Der politische Mord im Auftrag der Bourgeoisie

1. Beispiele aus der Sowjetunion der 30er Jahre
In dem Dokumentarbericht „Die Große Verschwörung“ von M.Sayers und A.Kahn finden wir zahlreiche Beispiel antikommunstischer Attentate:
Während die russischen Verschwörer noch mit dem Ausbau ihrer verräterischen Beziehungen zu den Vertretern Deutschlands und Japans beschäftigt waren, begann bereits eine neue Phase der Geheimoffensive gegen die Sowjetunion: man ging vom Verrat zum Terror über.

Der Bauleiter war ein deutscher Spion

Im April 1934 meldete sich ein Ingenieur namens Bojarschinow im Büro des Bauleiters des außerordentlich wichtigen Kusnezk-Kohlenbeckens in Sibirien. Er fühlte sich durch seltsame Vorgänge in seiner Abteilung beunruhigt. In der letzten Zeit waren auffallend viel Unfälle, Wetterbrände und Maschinenschäden vorgekommen. Bojarschinow befürchtete Sabotage. Der Bauleiter dankte dem Ingenieur für seine Mitteilungen. »Ich werde diese Angaben an die richtige Stelle weiterleiten«, sagte er. »Inzwischen bewahren Sie strengstes Stillschweigen.« Der Bauleiter war der deutsche Spion und Chef der trotzkistischen Sabotageorganisation in Sibirien, Alexei Schestow. Einige Tage später wurde Bojarschinows Leiche in einem Graben gefunden. Er war auf dem Heimweg an einer einsamen Stelle der Landstraße unter die Räder eines in raschem Tempo fahrenden Lastwagens geraten. Der Chauffeur des Lastwagens war ein berufsmäßiger Terrorist namens Tscherepuchin. Schestow hatte ihm den Auftrag erteilt, Bojarschinow zu ermorden, und ihm 15.000 Rubel dafür bezahlt*.

Molotow sollte ermordet werden

Im September 1934 unternahm W.M. Molotow, der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare der UdSSR, eine Inspektionsreise durch die sibirischen Bergwerks- und Industriegebiete. Auf der Rückfahrt von einem Bergwerk im Kusnezkbecken drehte der Wagen plötzlich von der Straße ab und rollte einen steilen Abhang hinunter. Knapp vor dem Rand einer Schlucht kippte das Auto um. Molotow und seine Begleiter kamen mit dem Schrecken und leichten Quetschungen davon. Sie waren mit knapper Not dem Tod entgangen. Der Garagenleiter des Ortes, Valentin Arnold, hatte den Wagen gelenkt. Arnold war Mitglied der trotzkistischen Terrororganisation. Schestow hatte ihn mit der Ermordung Molotows beauftragt; es war Arnolds Absicht gewesen, einen Autounfall herbeizuführen und sein eigenes Leben bei dem Attentat zu opfern. Aber im letzten Moment verlor er die Nerven und brachte das Auto kurz vor der Stelle, wo der Unfall sich ereignen sollte, zum Stehen.

Sie standen auf Trotzkis Todesliste

Im Herbst 1934 waren die Terrorgruppen der Rechten und Trotzkisten in allen Teilen der Sowjetunion am Werk. Diesen Terrorgruppen gehörten ehemalige Sozialrevolutionäre und Menschewiki, Berufsmörder und frühere Agenten der zaristischen Ochrana an. In der Ukraine und in Bjelorußland, in Georgien und Armenien, in Usbekistan, Aserbeidshan und den Küstenländern des Fernen Ostens wurden sowjetfeindliche Nationalisten und Faschisten für den terroristischen Apparat angeworben. In vielen Orten stand die Tätigkeit dieser Gruppen unter der direkten Aufsicht nazistischer und japanischer Agenten. Die Namen der Sowjetführer, deren Ermordung beschlossene Sache war, wurden in einer Liste zusammengefaßt. An der Spitze dieser Liste stand Josef Stalin. Es folgten Klementi Woroschilow, W.M. Molotow, Sergej Kirow, Lasar Kaganowitsch, Andrej Shdanow, Wjatscheslaw Menschinski, Maxim Gorki und Valerian Kuibyschew. Leo Trotzki wies in regelmäßigen Schreiben an die Terroristen immer wieder auf die dringende Notwendigkeit hin, die sowjetischen Führer zu beseitigen.

* Das Geld, das der Mörder Bojarschinows von Schestow erhielt, stammte aus einem Geheimfonds von 164.600 Rubel, die trotzkistische Terroristen unter Schestows Anleitung aus der Staatsbank von Ansherka entwendet hatten. Der Fonds war für die Finanzierung von Sabotage- und Terrorakten in Sibirien bestimmt.

Quelle:
Michael Sayers, Albert Kahn, Die Große Verschwörung, Verlag Volk und Welt, Berlin, 1953, S.260ff.

