Der Wert der Statistik

Statistisches Jahrbuch 1990Im Juni 1990 war der Redaktionsschluß des letzten Statistischen Jahrbuches der DDR. Nicht ohne Stolz verkündeten die Herausgeber: „Das Statistische Jahrbuch der DDR 1990 präsentiert sich mit neuem Gesicht sowie vor allem mit einem neugestalteten und erweiterten Kennziffernprogramm.” [1] Zu dieser Zeit war die volkseigene Wirtschaft der DDR bereits größtensteils verschachert worden und befand sich in Privathand ehrgeiziger und raffgieriger „Unternehmer”. Und das waren nicht nur Westdeutsche! Auch der herausgebende Staatsverlag der DDR war in eine GmbH umgewandelt worden. Man kann heute nicht umhin, den Statistikern und ihren politischen Gesprächspartnern ihre selbstauferlegte Zurückhaltung vorzuwerfen, wenn sie sich bei aller Korrektheit ihrer Angaben (was nicht zu bezweifeln ist!) in der öffentlichkeit jeglicher Kommentare enthielten. Welchen Wert haben Statistiken nun wirklich? Und wem nützen sie? Was wäre gewesen, wenn man beizeiten dem, was nicht erst seit 1967 als oberster Grundsatz galt, mehr Beachtung geschenkt hätte? Wir wollen versuchen darauf eine Antwort zu geben.

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Was ist Vergesellschaftung?

Es gibt in der marxistisch-leninistischen politischen Ökonomie Begriffe, die man kennen sollte. Dazu gehören: Vergesellschaftung bzw. Verstaatlichung. Zumal es in der menschlichen Gesellschaft eine entscheidende Frage ist, wer über das Eigentum an Produktionsmitteln verfügt. Dazu fragt „rheinlaender“ :

In Kuba wird zur Zeit der Gegensatz zwischen Verstaatlichung (ineffektiv,schlecht) und Vergesellschaftung (gerecht,gut) thematisiert. Ich verstehe nicht die Praxis der Umsetzung, oder geht es um eine Rückkehr zum Kapitalismus? Ich hab das Kapital vor zwei Jahren gelesen (mit viel Vorwissen über Bilanzen, Finanzmathe, Berechnungen von Firmenfusionen/auch international) aber Marx ist ja eher Analytiker und Wissenschaftler als praktischer Umsetzer von Volks-, Staats-, Genossenschafts-, Kleinbetrieben. Wo ist der Unterschied zwischen Verstaatlichung und Vergesellschaftung?

Was ist Vergesellschaftung?

1. Vergesellschaftung der Arbeit und der Produktion ist der Prozeß der Herausbildung des gesellschaftlichen Charakters der Arbeit unter den Bedingungen der maschinellen Großproduktion; beginnt historisch mit dem Übergang von der individuellen handwerklichen Produktion der einfachen Warenproduzenten zur industriellen, auf der Anwendung von Maschinen beruhenden Produktion vor allem in Großbetrieben im Kapitalismus. Sie wird gekennzeichnet durch fortschreitende Arbeitsteilung innerhalb der Gesellschaft, Zunahme der Zahl der Produktionszweige und, ihrer Verschmelzung zu einem einzigen gesellschaftlichen Produktionsprozeß; durch gemeinsame Arbeit einer immer größeren Zahl von Arbeitern in Großbetrieben, in denen sich die industrielle Produktion zunehmend konzentriert. Konzentration, Spezialisierung, Kooperation und Kombination der Produktion bilden die ihr entsprechenden Formen der Organisation der gesellschaftlichen Produktion.

Im Kapitalismus erreicht die Vergesellschaftung bereits eine hohe Stufe und ist ein bedeutender Fortschritt in der Entwicklung der gesellschaftlichen Produktion. Die für die Naturalwirtschaft typische Zersplitterung der Produktion verschwindet; die kleinen Lokalmärkte verschmelzen zu großen nationalen Märkten bis zum Weltmarkt, und mit der Ausbreitung der maschinellen Produktion entstehen Industriezentren und Großstädte in wachsender Zahl, in denen sich das Proletariat zusammenballt. Gleichzeitig jedoch vertieft dieser Prozeß den Grundwiderspruch des Kapitalismus zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der privatkapitalistischen Form der Aneignung. Unter den Bedingungen des staatsmonopolistischen Kapitalismus wird die Vergesellschaftung bis zur äußersten Grenze getrieben, die im Kapitalismus möglich ist. Damit schafft sie zugleich die materiellen Voraussetzungen für den Übergang von der kapitalistischen zur sozialistischen Produktionsweise.

Mit der sozialistischen Vergesellschaftung der Produktionsmittel wird die dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion entsprechende Form des Eigentums geschaffen, auf dessen Grundlage die Vergesellschaftung planmäßig fortgesetzt wird. Es entstehen die Voraussetzungen für eine weitere, den Erfordernissen der sozialistischen Produktion entsprechende Entwicklung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, für die Herstellung planmäßiger Kooperationsbeziehungen zwischen den Zweigen und Betrieben sowie für die Verstärkung der Konzentration der Produktion in sozialistischen Großbetrieben, in denen die gemeinsame Arbeit der Werktätigen, befreit von jeglicher Ausbeutung, den Charakter kameradschaftlicher Zusammenarbeit und gegenseitiger sozialistischer Hilfe annimmt.

2. Unter Vergesellschaftlichung der Produktionsmittel versteht man die Überführung der Produktionsmittel aus Privateigentum in gesellschaftliches Eigentum. [1]

In einer früheren Ausgabe dieses Wörterbuchs von 1967 findet man auch noch die Erläuterung zum Begriff der Verstaatlichung (→ Nationalisierung):

Was ist Nationalisierung?

Überführung von Produktionsmitteln (Betriebe, Grund und Boden usw.) aus dem Eigentum einzelner Personen und Körperschaften in staatliches Eigentum. Der Charakter der Nationalisierung hängt vom Wesen des jeweiligen Staates ab. Die Nationalisierung kann entschädigungslos oder gegen Entgelt erfolgen. Die kapitalistische Nationalisierung besteht in der Überführung privatkapitalistischer Unternehmen, z.T. auch ganzer Industriezweige, in das Eigentum des bürgerlichen Staates, meist gegen hohe finanzielle Abfindungen. Zumeist handelt es sich um unrentable, nicht mehr konkurrenzfähige Betriebe bzw. Wirtschaftszweige. Vielfach werden diese Einrichtungen nach hrer mit Staatsmitteln erfolgten Modernisierung wieder an die Besitzer zu niedrigen Preisen zurückgegeben (Reprivatisierung), wodurch die Kapitalisten und ihre Vereinigungen an der Nationalisierung wie auch an der Reprivatisierung profitieren. Auch militärisch-strategische Überlegungen können zur Nationalisierung führen. Durch die kapitalistische Nationalisierung wird die Ausbeutung der Werktätigen nicht beseitigt, der Charakter der kapitalistischen Ordnung insgesamt nicht angetastet. Dennoch kämpft die Arbeiterklasse um die Nationalisierung bestimmter Schlüsselindustrien und -unternehmen als einer Möglichkeit, z.B. über die Mitbestimmung der Arbeiter, Schritte zur Einschränkung der Macht der Monopole einzuleiten. Die Mitbestimmung erfüllt jedoch nur dann ihre Aufgabe im Interesse der Arbeiterklasse, wenn sie die Zurückdrängung der Macht der Monopole und schließlich ihre Überwindung zum Ziele hat.

Die Nationalisierung bietet auch günstige Voraussetzungen für die Schaffung des sozialistischen gesellschaftlichen Eigentums, weil bereits ein hoher Grad der Vergesellschaftung der Produktionsmittel erreicht ist und die Arbeiterklasse nach Beseitigung des kapitalistischen Staates diese Betriebe relativ leicht in Volkseigentum überführen kann. Die Nationalisierung in den jungen Nationalstaaten umfaßt vorwiegend die Unternehmen des ausländischen Monopolkapitals und der mit ihm verflochtenen einheimischen Großbourgeoisie sowie teilweise auch die Ländereien der Feudalherren. Sie ist von großer Bedeutung für die Entwicklung unabhängiger nationaler Wirtschaften dieser Länder.

Die sozialistische Nationalisierung ist die revolutionäre Beseitigung des Eigentums der Ausbeuterklassen an den wichtigsten Produktionsmitteln durch die, sozialistische Staatsmacht und die Überführung der kapitalistischen Unternehmen in staatliches sozialistisches Eigentum (Volkseigentum); sie beginnt mit der Übernahme der ökonomischen Schlüsselpositionen, wie Grundstoff- und Schwerindustrie, Transport- und Nachrichtenwesen, Banken, Außenhandel. Damit schafft die sozialistische Nationalisierung die ökonomische Grundlage für die Diktatur des Proletariats und für den Beginn des Wirkens der ökonomischen Gesetze des Sozialismus. Der grundlegende Unterschied der sozialistischen Nationalisierung gegenüber der kapitalistischen Nationalisierung besteht in der Beseitigung des Grundwiderspruchs des Kapitalismus und damit der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. [2]

