willich (1810-1878) und Karl Schapper (1812-1870) vereinte Fraktion lehnt entschieden die von Marx, Engels und anderen Mitgliedern der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten getroffene Einschätzung ab, daß in Deutschland wie in anderen europäischen Ländern die Revolution von 1848/49 eine Niederlage erlitten hatte.

Willich, der sich in der Revolution als ein mutiger Kämpfer erwiesen hat, aber jetzt im Londoner Exil in das Fahrwasser der kleinbürgerlichen Emigration geraten war, zeigte sich nicht in der Lage, die neue politische Situation voll zu erfassen und die von Marx unterbreiteten Erkenntnisse zu verarbeiten. Die Willich-Fraktion setzte weiterhin ihre Hoffnungen auf eine baldige Wiederbelebung der Revolution in Deutschland und schmiedete für diese Zeit abenteuerliche Pläne. Ungeachtet der veränderten politischen Bedingungen, wollte sie einen bewaffneten Aufstand vorbereiten, um, wie Franz Mehring schrieb, „eine künstliche Revolution zu fabrizieren“.(1)

marx-eng5Karl Marx und Friedrich Engels mahnen zur Geduld

Karl Marx, Friedrich Engels und andere Mitglieder der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten erklärten hingegen klar und eindeutig, daß es jetzt nach der Niederlage der Revolution die Aufgabe der Kommunisten sei, in geduldiger Arbeit die revolutionären Kräfte zu sammeln, Kader heranzubilden, den wissenschaftlichen Sozialismus weiter auszuarbeiten und in die Arbeiterklasse zu tragen. In der Auseinandersetzung mit der Willich-Gruppe betonte Karl Marx:

„An die Stelle der kritischen Anschauung setzt die Minorität eine dogmatische, an die Stelle der materialistischen eine idealistische. Statt der wirklichen Verhältnisse wird ihr der bloße Wille zum Triebrad der Revolution. Während wir den Arbeitern sagen: Ihr habt 15, 20, 50 Jahre Bürgerkriege und Völkerkämpfe durchzumachen, nicht nur um die Verhältnisse zu ändern, sondern um euch selbst zu ändern und zur politischen Herrschaft zu befähigen, sagt ihr im Gegenteil: Wir müssen gleich zur Herrschaft kommen, oder wir können uns schlafen legen.“ (2)

Linkssektierer spalten die kommunistische Bewegung

Willich und ein Teil seiner Anhänger nahmen jedoch keine Lehren an. Sie spalteten den Bund der Kommunisten und schwächten so mit ihrem fragwürdigen Revolutionarismus bereits in ihrer Anfangsphase die revolutionäre Arbeiterbewegung. In dem berüchtigten Kommunistenprozeß zu Köln von 1851 nutzte dann die deutsche Reaktion im großen Umfang linkssektererische Aussagen der Willichschen Sonderorganisation, um die Kommunisten generell zu verunglimpfen – eine Methode, die bis in die Gegenwart hinein praktiziert wird.
Revoluzzer
Die Auseinandersetzungen von Marx und Engels mit dem linksradikalen Revolutionarismus beschränkten sich aber nicht nur auf diese Episode. Schon in ihren ersten Werken wandten sie sich mit scharfer Polemik gegen die kleinbürgerlichen Auffassungen des Anarchismus und entwickelten in diesem Zusammenhang viele Grundideen des wissenschaftlichen Sozialismus.

Der Anarchismus führt ins Chaos

Der Anarchismus – die älteste Form des Linksradikalismus, auf die sich bis in unsere Tage fast alle anderen Varianten des kleinbürgerlichen „linken“ Revolutionarismus zurückführen lassen – ist eine kleinbürgerlich-utopische, revolutionaristische Ideologie, die jede Autorität im gesellschaftlichen Zusammenleben der Menschen ablehnt. Er propagiert eine politische Herrschaftslosigkeit und verlangt die sofortige Abschaffung jeden Staates. Dem politischen Kampf der Arbeiterklasse und der Volksmassen steht der Anarchismus äußerst negativ gegenüber.

Sein Ideal ist die Verwirklichung einer kleinbürgerlich verstandenen „Gerechtigkeit und Freiheit“ für alle, bar jeder gesellschaftlichen Organisation. Bei aller Vielfalt der anarchistischen Theorien reduzieren sich diese im wesentlichen auf zwei Grundtypen: den Individualanarchismus, der einen extremen Egoismus des Individuums vertritt und nur die absolute Freiheit des einzelnen als wirkliche Freiheit gelten lassen will, und den mehr kollektivistischen Anarchismus, der die wirkliche Freiheit der Menschen in ihrer Zusammenfassung in kleinen, völlig autonomen Kollektiven erblickt. Während der Individualanarchismus nicht unbedingt die Überwindung des kapitalistischen Eigentums anstrebt und von seinem Wesen her eine radikale Variante des kleinbürgerlichen Liberalismus verkörpert, will der mehr kollektivistische Anarchismus den Kapitalismus mit allen Mitteln zerstören und durch eine föderative Gesellschaft kleinerer Genossenschaften und Kommunen ersetzen. (…)
177015In den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen unserer Zeit sind die herrschenden Kreise der kapitalistischen Staaten bestrebt, den Linksradikalismus vor allem in folgender Hinsicht zu nutzen:

1. als Ideenlieferant für eine Komplettierung des bürgerlichen Antikommunismus und Antisowjetismus durch „linke“ Kronzeugen;
2. um in die Arbeiter- und andere fortschrittliche Bewegungen politisch-ideologisch desorientierende Auffassungen zu tragen;
3. für Angriffe gegen die kommunistischen Parteien, die in den kapitalistischen Staaten als die wichtigsten Gegner des imperialistischen Systems betrachtet werden;
4. um die gegen den Imperialismus opponierenden Kräfte aufzusaugen und politisch zu paralysieren. (…)
5. um apolitische Bürger und konservativ eingestellte Menschen mit dem provokativen linksraduikalen Revolutionarismus zu schrecken und damit noch fester an die systemtragenden Parteien zu binden; und nicht zuletzt
6. als Rechtfertigung für den verstärkten Ausbau solcher staatlichen Repressionsapparate wie Polizei, Geheimdienste, Computer-Überwachungssysteme usw.

Zitate:
(1) Franz Mehring: Karl Marx, Berlin 1985, S.212.
(2) Karl Marx: Enthüllungen über den Kommunisten-Prozeß zu Köln. In: MEW, Bd.8, S.412. oder AW6, Bd.2, S.418

Quelle:
Autorenkoll., Linksradikalismus, Dietz-Verlag 1989, S.19ff. und S.99ff.