2. Weitere Beispiele aus der Zeit der Entartung der Sowjetunion, insbesondere nach dem Tode Stalins und mit der Machtübernahme durch den Antikommunisten Chruschtschow
Der Historiker Dr.Kurt Gossweiler dokumentiert in seinem Buch „Die Taubenfußchronik oder Die Chruschtaschowiade 1953 bis 1964“ eine Reihe politischer Morde, deren Auftraggeber nie gefunden wurden, und bei denen die Umstände des Todes mysteriös waren. Nicht nur im Umfeld Chruschtschows, sondern seit langem auch bei den Nazis und in der CIA gab es bekanntlich Spezialisten der Verschleierung. Auch heute bedient sich die Bourgeoisie solcher Methoden, um Kommunisten möglichst spurlos zu beseitigen. Warum gerade die? Weil gerade die Kommunisten nicht erst seit Lenin mutig dafür kämpfen, daß die Machenschaften, Intrigen und Verbrechen der Bourgeoisie und ihrer Handlanger rückhaltlos aufgedeckt werden. Kurt Gossweiler schreibt:

Das „Neue Deutschland“ vom 4.4.1979 berichtet: „Die CIA experimentierte mit ‚unverdächtigen Todesarten‘. Der USA-Geheimdienst CIA hat in den 50er Jahren mit ‚unverdächtigen Todesarten‘ zur Beseitigung unliebsamer Politiker experimentiert. Es war beabsichtigt, die CIA-Morde wie ’natürliche Todesfälle‘ mit den Symptomen von Krebs oder Herzattacken erscheinen zu lassen. Das geht aus den CIA-Akten hervor, deren Herausgabe vom Washingtoner Büro für Attentatsinformationen gerichtlich erzwungen worden war.“

Die „plötzlichen und unerwarteten“ Todesfälle

Als ich auf der Antifa-Schule in der Sowjetunion (1943-1947) in den Materialien der heute nur noch als „Schauprozesse“ bezeichneten Gerichtsverhandlungen las, daß Gorki und andere von Ärzten durch falsche Behandlung todkuriert worden seien, hielt ich das in der Tat für eine unglaubwürdige Konstruktion der Anklage. Aber damals wußte ich noch nichts von der Tatsache, daß auch die Medizin und die Mediziner ihre Rolle spielten, nicht nur bei Hofintrigen an feudalen Fürstenhäusern, sondern auch im Klassenkampf, wie die obigen Beispiele belegen. Damals konnte ich auch nicht voraussehen, was mich nachträglich davon überzeugen würde, daß die damaligen Prozeß-Feststellungen über die medizinische Ermordung unbequemer Persönlichkeiten verdienen, nicht einfach als stalinistische Erfindungen vom Tisch gewischt zu werden, nämlich die Serie von „plötzlichen und unerwarteten“ Todesfällen, durch die merkwürdigerweise gerade jene kommunistischen Führer „ausgeschaltet“ wurden, die den Imperialisten, aber auch der neuen Moskauer Führung besonders im Wege standen: Gottwald 1953, Bierut 1956, Thorez 1964 und kurz danach, ebenfalls 1964, Togliatti. Die Umstände ihres Todes sind mysteriös und bis heute ungeklärt. Gemeinsam ist ihnen jedoch, daß der Tod die Genannten ereilte, als sie die Sowjetunion besuchten oder gerade von einem solchen Besuch zurückgekehrt waren.

Quelle:
Kurt Gossweiler, Die Taubenfußchronik oder Die Chruschtaschowiade 1953 bis 1964, Verlag zur Förderung der wissenschaftlichen Weltanschauung ? Stefan Eggerdinger Verlag, München, 2002, Bd.1, S. 381ff.

(Zwischenüberschriften von mir – N.G.)

Siehe auch:
Wurden Stalin, Gottwald, Bierut, Thorez und Togliatti von Chruschtschows Killern ermordet?

* * *

Ein seltsamer Tod
89239-kProf.Dr.jur. W.I.Iljuchin

In der Nacht vom 19. zum 20.März 2011 verstarb plötzlich und unerwartet der Chefankläger des Militärtribunals ehemaliger sowjetischer Offiziere gegen W.Putin, der Abgeordnete der Staatsduma, das Mitglied des ZK der KPRF, der verdiente Jurist Prof. Dr.jur. W.I. Iljuchin, nach der offiziellen Version an akutem Herzversagen. Die Schnelle Medizinische Hilfe war nicht rechtzeitig erschienen. Ein seltsamer Tod, wenn man den guten physischen Zustand W.I. Iljuchins berücksichtigt und die von ihm veröffentlichten Pläne, die Tätigkeit des öffentlichen Tribunals ehemaliger Sowjetischer Offiziere über die Machenschaften Putins, die Aufdeckung der Fälschungen in der Katyner Sache und über den Molotow-Ribbentrop-Pakt fortzusetzen…

Quelle:
http://kprf.ru/ (22.3.2011)

Siehe auch:
Prof. Iljuchin: Fälscher im russischen Staatsarchiv
Vor einem Jahr wurde Prof.Iljuchin ermordet
Auftragsmord (Made by CIA)

Stalin ist der Prüfstein !