Dazu führt Klaus Hesse aus:
Nicht wenige meinen, Karl Marx verstanden zu haben, wenn sie über die Vorzüge jener Perspektive nachdenken, die mit dem folgenden Satz gewiesen wurde: „An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.“ Dabei wird nicht selten ‚übersehen’, was auf der vorangehenden Seite des ‚Manifests’ über die dazu zu schaffenden Voraussetzungen zu lesen ist: „Das Proletariat wird seine politische Herrschaft dazu benutzen, der Bourgeoisie nach und nach alles Kapital zu entreißen, alle Produktionsinstrumente in den Händen des Staats, d.h. des als herrschende Klasse organisierten Proletariats zu zentrieren und die Masse der Produktivkräfte möglichst rasch zu vermehren. Es kann dies natürlich zunächst nur geschehen vermittelst despotischer Eingriffe in das Eigentumsrecht und in die bürgerlichen Produktionsverhältnisse, durch Maßnahmen also, die ökonomisch unzureichend und unhaltbar erscheinen, die aber im Laufe der Bewegung über sich selbst hinauswachsen und als Mittel zur Umwälzung der ganzen Produktionsweise unvermeidlich sind.“

Danach listen Marx und Engels auf, was „für die fortgeschrittensten Länder … ziemlich allgemein in Anwendung“ kommt:
„1. Expropriation des Grundeigentums und Verwendung der Grundrente zu Staatsausgaben.
2. Starke Progressivsteuer.
3. Abschaffung des Erbrechts.
4. Konfiskation des Eigentums aller Emigranten und Rebellen.
5. Zentralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol.
6. Zentralisation alles Transportwesens in den Händen des Staates.
7. Vermehrung der Nationalfabriken, Produktionsinstrumente, Urbarmachung und Verbesserung der Ländereien nach einem gemeinschaftlichen Plan.
8. Gleicher Arbeitszwang für alle, Errichtung industrieller Armeen, besonders für den Ackerbau.
9. Vereinigung der Betriebe von Ackerbau und Industrie, Hinwirken auf die allmähliche Beseitigung des Gegensatzes von Stadt und Land.
10. Öffentliche und unentgeltliche Erziehung aller Kinder. Beseitigung der Fabrikarbeit der Kinder in ihrer heutigen Form. Vereinigung der Erziehung mit der materiellen Produktion…“
Dazu kommen unsere Erfahrungen mit unseren Erfolgen, mit unserer Freiheit, unseren Leistungen, unseren Siegen und Niederlagen und den daraus zu ziehenden Lehren.[3]
(Zitate: siehe „Manifest der Kommunistischen Partei“, in: MEAW6, Bd.I, S.383-449)

Quelle:
[1] Kleines politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1973, S.887f.
[2] Kleines politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1967, S.441f.
[3] Klaus Hesse: Imperialismus heute, Fragen zur Lage der lohnabhängig Arbeitenden –
Versuch einer marxistischen Analyse, Leipzig, 2013 (Kolloquium: Handmaterial, S.8)

Siehe auch:
Was verstehen wir eigentlich unter „Volkseigentum“?

Lehrbuch der Politischen Ökonomie (1955)

Politische ÖkonomieDieses Buch – das berühmte «Stalinlehrbuch» der politischen Ökonomie, gibt ein hervorragendes Bild des sozialistischen Aufbaus in der UdSSR und beschreibt die Arbeitsprinzipien Stalins. Unbestritten enthält dieses Lehrbuch die «Quintessenz des sowjetischen Wirtschaftsgedankens der Jahre 1930 bis Anfang 1950».

Die Vorbereitungen zur Herausgabe dieses Buches nahm etwa 18 Jahre in Anspruch. Dutzende sowjetischer Wirtschaftswissenschaftlert nahmen unmittelbar daran teil, und Hunderte erörterten den Entwurf dieses Lehrbuches. Die hervorragende Arbeit Stalins «Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR»* wurde 1952 in Form von Bemerkungen zum Projekt dieses Lehrbuches veröffentlicht. Das Buch erschien anderthalb Jahre nach dem Tode Stalins und widerspiegelte schon zu jener Zeit die geplante Absage der neuen sowjetischen Führung an das Erbe Stalins. Doch die Ideen, und sogar die Worte J.W.Stalins sind darin noch vollkommen klar zu erkennen. Unter Chruschtschow wurde dieses Buch aus den Bibliotheken entfernt, später verschwiegen, und die Jugend wußte einfach nichts von seiner Existenz. Danach begann die „Perestrojka“…

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Woher kommt der Reichtum?

ReichtumSo sind sie. Da reden sie von ERFOLG uind EIGENINITIATIVE, von ARBEITSPLÄTZEN und von unternehmerischer FREIHEIT – doch was geschieht in Wirklichkeit? Es geschieht die Ausbeutung fremder Arbeitskraft durch die Besitzer der Betriebe, der Maschinen, der Werkzeuge, der Grundstücke und Immobilien, es geschieht die Eroberung fremder Länder und Rohstoffquellen, es geschieht die Einvernahme des Denkens und der Bereitwilligkeit der Menschen für ausbeuterische Zwecke, und es geschieht die massive Einflußnahme und Unterdrückung jeglichen Widerstandes gegen diese imperialen und machthaberischen Interessen, gegen diese schreienden Ungerechtigkeiten der kapitalistischen Gesellschaft. Es ist an der Zeit, hier Klarheit zu schaffen!

Und so sind die Sprüche und Redensarten der Ausbeuter:
…Eigentum verpflichtet.
…Mit jedem Euro mehr nimmt der Neid zu.
…Ich wollte nicht vorrangig viel Geld verdienen, sondern erfolgreich sein.
…Erfolg wird mit Geld belohnt.
…ich hatte immer nur das nächste Ziel vor Augen.
…es kommt vor allem auf Fleiß und Eigeninitiative an.
…der große Feldversuch der DDR ist gescheitert.
…Viele Wohlhabende sind bereit, einen besonderen Beitrag zu leisten.
…mit Geld werden Unternehmen finanziert, was Arbeitsplätze schafft.
…die bestverdienenden 10 Prozent zahlen mehr als 50 Prozent der Einnahmen aus der Einkommenssteuer.
…Jede Deckelung des Einkommens führt zu Demotivation.
…Höhere Steuern mindern die Leistungsbereitschaft, dann wird auch nicht mehr so viel investiert, dann geht es den Unternehmen schlechter, das kostet Arbeitsplätze.
…der Staat kann mit dem Geld nur nicht richtig umgehen.

Liest man diese auswendig gelernten Äußerungen einiger reicher und super-reicher Vertreter der heutigen Bourgeoisie, so könnte man tatsächlich den Eindruck haben, daß allein deren fleißige Arbeit die Quelle all ihres Reichtums sei, daß eben nur Leistung sich lohne, und der kluge Umgang mit Geld. Und daß der Staat nunmal damit nicht umgehen könne. Dergleichen abgedroschene Sprüche hört man immer wieder. Sie haben einzig und allein den Zweck, dem Esel die Möhre vor die Nase zu halten, damit er glaubt, das Ziel seiner Beteligung, seiner „Teilhabe“ am großen Gewinn sei für ihn nun greifbar nahe. Er brauche nur noch einen kleinen Schritt zu tun, und -schwupps!- schon habe er es erreicht. Wie einfach – doch wie dumm! Keine Frage: FAULHEIT führt zu NICHTS.

Ist die Arbeit die Quelle alles Reichtums?

In dem 1960 erschienenen Heft über „Die materiellen Grundlagen des gesellschaftlichen Lebens“ schrieb der DDR-Philosoph G.Heyden: Eine besondere Rolle im Klassenkampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat hat die von bürgerlichen Ökonomen aufgestellte These: „Die Arbeit ist die Quelle allen Reichtums“, gespielt. Wer sich mit der Geschichte der Arbeiterbewegung beschäftigt, weiß, daß diese Formulierung ins „Gothaer Programm“ der deutschen Sozialdemokratie Aufnahme gefunden hatte und von Marx in seiner Schrift „Kritik des Gothaer Programms“ widerlegt wurde. Diese These läuft nämlich letzten Endes auf eine völlige Unterschätzung der natürlichen Produktionsbedingungen, die den Menschen durch ihr geographisches Milieu gegeben sind, hinaus. Marx entlarvte in dieser Schrift besonders den bürgerlichen Klassencharakter dieser Auffassung. Er schrieb:

„Die Arbeit ist nicht die Quelle alles Reichtums. Die Natur ist ebensosehr die Quelle der Gebrauchswerte, als die Arbeit… Und soweit der Mensch sich von vornherein zur Natur, der ersten Quelle aller Arbeitsmittel und -gegenstände, als Eigentümer verhält, sie als ihm gehörig behandelt, wird seine Arbeit Quelle von Gebrauchswerten, also auch von Reichtum. Die Bürger haben sehr gute Gründe, der Arbeit übernatürliche Schöpfungskraft anzudichten; denn gerade aus der Naturbedingtheit der Arbeit folgt, daß der Mensch, der kein andres Eigentum besitzt als seine Arbeitskraft, in allen Gesellschafts- und Kulturzuständen der Sklave der ändern Menschen sein muß, die sich zu Eigentümern der gegenständlichen Arbeitsbedingungen gemacht haben. Er kann nur mit ihrer Erlaubnis arbeiten, also nur mit ihrer Erlaubnis leben.“ [1]

Mit diesen Worten betonte Marx, daß das menschliche Leben, das sich durch die Produktion erhält und entwickelt, an Naturbedingungen gebunden ist. Diese sind eine unerläßliche Existenzbedingung der Menschen.

Man muß lernen, den Kapitalismus zu durchschauen!

Die bürgerlichen Ideologen sind gezwungen, diesen Zusammenhang zu verschleiern, weil sonst ihre Phrasen von der „allgemeinen menschlichen Freiheit“, von der „Sozialpartnerschaft“ und vom „Wirtschaftsbürger“ im Kapitalismus zu leicht durchschaut werden könnten. Wenn man nämlich anerkennt, daß die menschliche Arbeit an bestimmte Naturbedingungen gebunden ist, dann muß man auch erkennen, daß der arbeitende Mensch dort, wo er durch Eigentumsschranken von den natürlichen Bedingungen seines Lebens getrennt ist, sein Leben nur erhalten kann, wenn der Besitzer dieser Naturbedingungen ihm zu arbeiten erlaubt. Unter diesen Umständen, die in allen auf dem Privateigentum an den Produktionsmitteln beruhenden Gesellschaftsordnungen und vor allem natürlich in der kapitalistischen Gesellschaft gegeben sind, bleibt der arbeitende Mensch immer Sklave der besitzenden Klasse.