Stalin

Wladimir K.*

Hinzufügung:
Allerdings gibt es keinen Unterschied zwischen einem Antikommunisten und einem Trotzkisten. Die Anhänger von L.Trotzki haben sich zeitweise als „Kommunisten“ verkleidet. In Wahrheit entwickelte Trotzki nicht nur insgeheim, sondern immer mehr offen eine feindliche Wühltätigkeit gegen Lenin und gegen die Sowjetunion.
In Meyer’s Lexikon (Leipzig/DDR, 1980)lesen wir dazu:

Trotzki, Lew, 1879-1940 (ermordet), Sowjet. Politiker; 1917 Mitgl. der SDAPR( B ); danach in verschiedenen führenden Funktionen; entwickelte sich immer mehr zum offenen Gegner der Leninschen Politik, 1927 wegen antisowjetische Wühltätigkeit aus der KPdSU( B ) ausgeschlossen, 1929 aus der UdSSR ausgewiesen. Trotzkis Theorien sind Grundlage des Trotzkismus.

Trotzkismus: dem Marxismus-Leninismus feindliche, antisowjetische, politisch-ideologisch kleinbürgerliche Strömung; benannt nach L. Trotzki; gekennzeichnet durch Unglaube an die Kraft der Arbeiterklasse, linksradikales Abenteurertum u. pseudorevolutionäre linksopportunistische Politik; bekämpfte den Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion u. die Politik der Kommunist. Internationale. Der heutige Trotzkismus dient dem Imperialismus, indem er auf die Spaltung der Arbeiterbewegung abzielt, Antisowjetismus betreibt, sowie gegen die Außenpolitik der Sozialist. Staaten u. der kommunistischen Parteien, gegen die Politik der friedlichen Koexistenz u. den Aufbau des Sozialismus u. Kommunismus auftritt.

Und im Kleinen Politischen Wörterbuch (Berlin/DDR, 1967) steht über den Begriff des
Revisionismus: antimarxistische Strömung in der internationalen Arbeiterbewegung … Der Revisionismus fordert eine Korrektur und Überprüfung der theoretischen und politischen Grundlagen des Marxismus mit dem Ziel, den revolutionären Inhalt des Marxismus zu beseitigen und durch bürgerliche Theorien zu ersetzen.

Siehe dazu auch:
1) Ljubow Pribytkowa: … und wieder mal über Stalin
2) Die Lüge von den Stalinschen Massenmorden
3) Der sowjetfeindliche Verschwörer Trotzki
4) Trotzki verrät die junge Sowjetmacht
5) …ausgerechnet Trotzki verteidigt Luxemburg
6) Der Bruch in der kommunistischen Bewegung
7) Das Wesen des Revisionismus

* Dies ist ein Zitat eines sowjetischen Kommunisten.

Ist die Welt veränderbar?

Rosa Luxemburg wurde am 5.März 1871 in einer polnischen Kleinstadt geboren. Ihre Kindheitseindrücke waren später bestimmend für ihr Leben des Kampfes gegen die Unterdrückung. Durch ihr Studium der Nationalökonomie, das ihr nur im Ausland möglich war, konnte sie sich umfangreiche wissenschaftliche Kenntnisse über die Bewegungsgesetze der modernen Gesellschaft aneignen. Folgerichtig beteiligte sie sich schon in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts aktiv am Kampf gegen den aufkommenden Imperialismus. Auch wenn ihre Erkenntnisse und praktischen Schlußfolgerungen weit hinter denen W.I.Lenins zurückblieben, so war sie doch „der beste marxistische Kopf Westeuropas“ (1), und sie erwarb sich unsterbliche Verdienste. Wegen einer kurz vor dem 1.Weltkrieg gegen Soldatenmißhandlungen gehaltenen Rede wurde sie ins Gefängnis geworfen. Am 15. Januar 1919 wurde Rosa Luxemburg von vertierten Landsknechten der der Reaktion ermordet.

In ihren Briefen aus dem Gefängnis schrieb sie an Sophie Liebknecht:
„Wissen Sie, Sonitschka, je länger das dauert und je mehr das Niederträchtige und Ungeheuerliche, das jeden Tag passiert, alle Grenzen und Maße übersteigt, um so ruhiger und fester werde ich, wie man gegenüber einem Element, einem Buran, einer Wasserflut, einer Sonnenfinsternis, nicht sittliche Maßstäbe anwenden kann, sondern sie nur als etwas Gegebenes, als Gegenstand der Forschung und Erkenntnis betrachten muß.“ (2)
LuxemburgSie schrieb das im Jahre 1917. Es war das Jahr der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution! Ein Tsunami ist für die Betroffenen sicherlich etwas Furchtbares. Doch im Gegensatz zu Naturkatastrophen sind menschliche Katastrophen unmittelbar auf menschliches Handeln zurückzuführen, und sind also vermeidbar. Dazu schrieb W.I.Lenin bereits 1894:

„Die Idee des Determinismus, die die Notwendigkeit der menschlichen Handlungen feststellt und die unsinnige Fabel von der Willensfreiheit zurückweist, verwirft damit keineswegs die Vernunft, das Gewissen des Menschen oder eine Bewertung seines Handelns. Ganz im Gegenteil, nur die deterministische Auffassung gestattet eine strenge und richtige Bewertung und schließt aus, daß alles mögliche auf den freien Willen abgewälzt wird. Desgleichen schmälert die Idee der historischen Notwendigkeit auch die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte nicht im mindesten: alle Geschichte stellt sich gerade als die Gesamtheit der Handlungen von Personen dar, die zweifellos Handelnde sind.