Der Kapitalismus – eine Sklavenhaltergesellschaft

Das trifft in vollem Umfang auch für Westdeutschland zu, wo im Unterschied zur Deutschen Demokratischen Republik der Grund und Boden den Großgrundbesitzern, die Bodenschätze und Fabriken den Monopolisten und Bankherren gehören, die als Besitzer der gesellschaftlich entscheidenden Produktionsmittel die Arbeiter und ‚Bauern ausbeuten und politisch versklaven. Deshalb können sich die Werktätigen nur befreien durch die Enteignung der Großgrundbesitzer- und Monopolkapitalisten, die Überführung der Fabriken und natürlichen Reichtümer in die Hände des Volkes. Deshalb sind Redensarten von „Volkskapitalismus“, „Volksaktien“ usw. frecher Betrug.

Die gesellschaftlichen Veränderungen in der DDR

Mit dem Übergang vorn Kapitalismus zum Sozialismus, wie er sich auch in unserer Republik (der Autor meinte damit die DDR, N.G.) vollzieht, wird durch die Umwandlung des Privateigentums an den wichtigsten Produktionsmitteln in gesellschaftliches Eigentum die Grundlage der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitigt. Die wichtigsten gesellschaftlichen Produktionsmittel, Bodenschätze, Fabriken, Großhandel, Transport und Verkehrswesen usw., sind bei uns bereits in das Eigentum des Volkes übergegangen. Das noch in geringem Umfang bestehende kapitalistische Eigentum an Produktionsmitteln wird allmählich auf dem Wege der staatlichen Beteiligung an diesen Privatbetrieben, das bäuerliche Eigentum an Grund und Boden und das handwerkliche Eigentum an Produktionsmitteln aber auf dem Wege der Vergenossenschaftung allmählich in sozialistisches Gemeineigentum umgewandelt. Indem die Arbeiterklasse auf diese Weise in der sozialistischen Revolution unter Führung ihrer marxistisch-leninistischen Partei die Schranken niederreißt, die den Produzenten von den Produktionsbedingungen trennen, stellt sie eine harmonische Einheit zwischen Mensch und Natur her und befreit sich selbst vom Sklavendasein.

Eine kleine Schicht von Monopolisten

Im Kapitalismus kann der arbeitende Mensch die ständige und notwendige Einheit mit seiner natürlichen Umgebung nur über die Besitzer der Produktionsmittel realisieren. Das ist eine ständige Quelle von Unsicherheit, Hunger, Arbeitslosigkeit und Unterdrückung für den Arbeiter. Das kapitalistische Privateigentum an den Produktionsmitteln hindert den Arbeiter am Zutritt zu seinen notwendigen Existenzmitteln. Im Sozialismus dagegen, wo die Einheit des arbeitenden Menschen mit der Natur nicht mehr über eine kleine Schicht von Monopolisten hergestellt wird, wo alle Eigentumsschranken gefallen sind und dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln entspricht, ist diese Einheit Quelle eines ständig steigenden Lebensstandards der ganzen Gesellschaft.

Quelle:
G.Heyden: Die materiellen Grundlagen des gesellschaftlichen Lebens, in: Wissenschaftliche Weltanschauung, Teil II, Historischer Materialismus, Dietz Verlag Berlin, 1960, S.49-51.
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Der Wahlspruch der Profiteure: „Geld machen“

In der kapitalistischen Gesellschaft, wo das kapitalistische Privateigentum an den Produktionsmitteln das Verhältnis der Menschen zur Natur bestimmt, werden in den verschiedenen Ländern einzelne Elemente des geographischen Milieus gar nicht oder nur ungenügend ausgenutzt, andere dagegen werden ohne Rücksicht auf eventuelle Folgen ausgebeutet. Unter der Losung „Geld machen“ werden ganze Wälder abgeholzt, Tierarten ausgerottet und der Boden verwüstet. Die Bodenerosion als das sichtbarste Ergebnis der Entwaldung und des Raubbaues am Boden hat zum Beispiel in den USA zur Zerstörung etwa eines Viertels des ursprünglichen Acker- und Weidelandes geführt. Andererseits werden im Kapitalismus natürliche Bedingungen der Produktion nicht genutzt, weil die Kapitalisten weniger Produkte einer Sorte auf den Markt werfen wollen, um die Preise künstlich hoch zu halten.

Beispiele kapitalistischer Plünderungen

Keinen anderen Sinn haben die im Jahre 1950 angeordneten Vernichtungen großer Mengen Lebensmittel in den USA und die Anfang des Jahres 1956 von Präsident Eisenhower bekanntgegebenen Vorschläge zur Subventionierung der Anbaubeschränkung in der amerikanischen Landwirtschaft. Diese Vorschläge zielen darauf ab, die Anbaufläche für Weizen und Baumwolle in den USA um 20 Prozent zu verringern. Bereits angebaute Weizenfelder sollen umgepflügt werden. Als Ersatz erhalten die Farmer, die sich an diesem Plan beteiligen, Bezugscheine, das heißt, die Regierung erstattet ihnen einen Teil der Ernte, auf die sie verzichtet haben, in natura oder in bar. Es bahnt sich hier eine ähnliche Tragödie an. wie wir sie schon in den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts erlebt haben. Schon damals wurden amerikanische Farmer dafür bezahlt. daß sie nicht produzierten, obwohl ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung unter dem Existenzminimum leben mußte. Das zeigt, wie in der kapitalistischen Gesellschaft das Verhältnis des Menschen zur Natur durch die Profitinteressen der herrschenden Klassen bestimmt und eine vernünftige Ausnutzung der natürlichen Produktionsbedingungen verhindert wird. Wie Marx schrieb, „ist die Fruchtbarkeit nicht eine so bloß natürliche Eigenschaft, wie man wohl glauben könnte: Sie steht in engem Zusammenhang mit den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen. Ein Grundstück kann für den Getreideanbau sehr fruchtbar sein, und doch kann der Marktpreis für den Bebauer bestimmen, es in künstliche Wiesen umzuwandeln und so un fruchtbar zui machen.“ [2]

Grundlegend anders ist das Verhältnis des Menschen zur Natur unter den Bedingungen der sozialistischen Produktionsverhältnisse. Hier ist das gesellschaftliche Eigentum die Grundlage für ein völlig neues Verhältnis der Menschen zur Natur. Wer hätte wohl in der sozialistischen Gesellschaft ein Interesse daran, die natürlichen Bedingungen der Produktion zu zerstören oder vorhandene Möglichkeiten für die Befriedigung der ständig wachsenden materiuellen un d kulturellen Bedürfnisse der Menschen nicht auszunutzen?

Quelle:
G.Heyden, a.a.O, S.55f.

Zitate:
[1] Marx/Engels: Ausgewählte Schriften, Bd, II, S.11.
[2] Karl Marx, Das Elend der Philosophie, Dietz Verlag, Berlin 1957, S.1282.

Siehe auch:
Friedrich Engels: Über Habgier und Reichtum
Null-bock-Stimmung – oder: Macht Geld faul?
Die Reichen und die Armen

Das Wertgesetz im Sozialismus

WEMA Gera
Flexibler automatis.Fertigungsabschnitt in der Werkzeugmaschinenfabrik UNION Gera*

Nicht nur in der Natur, sondern auch in der menschlichen Gesellschaft gibt es bestimmte Gesetzmäßigkeiten. Sie sind vom einzelnen Menschen unabhängig und wirken außerhalb seines Bewußtseins. Während der Kapitalismus auf der Ausbeutung fremder Arbeitskraft beruht, verschwindet unter sozialistischen Verhältnissen der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit – oder anders ausgedrückt: der Gegensatz zwischen gesellschaftlicher Produktion und privatkapitalistischer Aneignung. Denn im Sozialismus befinden sich die entscheidenden Produktionsmittel, sowie Grund und Boden, sowohl das Transportwesen und als auch der Staatsapparat in den Händen des werktätigen Volkes. Somit verändert sich auch der gesamte Charakter der Produktion. Egoismus, Profitmacherei und Ausbeutung werden abgelöst von gegenseitiger Hilfe und kameradschaftlicher Zusammenarbeit. Allerdings ist das meist ein recht langwieriger und schwieriger Prozeß, der von zahlreichen Auseinandersetzungen begleitet ist. Denn die bisherige Ausbeuterklasse ist keineswegs bereit, auf ihre alten Privilegien und ihr zusammengeraubtes Vermögen zu verzichten.

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Die Welt, in der wir leben…

weltWir können uns die Welt nicht heraussuchen, in der wir leben möchten. Sie ist einfach da, mit all ihren Schönheiten, ihren Mängeln und Problemen. Einerseits hat die Wissenschaft in den letzten zwanzig Jahren enorme Dinge hervorgebracht. Was wäre diese Welt ohne GPS, ohne Internet, ohne Mobilfunk oder ohne elektronische Steuervorrichtungen? Auf der anderen Seite sind weitaus größere Anstrengungen erforderlich, um die im Laufe der letzten Jahrzehnte entstandenen Umweltschäden zu beseitigen. Manches wird nie wieder gutzumachen sein. Riesige durch Radioaktivität, Raubbau oder Chemikalien verseuchte Regionen werden bleiben, wohl auch die verschmutzten Meere und Flüsse. Wir haben tote Städte, Industriebrachen und gänzlich verödete Regionen. Und es ist nicht abzusehen, ob sich die abgeholzten Regenwälder, die ausgetrockneten Seen, die abgeschmolzenen Gletscher, geschrumpften Polargebiete und die ausgedünnte Ozonschutzschicht jemals wieder regenerieren werden. Ganz abgesehen von den gesundheitlichen oder moralischen Folgen, die das alles für die Menschheit hat.