Die eigentliche Frage bei der Beurteilung der öffentlichen Tätigkeit einer Persönlichkeit lautet: Unter welchen Bedingungen ist dieser Tätigkeit ein Erfolg gesichert? Wodurch wird garantiert, daß diese Tätigkeit kein vereinzelter Akt bleibt, der in einem Meer entgegengesetzter Akte untergeht? Gerade darauf läuft denn auch die Frage hinaus, die die Sozialdemokraten anders als die übrigen russischen Sozialisten lösen: Auf welche Weise soll die auf die Verwirklichung der sozialistischen Ordnung gerichtete Tätigkeit die Massen heranziehen, damit sie handgreifliche Erfolge zeitige?“ (3)

Quelle:
(1) Rosa Luxemburg, Briefe aus dem Gefängnis, Dietz Verlag Berlin, 1950, S.5.
(2) ebd. S.48.
(3) W.I.Lenin, Was sind die „Volksfreunde“, und wie kämpfen sie gegen die Sozialdemokraten?, In: W.I.Lenin, Ausgew.Werke in 6 Bänden, Bd.1, S.42.

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Nachbemerkung:
Auch wenn die Feststellungen von R.Luxemburg (s.o.) heute sehr zutreffend sind, so will das nicht heißen, daß damit ihre Kritik an Lenin gebilligt sei. Die deutsche Sozialdemokratie hat (ebenso wie die sog. „PDS/PDL-Linke“ heute) der konterrevolutionären Bourgeoisie eine Reihe von taktischen Waffen geliefert. Daß ausgerechnet Trotzki die Luxemburg verteidigt, will etwas heißen! Hier ein interessantes Zitat:

Stalin SchmugglerQuelle:
J.W.Stalin, Über einige Fragen der Geschichte des Bolschwismus, In: J.Stalin, Werke Bd.13, Dietz Verlag, Berlin (DDR), 1955, S.89.

(Danke an Nadja für den Hinweis!)

Siehe auch:
Über die „Freiheit der Andersdenkenden“

Der sowjetfeindliche Verschwörer Trotzki

Eine durchaus interessante Lektüre ist das Buch von Michael Sayers und Albert E. Kahn „Die Große Verschwörung“, das sehr eindringlich die Rolle der sowjetfeindlichen Verschwörer um L.Trotzki beschreibt. Dieses Buch erschien erstmals 1946 in den USA unter dem Titel „The Great Conspiracy against Russia“. Und der Senator des US-Staates Florida schrieb in seinem Vorwort: „Ich kenne keinen wertvolleren Beitrag zur Erhaltung des Weltfriedens … Wir alle schulden den Verfassern Dank für diesen erschütternden, von tragischem Geschehen erfüllten Bericht.“

Wer dagegen heute (wie jene trotzkistischen Linken) argumentiert, daß beispielsweise die Ankläger in den Gerichtsprozessen gegen die Feinde der Sowjetunion unter Stalin angeblich „nicht vor den absurdesten und dümmsten Anschuldigungen zurückschreckten“, der verschweigt bewußt die zu jener Zeit bereits bekannten Tatsachen. Die Machenschaften der Trotzkisten richteten sich hauptsächlich gegen Lenin und später gegen Stalin. Auch heute wird wieder versucht, die verräterische Rolle dieser sowjetfeindlichen Gruppe zu rechfertigen und Stalin (wie auch schon Chruschtschow es tat) als skrupellosen Mörder hinzustellen. Hier ein Auszug aus diesem Buch:

Der Kampf um die Macht

Unmittelbar nach Lenins Tod machte Trotzki seine Machtansprüche mit aller Offenheit geltend. Auf dem Parteitag vom Mai 1924 forderte er, daß nicht Stalin, sondern er selbst als Nachfolger Lenins anerkannt werde. Gegen den Rat seiner eigenen Verbündeten setzte er eine Abstimmung durch. Die 748 bolschewistischen Delegierten beschlossen einmütig, Stalin als Generalsekretär beizubehalten, und sprachen damit das Urteil über Trotzkis persönliche Ambitionen. Die Ablehnung war so eindeutig, daß selbst Bucharin, Sinowjew und Kamenew sich öffentlich der Majorität anschließen und gegen ihn stimmen mußten. Trotzki war wütend und beschuldigte sie des »Verrates«. Aber schon nach wenigen Monaten vereinigten Trotzki und Sinowjew wiederum ihre Kräfte, um eine »Neue Opposition« ins Leben zu rufen.