Aber es gibt auch noch ganz andere Probleme, die einer dringenden Lösung bedürfen. Das sind die sich verschärfenden sozialen Gegensätze. Während einige wenige Leute sich unermeßliche Reichtümer aneignen, leben Millionen Menschen in aller Welt in bitterster Armut. Und in der Bundesrepublik entsteht der Eindruck, soziales Konfliktpotential gäbe es nur in Griechenland, einen Bürgerkrieg nur in Syrien und das deutsche Kriegsschiff vor Syriens Küsten sei nichts weiter als ein harmloser Ausflugsdampfer. Bis auf ein paar Kleinigkeiten befände sich die deutsche Wirtschaft trotz Krise permanent im Aufschwung. Wer’s glaubt wird selig! Das occupy-Camping ist vorbei, und alle ziehen sich wieder die Hauslatschen an und kehren in die gute Stube zurück. Arbeitslosigkeit, Hartz4, Suppenküchen und Billigjobs – alles nur ein böser Traum? Welch‘ ein Irrtum! Diese Situation beschreibt modesty sehr treffend: „Es ist heute fast wieder so, als habe es Marx und Engels nie gegeben, die mit ihren Analysen der Arbeiterklasse vor Augen führten, in welchem Maß sie ausgenutzt und betrogen wird. Mehr als 150 Jahre Arbeit und Auseinandersetzung einfach ausgelöscht. Mir begegnen immer wieder Leute, die behaupten, es gäbe doch heutzutage keine Ausbeutung mehr! Da frage ich mich, ob die in der gleichen Welt leben wie ich – in meiner Welt gibt es Niedriglöhner und Billigjobber, unterbezahlte Fachkräfte, arbeitslose Fachkräfte und auch solche, die man gegen eine so genannte Aufwandsentschädigung zwingt, ihren besser bezahlten Kollegen die Jobs streitig zu machen.“ [1] Wann werden wir endlich mal über die Ursachen all dieser Erscheinungen nachdenken und die notwendigen Konsequenzen ziehen?

Wie ist das nun wirklich heute?

„Würden wir den imperialistischen und rechtssozialdemokratischen Ideologen glauben, dann gäbe es längst keinen Kapitalismus mehr. Besonders in den fünfziger und sechziger Jahren hatten sie die Behauptung aufgestellt, daß die kapitalistische Ordnung allmählich in eine neue Gesellschaft hinüberwachsen würde. Nur darüber, was das für eine Gesellschaft sein würde, gab es unterschiedliche Auffassungen. Die einen meinten, es vollziehe sich der Übergang zu einer »Industriegesellschaft« oder einer »postindustriellen Gesellschaft«, andere erklärten, es käme eine »Wohlfahrtsgesellschaft«, wieder andere behaupteten, der Kapitalismus sei längst zu einer »freien und sozialen Marktwirtschaft« geworden. Schließlich wurde die Meinung vertreten, Schritt für Schritt würde sich der sogenannte demokratische Sozialismus durchsetzen. Mindestens ein Dutzend solcher oder ähnlicher Begriffe wurde für den Kapitalismus geschaffen. Mit derartigen Pseudotheorien versuchen die Ideologen des Imperialismus, das Wesen der kapitalistischen Ausbeuterordnung zu verschleiern.“ [2] Man muß schon ein Idiot sein, wenn man heute solchen Volksverführern Glauben schenkt.

Worauf beruht die kapitalistische Wirtschaft?

Man kann die Zusammenhänge in unserer Gesellschaft und das Verhalten der Menschen nicht verstehen, wenn man von der Wirtschaft keine Ahnung hat. Und damit ist keineswegs die sogenannte „(soziale) Marktwirtschaft“ gemeint, oder das was beispielsweise an Universitäten über „Betriebswirtschaft“ gelehrt wird. Das führt uns nicht zum Kern! Schon im Sozialkundeunterricht der „Sekundarstufe“ wird man Erklärungen über die ökonomischen Zusammenhänge im Kapitalismus vergeblich suchen. Mit einem angeblichen „Strukturwandel“ oder einem „Wertewandel“ ist der Kapitalismus eben nicht zu erklären. Auch andere Begriffe, wie Neo-Feminismus, Gentechnologie, Menschenrechtsethik u.dgl. unsinnige Textblasen und Rollenspiele verhelfen da zu keiner Erkenntnis. Im Gegenteil: die Verwirrung wird nur größer. Und das ist beabsichtigt!

Kapitalismus = Ausbeutung und Unterdrückung

Wir leben heute unter kapitalistischen Verhältnissen. Was ist damit gemeint? „Der Kapitalismus ist eine sozialökonomische Gesellschaftsformation, die auf dem privatkapitalistischen Eigentum an den Produktionsmitteln und der Ausbeutung der Lohnarbeiter beruht – historisch gesehen die letzte Ausbeutergesellschaft. Die beiden sich antagonistisch (also unversöhnlich) gegenüberstehenden Grundklassen des Kapitalismus sind die Bourgeoisie (Kapitalisten) und das Proletariat (Lohnarbeiter). Die Bourgeoisie als Eigentümer der Produktionsmittel ist die ökonomisch und politisch herrschende Klasse. Das Proletariat ist juristisch frei und muß als Nichteigentümer der Produktionsmittel seine Arbeitskraft an die Kapitalisten verkaufen; es ist die unterdrückte Klasse. Außer ihnen existieren Nebenklassen (werktätige Bauern) und soziale Schichten (Intelligenz). Die kapitalistische Entwicklung führt nicht nur zur Verschärfung des Klassengegensatzes zwischen Bourgeoisie und Proletariat, sondern bedeutet auch Ausbeutung und Zersetzung der anderen Klassen und Schichten.“ [3]

Das Mehrwertgesetz

„Das ökonomische Grundgesetz des Kapitalismus ist das Mehrwertgesetz, das Ziel der kapitalistischen Produktion der Profit. Der Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der privatkapitalistischen Form der Aneignung ihrer Ergebnisse ist der Grundwiderspruch des Kapitalismus. Er findet in der Anarchie der Produktion und der Konkurrenz seinen Ausdruck, führt zu immer stärkerer Konzentration und Zentralisation von Kapital auf der einen Seite und zur Verschlechterung der Lage der Arbeiterklasse auf der anderen Seite. Er hat periodische Wirtschaftskrisen, Kriege und erbitterte Klassenkämpfe zur Folge. Ihre politische Herrschaft übt die Bourgeoisie mit Hilfe des bürgerlichen Staates aus.“ [4] So ist das! Das haben in der DDR die Kinder bereits in der Schule gelernt. Und die Richtigkeit dessen hat sich nunmehr (nach der Konterrevolution 1989) vollauf bestätigt.

Karl Marx und „Das Kapital“

Im Kapitalismus sind diejenigen, die keine Produktionsmittel besitzen, bei Strafe ihres Untergangs gezwungen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Das gehört zum Wesen dieses Systems. Und es ist eigentlich leicht einzusehen, daß dieser Verkauf der Arbeitskraft eine „einem Naturgesetz gleiche Notwendigkeit“ ist. Vielleicht sollte man wieder einmal das „Kommunistische Manifest“ lesen. Karl Marx hat sich sehr ausführlich mit dem Prozeß der ursprünglichen Akkumulation befaßt. Die Fähigkeit, einen Mehrwert zu produzieren, bildet für den Kapitalisten den spezifischen Gebrauchswert der Ware Arbeitskraft. Für das Kapital jedenfalls ist eine einzige Tatsache von Bedeutung: „Die Arbeitskraft der Arbeiter ist in der Lage, einen wesentlich größeren Wert zu produzieren, als sie selbst verkörpert und als bei ihrem Kauf aufgewendet werden muß.“ [5] Die Produktion von Mehrwert ist der Sinn und Zweck, das einzige Ziel der kapitalistischen Produktion.

Imperialismus bedeutet Krieg!

Der Imperialismus ist die letzte Stufe des kapitalistischen Systems. Durch seinen aggressiven Charakter war der Imperialismus stets der Ausgangspunkt von Kriegen und internationalen Konflikten. Die internationale Lage hatte sich zu Beginn der 80er Jahre durch die Hochrüstungs- und Konfrontationspolitik der USA und der NATO enorm verschärft. Wieder einmal drohte die Gefahr eines atomaren Krieges. Der Hauptstoß der aggressiven Politik des Imperialismus richtete sich damals gegen die Sowjetunion und die anderen sozialistischen Staaten. Auch wennn sich die strategischen Konzeptionen des Imperialismus ab und zu veränderten, das Ziel blieb stets das gleiche: Es geht um Rohstoffquellen und Einflußsphären. Und es ging darum, den wachsenden internationalen Einfluß des Sozialismus zurückzudrängen und ihn schließlich zu beseitigen. Heute kann es nur noch darum gehen, den Imperialismus zu beseitigen, denn Imperialismus bedeutet Krieg.

Was können wir verändern?

Die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland, mit denen sich ja viele Menschen offenbar schon abgefunden haben, sind also keineswegs der letzte oder denkbar beste Zustand unserer Gesellschaft. Ganz im Gegenteil! Die Konflikte spitzen sich enorm zu. Für die sozialen Probleme gibt es innerhalb dieses Systems keine Lösung. Wenn die Menschheit auf diesem Planten überleben will, so gibt es nur eine einzige Chance – die endgültige Überwindung dieser auf Anarchie und auf imperialistischer Gewalt beruhenden Ausbeuterordnung. Und dazu genügt eben nicht die lapidare Feststellung: „Wir sind die 99 Prozent!“ Denn das ist kein Programm, sondern eine Plattitüde, die niemanden auch nur ansatzweise dazu bewegt, an dieser Situation etwas zu verändern.

Quellen:
[1] Blog modesty: Wir behaupten das Gegenteil.
[2] Otto Reinhold/Karl-Heinz Stiemerling: Pölitische Ökonomie – geschrieben für die Jugend, Dietz Verlag Berlin, 1985, S.33f.
[3] Meyer’s Jugendlexikon, VEB Bibliographisches Institut Leipzig (DDR), 1976, S.339.
[4] ebd.
[5] Reinhold/Stiemerling: a.a.O. S.43.

Was ist politische Ökonomie?

Es ist an der Zeit, sich Gedanken zu machen, warum in unserer Gesellschaft immer wieder neue Krisen auftreten, warum die Widersprüche ständig größer werden und warum es immer wieder neue Auseinandersetzungen und Klassenkämpfe gibt?
Blinde
Die sogenannte „soziale Marktwirtschaft“ (ohnehin ein verlogener Begriff!) ist keineswegs der Weisheit letzter Schluß, ist keineswegs die beste aller möglichen Gesellschaften, ist keineswegs „alternativlos“ – wie uns das die Bourgeoisie so gerne glauben machen will. Was davon heute noch sozial ist, das sind die Errungenschaften aus jener Zeit, als es noch zwei Weltsysteme gab: den realen Sozialismus und den absterbenden Kapitalismus. Nach der zeitweiligen Niederlage des Sozialismus gibt es nunmehr fast nur noch den letzteren. Doch die Demonstrationen zum 1. Mai 2012 in aller Welt bezeugen, daß es nicht nur in der Arbeiterklasse eine große Einigkeit darüber gibt, daß der Kapitalismus ein Auslaufmodell ist. Und wir leben heute im Imperialismus, im brutalsten und letzten Stadium des Kapitalismus. Man muß also verstehen, warum das so ist – und man muß lernen, wie man das verändern kann. Damit es uns nicht so geht, wie den Blinden in Peter Bruegels unvergänglichem Gemälde…

Ist die Wirtschaft durchschaubar?

In der Welt werden gegenwärtig mehrere Millionen verschiedene Erzeugnisse hergestellt. Dazu gehören Schiffe, Flugzeuge, Autos, elektronische Geräte, Software und Tausende kleiner Dinge des täglichen Bedarfs. Die Entwicklungen der letzten 20 Jahre brachten nicht nur gewaltige soziale Veränderungen mit sich, sondern auch einen enormen technischen Aufschwung. Während gleichzeitig jährlich in der Welt über 30 Millionen Kinder verhungern und sogar in einem der reichsten imperialistischen Länder, der BRD, jedes sechste Kind von Kinderarmut betroffen ist. Wie konnte es z.B. sein, daß ein ehemaliger unscheinbarer KGB-Mitarbeiter aus Dresden zum reichsten Mann der Welt mutierte? Vom Tellerwäscher zum Millionär? Nein, nein – das funktioniert nicht! Und warum verschwand die offensichtlich so soziale DDR, und mit ihr alle sozialen Errungenschaften, wie Vollbeschäftigung, kostenlose medizinische Betreuung, vorbildliche Schulbildung, Gleichberechtigung der Frau, geringe Kriminalitätsrate und, und, und? Wenn man Ursachen all dieser Erscheinungen begreifen will, muß man sich mit der politischen Ökonomie befassen.

Womit beschäftigt sich die politische Ökonomie?

Die politische Ökonomie befaßt sich mit den gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen in der materiellen Produktion, mit der Art und Weise der Verteilung und des Austausches sowie mit der Konsumtion und dem Wechselverhältnis dieser Prozesse. Engels gab eine genaue Definition des Gegenstandes der Politischen Ökonomie:
Engels
Wenn von den Gesetzen der Produktion die Rede ist, so geht es nicht um Gesetze der Physik, der Mechanik und andere, soweit sie in der Produktion Anwendung finden. Es handelt sich vielmehr um die gesellschaftlichen Beziehungen, die dabei eingegangen werden, um die Produktionsverhältnisse und deren Wechselbeziehungen zu den Produktivkräften (Abbildung 1). Da sich Produktionsverhältnisse, Produktivkräfte und auch die Wechselbeziehungen zwischen ihnen in den verschiedenen Gesellschaftsformationen unterscheiden, hat sich eine politische Ökonomie des Kapitalismus und eine politische Ökonomie des Sozialismus herausgebildet. Die politische Ökonomie ist einer der drei Bestandteile des Marxismus-Leninismus, der wissenschaftlichen Weltanschauung der Arbeiterklasse. Marx, Engels und Lenin haben der politischen Ökonomie stets besonders große Aufmerksamkeit geschenkt. Lenin bezeichnete die politische Ökonomie als den Hauptinhalt des Marxismus:
Lenin
Marx wies darauf hin, daß die politische Ökonomie eine Wissenschaft ist und daher wie eine Wissenschaft, das heißt sorgfältig studiert werden muß.
MarxHerrschen in der menschlichen Gesellschaft Zufall oder Gesetzmäßigkeit?

Wie in der Naturwissenschaft, so wurde auch für die Wirtschaftswissenschaft seit langer Zeit von fortschrittlichen Denkern die Frage aufgeworfen, durch welche Kräfte, durch welche Gesetze die Entwicklung in der Gesellschaft, speziell in der Wirtschaft, bestimmt und bewegt wird, welche inneren Zusammenhänge bestehen. Können wir Aufgaben und Ziele der wirtschaftlichen Entwicklung einfach festlegen oder müssen wir dabei objektiv wirkende Zusammenhänge, Bedingungen und Gesetzmäßigkeiten berücksichtigen?

Vor mehr als zweihundert Jahren kam man zu dem Ergebnis, daß sich auch die Wirtschaft nach bestimmten Gesetzen entwickelt. Für die Untersuchung der ökonomischen Gesetze und ihre Bewegung haben bürgerliche Ökonomen während der Herausbildung des Kapitalismus einen wichtigen Beitrag geleistet. Aber die Klasseninteressen der Bourgeoisie hinderten sie daran, das Wesen der kapitalistischen Produktionsweise und ihre geschichtlichen Perspektiven aufzudecken. Je mehr sich der Klassenkampf zwischen Arbeiterklasse und Bourgeoisie entwickelte, um so mehr trat an die Stelle der objektiven Forschung die Apologetik, die ausschließliche Verteidigung des Kapitalismus. Marx und Engels schufen – ausgehend von den Interessen der Arbeiterklasse – zum erstenmal in der Geschichte eine politische Ökonomie, in der das Wesen, der Charakter und die Besonderheiten der ökonomischen Gesetze wissenschaftlich begründet wurden. Sie deckten die Rolle der ökonomischen Gesetze für den gesetzmäßigen Verlauf der menschlichen Geschichte auf. Insbesondere untersuchten sie ökonomische Gesetze im Kapitalismus und begründeten die wichtigsten ökonomischen Gesetze des Sozialismus. Von grundlegender Bedeutung ist das Hauptwerk von Marx, »Das Kapital«. Er schrieb, »es ist der letzte Endzweck dieses Werks, das ökonomische Bewegungsgesetz der modernen Gesellschaft zu enthüllen«4 – das war damals die kapitalistische Gesellschaft. Obwohl dieses Werk vor mehr als 100 Jahren geschrieben wurde, sind seine Erkenntnisse nach wie vor Grundlage und Kernstück der marxistisch-leninistischen politischen Ökonomie und Schlüssel für das Verständnis der Wirtschaft.

Zur Erklärung der Begriffe: (Abbildung 1)
Übersicht

Quelle:
Otto Reinhold/Karl-Heinz Stiemerling, Politische Ökonomie – geschrieben für die Jugend, Dietz Verlag Berlin, 1985, S.6-11

Zitate:
1 Friedrich Engels: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft (»Anti-Dührung«). In: MEW, Bd.20, S.139/136.
2 W.I.Lenin: Karl Marx. In: Werke Bd.21, S.48.
3 Karl Marx: Das Kapital, Erster Band. In: MEW, Bd.23, S.31.
4 ebd. S.15/16.

Nachbemerkung:
Wie oft schon wurde versucht, Marx auf den Kopf zu stellen oder zu widerlegen. Doch die Unwissenschaftlichkeit solcher Versuche zeugt nur von mangelhaftem dialektischen Denken oder aber von einer idealistischen Herangehensweise. (siehe: Marxfälscher unserer Zeit) Beides ist nicht zu akzeptieren. Zum Verhältnis der Produktivkräfte zu den Produktionsverhältnissen sagte Karl Marx: „Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein. Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsamer oder rascher um.“ – Karl Marx, Zur Kritik der Politischen Ökonomie. Vorwort, 1859, MEW 13, S.9.
(Marx hatte recht: Da stimmt jedes Wort!)

Siehe:
Stalin: Zehn Fragen – zehn Antworten
Prognosen über die Gesellschaft
Eine interessante Wissenschaft mit revolutionärer Perspektive

Was ist eigentlich Imperialismus?

KriegZunächst: Warum dieses Bild? Der Imperialismus setzt seine Interessen letztlich immer mit brachialer Gewalt durch. Und Kriege sind für ihn immer die Fortsetzung seiner Politik mit gewaltsamen Mitteln.