Eine trotzkistische Geheimarmee

Die Neue Opposition ging in ihrer Zielsetzung weiter als alle früheren separatistischen Gruppen dieser Art. Sie sprach offen die Forderung nach einer »neuen Führerschaft« für die Sowjetunion aus und versuchte durch eine großangelegte Propaganda alle unzufriedenen und leicht beeinflußbaren Elemente des Volkes zum politischen Kampf gegen die Sowjetregierung aufzurufen. Trotzki selbst schrieb später: »Im Kielwasser dieser Avantgarde schleppte sich eine Schar unzufriedener, heruntergekommener, verunglückter Existenzen nach.« Spione, Saboteure der Torgprom, Weiße Gegenrevolutionäre und Terroristen füllten die Geheimzellen der Neuen Opposition. Die Zellen begannen Waffenlager anzulegen. Eine regelrechte trotzkistische Geheimarmee war im Entstehen. Trotzki hielt in seiner Selbstbiographie die Worte fest, die er damals zu Sinowjew und Kamenew sprach: »Wir müssen weit vorausdenken. Wir müssen uns auf einen langen, schweren Kampf vorbereiten.«
Trotzki_Kamenjew_SinowjewTrotzki, Kamenjew und Sinowjew

Kooperation mit dem englischen Geheimdienst

Hauptmann Sidney George Reilly vom englischen Geheimdienst gewann vom Ausland her den Eindruck, daß der Augenblick zum Handeln gekommen war. Im Sommer des Jahres 1924 wurde der in englischen Diensten stehende Anwärter auf die Diktatur, Boris Sawinkow, in die Sowjetunion geschickt, um den gegenrevolutionären Aufstand vorzubereiten. Winston Churchill, der in diesem Komplott eine wichtige Rolle spielte, bestätigte, daß eine geheime Verbindung zwischen Trotzki und Sawinkow bestand. In seinem Buch »Great Contemporaries« heißt es: »Im Juni 1924 wurde er (Sawinkow) von Kamenew und Trotzki nachdrücklich aufgefordert, nach Rußland zurückzukehren.«

Trotzkis Freund Rakowski

Im gleichen Jahr ging Trotzkis Anhänger Christian Rakowski als Botschafter der Sowjetunion nach England. Trotzki bezeichnete ihn 1937 als seinen Freund, seinen »wahrhaften, alten Freund«. Kurz nach Rakowskis Ankunft in London erschienen in seinem Büro zwei Offiziere des britischen Geheimdienstes, Hauptmann Armstrong und Hauptmann Lockhart. Die britische Regierung hatte sich ursprünglich gegen die Entsendung eines sowjetischen Vertreters nach London ausgesprochen. Die beiden Offiziere gaben Rakowski nach dessen eigenen Worten folgende Erklärung: »Wissen Sie, warum Ihr Agrément für England erteilt wurde? Wir haben uns bei Mr. Eastman über Sie erkundigt. Er sagte uns, daß Sie Trotzkis Gruppe angehören und mit ihm befreundet sind. Einzig und allein aus diesem Grunde hat der Geheimdienst Ihre Akkreditierung bewilligt.« [1]
Rakowski_und_Trotzki_circa_1924Rakowski und Trotzki (um 1924)

Einige Monate später kehrte Rakowski nach Moskau zurück und berichtete Trotzki über seine Londoner Erlebnisse. Der englische Geheimdienst wünsche — ebenso wie der deutsche — mit der Opposition in Verbindung zu treten. »Darüber muß man nachdenken«, sagte Trotzki. Nach einigen Tagen beauftragte er Rakowski, die »Verbindung mit dem britischen Geheimdienst herzustellen«. Hauptmann Reilly schrieb während der Vorbereitung seines letzten Coups gegen die Sowjetunion an seine Frau: »In Rußland ist tatsächlich etwas ganz Neues, Starkes und Bemerkenswertes im Gange.« Er hatte damals von seinem Agenten, dem englischen Konsulatsbeamten Commander E., Nachrichten über die Fühlungnahme mit der Oppositionsbewegung erhalten. Aber im Herbst wurde er bei dem Versuch, auf sowjetischem Gebiet mit Führern der Opposition zusammenzutreffen, von einer russischen Grenzwache erschossen.

Trotzki reist nach Deutschland

Wenige Monate nach Reillys Tod begann Trotzki, wie er später in »Mein Leben« schrieb, an einer »mysteriösen fieberhaften Erkrankung« zu leiden. Da »die Moskauer Ärzte nicht imstande waren, die Ursache der Krankheit festzustellen«, beschloß Trotzki, nach Deutschland zu fahren. In Berlin begab sich Trotzki in eine Privatklinik; dort besuchte ihn Nikolai Krestinski, der die Verbindung mit dem deutschen Geheimdienst herstellte. Eines Tages, als Trotzki und Krestinski gerade wieder miteinander konferierten, erschien nach Trotzkis Bericht plötzlich ein deutscher »Polizeiinspektor« in der Klinik; er ordnete besondere Sicherheitsmaßnahmen an, da die deutsche Geheimpolizei soeben einem Mordkomplott gegen Trotzki auf die Spur gekommen sei. Durch diesen uralten Trick wurde eine stundenlange ungestörte Aussprache zwischen Trotzki und den Vertretern der deutschen Geheimpolizei ermöglicht…