Schon seit langem versuchen die Apologeten der gegenwärtigen monopolkapitalistischen Gesellschaft mit allen Mitteln, die Lehren des Marxismus-Leninismus zu widerlegen. Wie die Mäuse knabbern sie an jeder nur möglichen Stelle dieser monolithischen Wissenschaft. Mit gelehrten, oft auch recht plausibel erscheinenden Beiträgen, die geschmückt sind mit allerlei Zitaten der Klassiker, und illustriert mit Beispielen aus der Gegenwart, stellen diese Lakaien der Bourgeoisie immer neue Theorien auf, um die Lehre von Marx, Engels und Lenin als überholt darzustellen. Und sie rechnen damit, daß heute kaum noch jemand all die zitierten Werke gelesen hat, oder gar imstande ist, die nachträglich eingebauten Fehler und Fälschungen herauszufinden. Natürlich muß ein marxistischer Wissenschaftler nicht über jedes Stöckchen springen, das ihm von einem unbelehrbaren Trotzkisten (s. jW 29.5.12) hingehalten wird. Doch hin und wieder ist es angebracht, derlei Elaborate dorthin zu verweisen, wo sie hingehören: in die Mülltonne! Über den gegenwärtigen Imperialismus (daran hat sich seit 50 Jahren im wesentlichen nichts geändert) schrieb der sowjetische Ökonom A. Ostrogski folgendes:

Der Imperialismus, seine Hauptmerkmale und Widersprüche

Die Schaffung einer vollständigen und abgeschlossenen Theorie des Imperialismus ist das historische Verdienst der großen revolutionären Denker Lenin und Stalin. Ausgehend von der Marx-Engelsschen Analyse der Grundlagen des Kapitalismus unterzogen Lenin und Stalin die neue Phase in der Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft einer sehr gründlichen und umfassenden Untersuchung. Durch die Schaffung der wissenschaftlichen Theorie des Monopolkapitalismus gaben Lenin und Stalin der Arbeiterklasse eine starke theoretische Waffe für den Kampf um den Sozialismus unter den neuen historischen Bedingungen.

Lenins Werk über den Imperialismus

Das Hauptwerk, das die Lehre vom Imperialismus darlegt, ist das im Jahre 1916 geschriebene und im April 1917 veröffentlichte berühmte Buch W.I. Lenins „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“. Dieses Buch enthält reiches theoretisches und politisch-ökonomisches Material über den Imperialismus. Ehe Lenin diese Arbeit niederschrieb, studierte er die gesamte damals über diese Frage vorhandene Literatur. Das Leninsche Material über den Imperialismus füllt einen ganzen Saal des Moskauer Lenin-Museums. Eine Vorstellung von den umfangreichen Vorstudien Lenins für dieses Werk geben auch seine Hefte über den Imperialismus, von denen jedes 20 bis 25 Druckbogen umfaßt und die zusammen drei Sammelbände füllen.

Eine geniale Fortsetzung der Lehre von Karl Marx

Lenins Buch „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ ist die geniale Fortsetzung des „Kapitals“ von Marx und stellt zugleich eine neue Stufe in der marxistischleninistischen Wissenschaft über die Entwicklungswege des modernen Monopolkapitalismus dar. Lenin zeigte die historische Stellung des Imperialismus als des letzten und höchsten Stadiums im Entwicklungsprozeß des Kapitalismus. Ausgehend von der Manischen Lehre Über die Konzentration und Zentralisation des Kapitals untersuchte Lenin erstmalig die Entwicklungsbedingungen des Kapitalismus in seinem monopolistischen Stadium und wies dabei nach, daß die frühere Entwicklung des Kapitalismus, die sich in der Hauptsache in aufsteigender Linie bewegte, durch eine im wesentlichen absteigende Entwicklungslinie abgelöst wurde, die unter äußerster Verschärfung aller inneren und äußeren Widersprüche zu früher nie dagewesenen Erschütterungen und Katastrophen führt. (Zitat: Stalin [1] )
Zitat
Somit gebührt Lenin das Verdienst, eine neue Epoche in der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft, die Epoche des Imperialismus, entdeckt zu haben, die die Menschheit unvermeidlich einer revolutionären Ablösung der kapitalistischen Ordnung durch die sozialistische Ordnung entgegenführt. Im Lichte dieser gewaltigen Entdeckung Lenins definiert Genosse Stalin den Leninismus als den Marxismus in der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution.

Wie charakterisiert Lenin den Imperialismus?

In seiner Arbeit „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ gab Lenin eine klassische Charakteristik folgender fünf Hauptmerkmale des Imperialismus:
„1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses Finanzkapitals; 3. der Kapitalexport zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Truste begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.“ [2] Die Herrschaft der Monopole ist die erste und wichtigste ökonomische Besonderheit und zugleich auch das tiefste Wesen des Imperialismus.

Bei der Aufdeckung dieses ersten Merkmals des Imperialismus weist Lenin darauf hin, daß der Übergang zur Herrschaft der Monopole ein direktes Ergebnis der weiteren Entwicklung des von Marx im „Kapital“ formulierten Gesetzes über die Konzentration und Zentralisation der Produktion, und „die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist“ [3].

Im Kapitalismus gibt es keinen friedlichen Weg

Die Bildung der Monopole erfolgt nicht auf dem Wege einer friedlichen und glatten Entwicklung des Kapitalismus, wie dies Kautsky und andere Apologeten des Imperialismus darstellen, nicht vermittels freiwilliger Vertrage und Vereinbarungen zwischen den einzelnen Kapitalisten, sondern unter den Bedingungen des schärfsten Kampfes einer Handvoll Großbetriebe um die Herrschaft, wobei sie sich die Mittel- und Kleinbetriebe unterwerfen, sie abwürgen und zugrunde richten. Dies bezieht sich besonders auf die gewaltigen Massen der landwirtschaftlichen Kleinproduzenten. Jede Schwierigkeit in der kapitalistischen Wirtschaft, sei es eine ernste Krise oder eine kleine Stockung in diesem oder jenem Produktionszweig, jede Gelegenheit nützen die Monopolisten aus, um die Klein- und Mittelbetriebe abzuwürgen oder sie in ihre Einflußsphäre einzubeziehen, nachdem sie ihnen ihre frühere Selbständigkeit genommen haben.

„Wir haben es nicht mehr mit dem Konkurrenzkampf kleiner und großer, technisch rückständiger und technisch fortgeschrittener Betriebe zu tun. Durch die Monopolinhaber werden alle diejenigen abgewürgt, die sich dem Monopol, seinem Druck, seiner Willkür nicht unterwerfen.“ (Lenin) [4] Der Entstehungs- und Entwicklungsprozeß der Monopole erfolgt auf dem Wege der gewaltsamen Unterwerfung und des Untergangs hunderter und tausender kleiner und mittlerer Industriebetriebe, auf dem Wege der Erdrosselung und Zugrunderichtung von Millionen Handwerkern in den Städten und von Dutzenden Millionen Bauern wirtschaften auf dem Lande, auf dem Wege der offenen Ausraubung der abhängigen und kolonialen Völker.

Der imperialistische Konkurrenzkampf verschärft sich

Lenin zeigt weiter, daß die Monopole in ihrem Bestreben, das spontane Wirken der Konkurrenz zu überwinden, diese nicht nur nicht abschwächen, sondern sie im Gegenteil in hohem Grade verstärken und verschärfen. „… die Monopole beseitigen nicht die freie Konkurrenz, aus der sie erwachsen, sondern bestehen über und neben ihr fort und erzeugen dadurch eine Reihe besonders krasser und schroffer Widersprüche, Reibungen und Konflikte“.[5] In seinen Arbeiten hebt Lenin ausdrücklich diese äußerst wichtige Besonderheit der Entwicklung des Kapitalismus unter der Herrschaft der Monopole hervor.
In „Materialien zur Revision des Parteiprogramms“ gibt Lenin eine Analyse der äußersten Gegensätzlichkeit des Prozesses der Wechselwirkung zwischen Konkurrenz und Monopol im Imperialismus. „Der Imperialismus kompliziert und verschärft die Widersprüche des Kapitalismus, er ,verknotet’ die Monopole mit der freien Konkurrenz, aber den Austausch, den Markt, die Konkurrenz, die Krisen usw. beseitigen kann der Imperialismus nicht. Der Imperialismus ist der im Ableben begriffene, aber noch nicht abgelebte, der sterbende, aber noch nicht gestorbene Kapitalismus. Nicht reine Monopole, sondern Monopole neben dem Austausch, dem Markt, der Konkurrenz, den Krisen – das ist überhaupt die wesent-lichste Eigenart des Kapitalismus… Gerade diese Verkuppelung der einander wider-sprechenden ,Prinzipien’: Konkurrenz und Monopol, ist für den Imperialismus wesentlich, gerade sie bereitet den Zusammenbruch, d.h. die sozialistische Revolution vor.“ [6]
Manuskript
Lenins Buch „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ liefert reichhaltigstes Tatsachenmaterial für .die Verstärkung der Konzentration der Produktion in allen bedeutenden kapitalistischen Ländern. In den USA zum Beispiel gab es im Jahre 1909 bei einer Gesamtzahl von rund 270.000 Betrieben nur 3.060 Betriebe (1,1 Prozent) mit einer Jahresproduktion von l Million Dollar und darüber. In diesen Betrieben waren 30,5 Prozent aller Arbeiter beschäftigt; sie erzeugten 43,8 Prozent der Bruttoproduktion der gesamten Industrie der USA. In diesem Zusammenhang stellt Lenin fest: „Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe!“ [7] ( … )

Das Finanzkapital

Dieser Prozeß der Verschmelzung von Bankkapital und Industriekapital führt zur Bildung des Finanzkapitals und zu seiner Herrschaft im Imperialismus. Die größten Vertreter des Finanzkapitals in den USA sind heute Morgan, Rockefeller, Mellon, Dupont und einige andere Kapitalisten. Unter der Kontrolle des Bankhauses Morgan in den USA stehen Körperschaften mit einem Gesamtkapital von rund 30 Milliarden Dollar. Die Rockefeller-Gruppe kontrolliert Kapitalien in Höhe von 6,5 Milliarden Dollar, die Mellon-Gruppe in Höhe von 3 Milliarden und Dupont von 2,5 Milliarden Dollar. Die Morgan-Gruppe beherrscht eine Reihe größter Industriemonopole, darunter solche Giganten wie der amerikanische Stahltrust, die allgemeine Automobil-Gesellschaft „General Motors“, die allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft „General Electric“ und andere. Die Rockefeller-Gruppe umfaßt eine große Anzahl verschiedenartiger Betriebe, unter denen der Petroleumtrust „Standard Oil“ an erster Stelle steht. Der Dupont-Gruppe untersteht die Kriegs- und chemische Produktion der USA.

Wie ist eigentlich das Finanzkapital entstanden?

In völliger Übereinstimmung mit dem tatsächlichen Verlauf des Konzentrationsprozesses der Banken charakterisiert Lenin das Finanzkapital als Produkt des Verwachsens von Bankkapital und Industriekapital. Bei der Feststellung der Bedingungen für die Entstehung und Bildung des Finanzkapitals hebt Lenin folgende sehr wichtige Momente hervor: „Konzentration der Produktion, daraus erwachsene Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffes.“ [8]

Die fehlerhafte Theorie von Hilferding

Die streng wissenschaftliche Leninsche Definition des Finanzkapitals und die Charakterisierung seines Entstehungsprozesses unterscheidet sich grundlegend von der opportunistischen Tauschkonzeption im Buche Hilferdings „Das Finanzkapital“. Bei der Behandlung des Entstehungsprozesses des Kapitals verletzt Hilferding gröblich die marxistische Methodologie, indem er das Primat der Produktion in die Zirkulation verlegt.
Die Entstehung und Bildung des Finanzkapitals stellt er als den Prozeß dar, … wie aus den Zirkulationsvorgängen selbst jene Macht erwächst, die als kapitalistischer Kredit schließlich die Herrschaft über die gesellschaftlichen Vorgänge erhält. [9] Diese Verlegung des Primats der Produktion in die Zirkulation bedeutete die Untergrabung des Eckpfeilers der ökonomischen Lehre von Marx – der Theorie vom Mehrwert, laut welcher der Mehrwert im Zirkulationsprozeß nur realisiert und verteilt wird, wahrend er im Produktionsprozeß auf dem Wege der Ausbeutung der Arbeiterklasse gebildet wird. Hilferding bemüht sich so, die Widersprüche zwischen der Arbeiterklasse und der Bourgeoisie zu verwischen und zu vertuschen. Im Gegensatz dazu deckt die Leninsche Analyse über die Bedingungen der Entstehung und Bildung des Finanzkapitals die sich verstärkenden Widersprüche zwischen Bourgeoisie und Proletariat in der Epoche des Imperialismus auf.

In wessen Händen befinden sich die Reichtümer der Gesellschaft?

Lenin zeigt, wie das Anwachsen der Monopole und des Finanzkapitals dazu fuhrt, daß die großen Finanziers und Monopolisten das Schicksal jedes beliebigen kapitalistischen Landes zu beherrschen beginnen. Sie konzentrieren den überwiegenden Teil der Reichtümer der modernen kapitalistischen Gesellschaft in ihren Händen. In den USA zum Beispiel besitzt ein Prozent der Eigentümer 59 Prozent aller Reichtümer des Landes. In England sind in den Händen von 2 Prozent der Eigentümer 64 Prozent der Reichtümer des Landes konzentriert. Die großen Monopolherren halten in Wirklichkeit nicht nur die entscheidenden ökonomischen Positionen in ihrer Hand, sondern sie verfügen auch über eine gewaltige politische Macht, indem sie die Arbeit des Staatsapparats beeinflussen, die Verfassung des Landes, das Justizwesen usw. ihren Interessen anpassen.

Monopole und Banken – und ihre Strohmänner in der Politik

Die heutigen Finanzmagnaten diktieren vermittels ihrer Strohmänner in den Parlamenten und Regierungsorganen die Durchführung einer für sie vorteilhaften Innen- und Außenpolitik, die ihrem Wesen nach selbstverständlich reaktionär ist. Die Innenpolitik ist auf eine verstärkte Ausbeutung der Werktätigen gerichtet und die Außenpolitik auf die Ausraubung der Kolonien und Halbkolonien, auf die Eroberung neuer Absatzmärkte und Rohstoffquellen, auf die Vorbereitung neuer Kriege. „Ist einmal das Monopol zustande gekommen“, sagt Lenin, „und schaltet und waltet es mit Milliarden, so durchdringt es mit absoluter Unvermeidlichkeit alle Gebiete des öffentlichen Lebens, ganz unabhängig von der politischen Struktur und beliebigen anderen ,Details’.“ [10]

Wer beherrscht eigentlich die imperialistische Welt?

Selbst die objektivsten bürgerlichen Journalisten und Schriftsteller sind gezwungen, diese der Herrschaft der Finanzoligarchie entspringende Tatsache zuzugeben. So schrieb zum Beispiel der Autor des Aufsehen erregenden Buches „Die 60 Familien Amerikas“, Lundberg:
„Die USA beherrscht gegenwärtig die Oligarchie der 60 reichsten Familien, die von ca. 90 anderen, weniger reichen Familien unterstützt werden. Diese Oligarchie beherrscht die Vereinigten Staaten unter der bescheidenen Flagge einer demokratischen de-jure-Regierung, hinter der sich eine in vollstem Maße absolutistische und plutokratische de-facto-Regierung, eine Regierung des Geldes und der Dollar-Demokratie verbirgt.“ [11]

Liquidiert werden kann die Macht dieser parasitären Oberschicht der modernen kapitalistischen Gesellschaft nur durch die Machtergreifung der Arbeiterklasse und der werktätigen Massen, sowie durch die Beseitigung der Herrschaft der kapitalistischen Monopole und der mit ihnen verbundenen Gewalt und Unterdrückung.

Quelle:
A.Ostrogski, Der Imperialismus, seine Hauptmerkmale und Widersprüche. Dietz Verlag Berlin, 1951, S.1-11. (Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Zitate:
[1] J. W. Stalin, „Unterredung mit der ersten amerikanischen Arbeiterdelegation“ in W.I. Lenin, Ausgew.Werke in zwei Bänden, Bd.I, Moskau 1946, S.40.
[2] W.I. Lenin, „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ (Abschn.VII), 2.Auflage, Dietz Verlag, Berlin 1950, S.94.
[3] ebd. (Abschn.I), S.22.
[4] ebd. (Abschn.I), S.29.
[5] ebd. (Abschn.VII), S.93.
[6] W.I. Lenin, Sämtliche Werke, Bd. XX, 1.Halbbd., Wien-Berlin 1928, S. 393.
[7] W.I. Lenin, „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ (Abschn.I), S.19.
[8] ebd. (Abschn.III), S.51. Lehrmaterialien, Polit.Ökonomie, Heft 5
[9] Siehe Rudolf Hilferding, „Das Finanzkapital“, Dietz Verlag, Berlin 1947, S.61.
[10] W.L Lenin, „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ (Abschn.III), S.62.
[10] Ferdinand Lundberg, „Die 60 Familien Amerikas“, Amsterdam, 1938, bzw. „America’s Sixty Families“, New York, 1937.

Siehe auch:
Armin Risi, „Untertanen, Obertanen und Hintertanen“

Die schwierige Finanzkrise

KriseDie ökonomischen Probleme in der heutigen monopolkapitalistischen Wirtschaft sind nicht leicht zu verstehen. Die Zusammenhänge zwischen Realwirtschaft und Finanzökonomie sind derart kompliziert geworden und miteinander verflochten, so daß der „Otto-Normal-Verbraucher“ heute kaum noch in der Lage ist, Ursachen und deren Wirkungen voneinander zu unterscheiden, geschweige denn die ihnen zugrunde liegenden ökonomischen Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Gesellschaft zu erkennen. So folgt er zwangsläufig den zumeist irreführenden oder verlogenen Erklärungen der Politiker. Über die Rolle des Geldes im gegenwärtigen Kapitalismus findet man im Lehrheft Politische Ökonomie folgendes:

Die weltweite Expansion des Finanzkapitals

Die strategisch orientierte Organisation und Koordinierung aller kreditschöpfenden und -verteilenden Institutionen ermöglichte eine bedeutende Weiterentwicklung der Vergesellschaftung des Geldkapitals. Das staatsmonopolistische Finanzkapital baute seine Herrschaft über komplexe Reproduktionsprozesse der Gesellschaft aus. Der Prozeß ist noch lange nicht abgeschlossen, seine internationale Dimension wächst, und die Anpassung der Organisationsstrukturen an die Erfordernisse zunehmender Vergesellschaftung geht weiter. In ihn sind die Industriekonzerne genauso eingeschlossen wie die Banken, Versicherungen und Börsen, die Zentralbanken und die Staatshaushalte sowie jene Institutionen, die internationale Leihkapital- und Wertpapiermärkte regulieren.