General von Seeckt unterstützt die Konterrevolution

Im Sommer dieses Jahres traf Trotzki ein neues Abkommen mit dem deutschen Geheimdienst, dessen Einzelheiten später von Krestinski bekanntgegeben wurden: »Damals hatten wir uns bereits daran gewöhnt, regelmäßig Beträge in guter Valuta zu erhalten … Diese Gelder wurden auf unsere verschiedenen Organisationen im Ausland verteilt und dienten der Verbreitung trotzkistischer Literatur und ähnlichen Zwecken. Im Jahr 1926, zur Zeit, als der Kampf der Trotzkisten gegen die Parteileitung den Höhepunkt erreichte, richtete Seeckt an uns die Aufforderung, ihm unsere bisher nur sporadischen Spionageberichte von nun an in regelmäßigen Abständen zu übermitteln. SeecktGeneral von Seeckt

Außerdem sollte die trotzkistische Organisation sich dafür verbürgen, daß eine künftige trotzkistische Regierung, die im Falle eines neuerlichen Weltkrieges möglicherweise zur Macht gelangen könnte, die gerechten Forderungen der deutschen Bourgeoisie berücksichtigen würde. Es handelte sich hierbei in erster Linie um die Erteilung von Konzessionen und um sonstige Abkommen. Trotzki ermächtigte mich, auf General Seeckts Vorschläge einzugehen. Wir beschränkten uns nicht mehr wie früher auf gelegentliche Informationen, sondern richteten einen systematischen Nachrichtendienst ein. Über das Nachkriegsabkommen wurde eine mündliche Vereinbarung getroffen. … Die Geldzuwendungen dauerten an. Von 1923 bis 1930 erhielten wir jährlich 250.000 Goldmark, insgesamt etwa 2 Millionen Goldmark.«

Trotzki greift nach der Macht

Nach seiner Rückkehr aus Deutschland leitete Trotzki eine Großoffensive gegen die sowjetische Führerschaft ein. »Der Kampf in der russischen Partei wurde im Jahre 1926 immer schärfer«, schreibt Trotzki in »Mein Leben«. »Im Herbst machte die Opposition in den Versammlungen der Parteizellen einen offenen Ausfall.« Aber diese Taktik hatte keinen Erfolg. Weite Kreise der Arbeiterschaft gaben ihrer Entrüstung, über die Spaltungsversuche der Trotzkisten Ausdruck. »Die Opposition«, schrieb Trotzki, »sah sich genötigt, den Rückzug anzutreten.«

Stalin erkannte die verräterische Rolle Trotzkis

Als sich die Kriegsgefahr im Sommer 1927 über der Sowjetunion zusammenzog, nahm Trotzki seine Angriffe gegen die Sowjetregierung wieder auf. Er gab in Moskau folgende öffentliche Erklärung ab: »Wir müssen die Taktik Clemenceaus erneuern, der sich bekanntlich zu einer Zeit, wo die Deutschen 80 Kilometer von Paris entfernt waren, gegen die französische Regierung auflehnte!« Stalin bezeichnete Trotzki als Verräter. Er sagte: »Eine Art Einheitsfront von Chamberlain [2] bis Trotzki ist im Entstehen.« Auch diesmal kam es zu einer Abstimmung über Trotzki und seine Oppositionsbewegung. Eine allgemeine Diskussion ergab, daß die überwältigende Mehrheit der bolschewistischen Parteimitglieder die trotzkistische Opposition ablehnte und der Führung Stalins Gefolgschaft leistete. Das Stimmenverhältnis war 740.000 zu 4.000. [3]
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Anmerkungen:
[1] Diese Erklärung gab Rakowski während der Zeugenvernehmung vor dem Militärkollegium des Obersten Gerichtshofes der UdSSR im März 1938 ab. In der Zeit, von der Rakowski spricht, das heißt in den zwanziger Jahren, war der amerikanische Schriftsteller und Journalist Max Eastman Trotzkis offizieller Übersetzer und einer der wichtigsten Verbreiter trotzkistischer Propaganda in den Vereinigten Staaten. Eastman war der erste, der das sogenannte »Lenin-Testament« veröffentlichte, ein angeblich authentisches Dokument aus dem Jahr 1923. Trotzki gab zu, daß Lenin kein Testament hinterlassen hatte. In einem Brief an den »New York Daily Worker« vom 8. August 1925 schrieb er: »Lenin hat kein Testament hinterlassen. Sowohl der Charakter seiner Beziehung zur Partei wie der Charakter der Partei selbst machen ein solches ‚Testament‘ völlig unmöglich. Die Presse der Emigration, der ausländischen Bourgeoisie und der Menschewiki hat immer wieder einen (völlig verstümmelten) Brief Lenins, der eine Anzahl von Ratschlägen über organisatorische Fragen enthält, fälschlich in der Form eines ‚Testaments‘ veröffentlicht. Alles Gerede über die Geheimhaltung und Übertretung eines ‚Testaments‘ ist böswillige Erfindung, die sich gegen die wahren Absichten Lenins und die Interessen der von ihm geschaffenen Partei richtet.« Trotzdem zitierten die trotzkistischen Propagandisten das Testament Lenins bis heute als authentisches Dokument, in dem Lenin Trotzki zu seinem Nachfolger bestimmte.
[2] Der damals amtierende englische Außenminister, ein erbitterter Feind der Sowjetunion.
[3] Die Opposition brachte es im Verlauf ihrer Agitation nie zu einer höheren Stimmenzahl als 4.000. Obwohl die Partei die Bildung von »Fraktionen« untersagte und offiziell auf der revolutionären Einheit als der Grundlage der asowjetischen Innenpolitik bestand, gewährte die Sowjetregierung der trotzkistischen Opposition ein erstaunliches Maß von Rede- und Versammlungsfreiheit. Besonders in der Zeit nach Lenins Tod, als das Land eine innen- und außenpolitische Krise durchmachte, war es Trotzki möglich, diese Lage auszubauen, um seine Grunppe zu einer Massenbewegung auszubauen. Die Opposition spielte in ihrer öffentlichen Propaganda jedes nur denkbare politische Argument gegen das Sowjetregime aus. Die Wirtschafts- und Sozialpolitik der Stalin-Verwaltung wurde ständig kritisiert. Die trotzkistische Agitation wurde trotzdem erst von dem Augenblick an unterdrückt, als die Sowjetfeindlichkeit und die Verbindung mit anderen sowjetfeindlichen Kräften einwandfrei erwiesen war.