Die Banken beherrschen den Markt

Unter dem Druck der Umstände hat das Finanzkapital seine Verteilungs- und Umverteilungsmechanismen in der Zirkulation den neuen Reproduktionsbedingungen angepaßt. Marx hob noch hervor, daß der Kredit in der Krise (wenn er am dringendsten gebraucht wird) verschwindet und die Massenzusammenbrüche der Kapitale sich gegenseitig forcieren. Das Finanzkapital dagegen konnte ihn zu Beginn der achtziger Jahre aufgrund seiner entwickelten Mechanismen sprunghaft ausdehnen und damit negative Wirkungen der Krise auf die Kapitalreproduktion über Liquiditätskrisen und Kapitalmangel in Grenzen halten. Bei aller Irrationalität dieses Prozesses – mit der Liquidität der Konzerne und Banken, der Beherrschung der erforderlichen Kapitalwanderungsprozesse und der Verteilung der massenhaften Kapitalentwertung auf die ganze Gesellschaft konnte sich ein hohes Maß an Rationalität in bezug auf die technische und ökonomische Beherrschung der wissenschaftlich-technischen Revolution durch das Kapital durchsetzen. (Das war einmal! Heute überwiegt, unter dem Einfluß von „Bankenrettung“ und drohendem Staatsbankrott, die Irrationalität dieser Prozesse! Die ganze Sinnlosigkeit „regulierender Maßnahmen“ ist schon nicht mehr zu übersehen!)

Eine gewisse Stabilisierung gab es Ende der 80er Jahre

Der Mechanismus der Kreditmobilisierung und seines zentralisierten und strategisch gelenkten Einsatzes als Kapitalkredit ist außerordentlich flexibel und weltweit mittels modernster Technik organisiert. Zum Beispiel dürften die »Finanzinnovationen« der letzten Jahre (unter anderem die Verwandlung langfristig garantierter Kredite in handelbare Wertpapiere) die »Poren« der Kreditzirkulation verdichtet und analog dem Geldumlaufgesetz einen Teil der notwendigen Ausdehnung des Kredits durch Beschleunigung seines Umlaufs abgedeckt haben.

Konsequenzen für die Arbeiterklasse

Der Vergesellschaftungsgrad des Geldkapitals hat mit seiner internationalen Verflechtung eine neue Stufe erreicht. Der Form nach (aber nur der Form nach) verwandelt sich der Kredit als Kapitalkredit heute in einen international organisierten gesellschaftlichen Vorschuß. Er bedeutet einerseits eine Forderung der Gesellschaft an die produzierenden Subjekte und andererseits eine Verpflichtung dieser nicht mehr nur auf gegenseitige Lieferung von Waren, sondern darauf, ihre eigene Entwicklung der der Gesellschaft als Ganzes einzuordnen.

Die Situation eskaliert: Das Finanzkapital unterwirft ganze Staaten seiner Kontrolle

Diese Entwicklung brachte für das Finanzkapital einen bedeutenden Zuwachs an Herrschaft über internationale gesellschaftliche Reproduktionsprozesse und ermöglicht ihre Unterwerfung unter die Mehrwertproduktion. Es wächst daher die Gefahr der Ausnutzung dieser Herrschaft zur Durchsetzung sozialreaktionärer und friedensgefährdender Strategien des Kapitals, in deren Gefolge die globalen Probleme der Menschheitsentwicklung und die Konflikte weltweit eskalieren würden.

…die Chancen für revolutionäre Veränderungen nehmen zu!

Auf der anderen Seite aber wachsen unter dem Druck der inneren Logik der Produktivkraftentwicklung die Chancen für die internationale Arbeiterklasse und die Menschheit, das staatsmonopolistische Kapital zu zwingen, die Lösung der globalen Probleme gemeinsam mit dem Sozialismus in Angriff zu nehmen. In der Durchsetzung dieser Chance liegt der Inhalt des revolutionären Kampfes in der Gegenwart. [1] (Die Lösung der globalen Probleme liegt freilich im Interesse der gesamten Menschheit. Und Tatsache ist, das sozialistische Lager existiert nicht mehr.)

Hier noch ein interessanter Hinweis von modesty auf einen gut verständlichen Vortrag:
Wie kommt es, daß Staaten eigentlich gar nicht pleite gehen können und dann plötzlich doch pleite sind? Warum lassen sich die Banken erst retten, um dann ihre Retter zu ruinieren? Wie funktioniert es eigentlich, daß Geld zu Kredit wird und mit neuen Krediten abgelöst wird? Der Witz dabei ist doch, daß die Banken das Geld ja nicht verleihen, um es eines Tages zurück zu bekommen, sondern um es zu vermehren. Der Vortrag von Prof. Dr. Margaret Wirth (Universität Bremen) zum Thema Finanzkrisen gibt einen guten Überblick. Doch ohne das Studium des „Kapitals“ (von Marx) wird man wohl auch hier kaum weiterkommen…

Quelle:
[1] Autorenkollektiv unter Leitung von Hannelore Riedel, Das Geld im gegenwärtigen Kapitalismus, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1989, S.186f.

Wer beherrscht die monopolkapitalistische Wirtschaft?

Man bezeichnete den 24. Oktober 1929 in den USA als den „schwarzen Donnerstag“. Die Börsenkurse brachen stark ein und viele Anleger waren danach hochverschuldet. Dieser Börsenkrach löste die Weltwirtschaftskrise aus. Wer war schuld an dieser Krise? Waren es habgierige Banker? War es der Staat? Oder handelte es sich hier um einen Geburtsfehler der monopolkapitalistischen Gesellschaft? Wer beherrscht eigentlich die Wirtschaft?
Und wer profitiert davon?

Newyork1929Die neue Rolle der Großbanken

Immer mehr zeigt sich bei der Entwicklung in der monopolkapitalistisch regierten Wirtschaft, welche dominierende Rolle die Banken einnehmen. Lenin hatte bekanntlich angesichts der Verschmelzung von Industrie- und Bankkapital schon 1920 auf die neue Rolle der Banken hingewiesen, indem er schrieb, daß die Banken das Industriekapital in immer größere Abhängigkeit von sich bringen. [1] Dabei werden die tatsächlichen gesellschaftlichen Verhältnisse oft verkehrt, mystifiziert widergespiegelt. Karl Marx nannte das den der Warenproduktion eigenen Fetischismus. [2]

Zentren des Wirtschaftslebens

Das Geldkapital, so schreibt Kurt Gossweiler in seinem Aufsatz „ist der Gott der kapitalistischen Warenwelt. Seine Macht geht über an die Vermittler zwischen Gott (Geld) und der nach Gott dürstenden Welt – an die Banken. Sie werden zum Papst in der verkehrten Welt der kapitalistischen Warenproduktion, in der die Dinge über den Menschen herrschen. Die Vormacht der Banken gegenüber dem Industriekapital im Imperialismus ist weit weniger wunderbar als es die Siege der Päpste über die mittelalterlichen Kaiser waren. Denn ihrer scheinbar irrationalen Macht liegt ganz etwas anderes zugrunde, als es der religiöse Glaube ist, eine Tatsache, die eben bereits erwähnt wurde und die Lenin in die prägnanten Worte faßte: ‚Die Banken sind… die Zentren des modernen Wirtschaftslebens, die wichtigsten Nervenknoten des gesamten kapitalistischen Systems der Volkswirtschaft.’ [3] Diese Rolle müssen die Banken in der hochentwickelten kapitalistischen Warenproduktion, im Imperialismus spielen, können es aber auch nur in ihr.“ (…)

Der bürgerliche Staat als Werkzeug des Finanzkapitals

„Die Unantastbarkeit des kapitalistischen Eigentums an den Produktionsmitteln, soweit es monopolkapitalistisches Eigentum ist, macht es dem kapitalistischen Staat prinzipiell unmöglich, ‚der Wirtschaft’ gegenüber als Planer und Leiter aufzutreten. Wo er sie aufzutreten scheint, tut er es als Instrument, als Werkzeug des Finanzkapitals zur Durchsetzung der ‚Profit-Planung’ der verschiedenen Finanzgruppen, mit den Banken and er Spitze, als staatsmonopolistische Regulierung. Sie, die Banken sind nicht die einzigen, aber die obersten Kommandozentralen des Finanzkapitals.“ (S.227f.)

Es war keine „Machtergreifung“, sondern eine „Übergabe der Macht“

Kurt Gossweiler weist im übrigen darauf hin, daß insbesondere in der ersten Phase der faschistischen Diktatur die Beschäftigung mit der Wirtschaftspolitik des Faschismus in vielerlei Hinsicht wichtig und aktuell ist. Gerade weil, das faschistische Deutschland das erste Modell einer bereits in Friedenszeiten staatsmonopolistisch regulierten Wirtschaft darstellt. Der Terminus einer „nationalsozialistischen Machtergreifung“ – so Kurt Gossweiler – verschleiere den wahren Sachverhalt, nämlich die Übergabe der politischen Macht an die Nazibande durch das deutsche Monopolkapital zur Verwirklichung seiner reaktionären und aggressiven innen- und außenpolitischen Ziele. (S.132)

Zitate:
[1] W.I.Lenin, Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, in Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1960, Bd.22, S.214ff.
[2] K.Marx, Das Kapital, Bd.1, in: Marx/Engels, Werke, Bd.23, Dietz Verlag Berlin, 1962, S.86f.
[3] W.I. Lenin, Die drohende Katastrophe und wie man sie bekämpfen soll, in: Lenin, Werke, Bd.25, Dietz Verlag Berlin, 1960, S.338.

Quelle:
Kurt Gossweiler, Die Rolle der Großbanken im Imperialismus, in: Aufsätze zum Faschismus, Akademie-Verlag Berlin, 1988.