Quelle:
M.Sayers/A.E.Kahn, Die große Verschwörung, Verlag Volk und Welt, Berlin (DDR), 1953, S.215-220 (Zwischenüberschriften von mir – N.G.)

siehe auch:
Trotzki verrät die junge Sowjetmacht
Feinde im eigenen Land: Trotzkis Sabotage im Kusnezker Hüttenwerk

Trotzki verrät die junge Sowjetmacht

Wir schreiben das Jahr 1918. Gerade hatte die Oktoberrevolution gesiegt, und die junge Sowjetmacht mußte sich schützen, so gut es ging. Die Feindseligkeit der Alliierten hatte sie in eine isolierte Stellung gedrängt. Ihre schwachen Kräfte reichten nicht aus, um der gewaltigen deutschen Heeresmacht ohne Verbündete entgegenzutreten. Und die unmittelbarste Bedrohung ging von Deutschland aus. Um Rußland zu retten und Zeit für die dringendste Aufbauarbeit zu gewinnen, schlug Lenin ein sofortiges Friedensangebot vor. Auf Lenins Wunsch reiste sofort eine sowjetische Friedensdelegation nach Brest-Litowsk, dem Hauptquartier der deutschen Ostarmee, um die Friedensbedingungen der Deutschen kennenzulernen…

Trotzki läßt die Friedensverhandlungen platzen

Die Opposition gegen Lenin wurde von dem ehrgeizigen Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten, Leo Trotzki, geführt, der sich als Lenins Nachfolger dünkte. Vierzehn Jahrelang war Trotzki ein erbitterter Feind der Bolschewiki gewesen, bis er schließlich wenige Monate vor der Oktoberrevolution, im August 1917, Lenins Partei beitrat und mit ihr zur Macht gelangte. Jetzt organisierte Trotzki innerhalb der bolschewistischen Partei eine Linksopposition.
Trotzki_DelegationEine Delegation unter Leitung von Trotzki reist nach Brest-Litowsk

Trotzki hatte von Lenin den ausdrücklichen Auftrag erhalten, in Brest-Litowsk zu unterzeichnen. Statt dessen forderte Trotzki das europäische Proletariat mit flammenden Worten auf, sich zu erheben und seine Regierungen zu stürzen. Die Sowjetregierung, erklärte er, würde um keinen Preis mit einem kapitalistischen Regime Frieden machen. »Weder Frieden noch Krieg!« rief Trotzki aus. Er sagte den Deutschen, die russische Armee werde weiter demobilisieren, aber er lehnte es ab, den Frieden zu unterzeichnen. Lenin kritisierte scharf Trotzkis Verhalten in Brest-Litowsk und bezeichnete seine Vorschläge — »Abbruch des Krieges, Ablehnung eines Friedensschlusses und Demobilisierung der Armee« — als »Wahnsinn oder etwas Ärgeres als Wahnsinn«.

Ein britischer Agent versucht die Bolschewiki zu spalten

Bruce Lockhart war ein Produkt der exklusiven englischen „Public-School“-Erziehung. Mit 24 Jahren trat er in den diplomatischen Dienst ein. Er war hübsch und intelligent und galt nach kurzer Zeit als einer der begabtesten und meistversprechenden jungen Leute des britischen Außenamtes.
Bruce_Lockhart
Mit 30 Jahren war er Vizekonsul in Moskau. Er sprach fließend Russisch und kannte alle Intrigen und Einzelheiten der russischen Politik. Zugleich war er Agent des englischen diplomatischen Geheimdienstes. Inoffiziell hatte er die Aufgabe, die innerhalb der Sowjetregierung bestehende Opposition für die britischen Interessen auszunutzen. Als Lockhart Anfang 1918 in Petrograd eintraf, weilte Trotzki als Führer der sowjetischen Friedensdelegation in Brest-Litowsk.

Lockhart enthüllte später in seinen Memoiren »British Agent«(1), daß man sich im englischen Außenamt für diese Mißstimmigkeiten zwischen Lenin und Trotzki außerordentlich interessierte — »Mißstimmigkeiten, von denen sich unsere Regierung sehr viel erhoffte.« Trotzkis Verhalten verursachte den Zusammenbruch der Friedensverhandlungen. Das deutsche Oberkommando ging von Anfang an widerstrebend auf die Verhandlungen mit den Bolschewiki ein. Trotzki spielte nach Lenins Aussage den Deutschen in die Hand und »half den deutschen Imperialisten«.(2)

Die gewaltige deutsche Heeresmacht greift an

Zehn Tage nach dem Abbruch der Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk begann das deutsche Oberkommando an der Ostfront eine Generaloffensive von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer. Im Süden überfluteten die deutschen Armeen die Ukraine. Im Mittelabschnitt wurde der Angriff durch Polen gegen Moskau vorgetragen. Narwa fiel im Norden, Petrograd war bedroht. An allen Teilen der Front brachen die letzten Überreste der alten russischen Armee auseinander. Das neue Rußland schien dem Untergang geweiht.
Donezk1918Eine Abteilung von Arbeitern aus dem Donezkgebiet im Kampf gegen die deutschen Interventen in der Nähe der Ortschaft Gundorowski 1918

Da strömten aus den Städten die in aller Eile von den bolschewistischen Führern mobilisierten bewaffneten Arbeiter und Rotgardisten herbei. Die aus ihren Reihen gebildeten Regimenter warfen sich dem Ansturm des Feindes entgegen. Die ersten Einheiten der Roten Armee wurden eingesetzt. Am 23. Februar 1918 gelang es, den deutschen Angriff bei Pskow zum Stillstand zu bringen.(3) Petrograd war nicht mehr unmittelbar bedroht. Wieder begab sich eine sowjetische Friedensdelegation nach Brest-Litowsk — diesmal ohne Trotzki.

Quelle:
M.Sayers – A.Kahn, Die große Verschwörung, Verlag Volk und Welt,
Berlin (DDR), 1953, S.33ff.
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Anmerkungen:
(1) Memoirs of a British Agent (Putnam, London, 1934)

(2) Obwohl Trotzki die Kampfunfähigkeit der russischen Armee zugab, weigerte er sich als »Weltrevolutionär«, in Brest-Litowsk den Friedensvertrag zu unterzeichnen, weil ein solcher Friede einen Verrat an der internationalen Revolution bedeuten würde. Mit dieser Begründung lehnte es Trotzki ab, die Instruktionen Lenins zu befolgen. Später erklärte Trotzki sein Verhalten aus einer falschen Beurteilung der Sachlage. So sagte er auf dem bolschewistischen Parteitag vom 3. Oktober 1918, nachdem der inzwischen erfolgte Angriff Deutschlands auf Rußland beinahe zur Besetzung von Petrograd und zur Vernichtung des Sowjetregimes geführt hatte: »Ich halte es für meine Pflicht, in dieser maßgebenden Versammlung auszusprechen, daß zu einer Zeit, wo viele von uns und auch ich die Unterzeichnung des Friedens von Brest-Litowsk für unzulässig hielten, einzig und allein Genosse Lenin sich standhaft und mit erstaunlichem Weitblick gegen unsere Opposition für die Annahme der Bedingungen einsetzte . . . Wir müssen zugeben, daß wir im Unrecht waren.«

Trotzki war nicht der einzige, der zur Zeit der Verhandlungen von Brest-Litowsk einen solchen Standpunkt einnahm. Während er in Brest-Litowsk agitierte, richtete sein wichtigster persönlicher Vertreter in Moskau, Nikolai Krestinski, öffentliche Angriffe gegen Lenin und sprach von der Notwendigkeit, einen »revolutionären Krieg gegen den deutschen Imperialismus, die russische Bourgeoisie und einen Teil des von Lenin gelenkten Proletariats« zu führen. Trotzkis Bundesgenosse in dieser oppositionellen Bewegung, Bucharin, brachte in einer Sonderkonferenz der sogenannten linken Kommunisten folgende Resolution ein: »Im Interesse der internationalen Revolution halten wir es für ratsam, auf den Sturz der Sowjetmacht hinzuwirken, die nur noch eine formale Geltung hat.« Im Jahre 1923 enthüllte Bucharin, daß die Opposition während der Krise von Brest-Litowsk tatsächlich die Spaltung der bolschewistischen Partei, den Sturz Lenins und die Errichtung einer neuen russischen Regierung plante.

(3) Der 23. Februar 1918, der Tag, an dem es den Russen gelang, die Deutschen bei Pskow zurückzuschlagen, wird als Geburtstag der Roten Armee gefeiert.

Siehe auch: Der sowjetfeindliche Verschwörer Trotzki