Schulbücher – in der BRD und in der DDR

5552.jpgDaß gerade Schulbücher immer ein ideologisches Werkzeug der jeweils herrschenden Klasse sind, ist allgemein bekannt. Und da gibt es eben – insbesondere was das politische Grundwissen anbelangt – zwischen Kapitalismus (BRD) und Sozialismus (DDR) große Unterschiede. Ohne Wissen sind die Arbeiter wehrlos; ein ungebildetes Volk läßt sich leichter regieren. Und so ist es nicht verwunderlich, daß auch die heutige Bourgeoisie als herrschende Klasse nichts mehr fürchtet, als ein gebildetes Volk. Denn ein Volk, das heute die Ursachen seiner Ausbeutung und Unterdrückung begreift, ist auch ein Volk, das sich zu wehren versteht. Was also kann durch das bürgerliche Bildungswesen anderes herauskommen, als ein ungebildetes Volk…

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Die Luftwaffe – Terrorwaffe der Nazis

Kein Rohstoff der Erde wurde so intensiv gesucht, erkundet, erbohrt wie das Öl. Erdöl ist der Rohstoff für den Antrieb von Kraftfahrzeugen und Panzern, von Flugzeugen und Raketen. Der erste und der zweite Weltkrieg sind direkt verknüpft mit den Profitbestrebungen der Ölkonzerne. Erdöl ist auch heute noch ein Objekt der Begierde, das die führenden NATO-Mächte veranlaßte, über den Nahen Osten ein besonders engmaschiges Netz ihrer Luftwaffenstützpunkte auszubreiten und ganze Völker mit ihrem Terror zu überziehen. Sie bombardierten Städte, Wohngebiete und Siedlungen – gleichgültig, ob Zivilbevölkerung, Frauen oder Kinder. Schon unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg lief die deutsche Industrie wieder auf Hochtouren, denn das Öl war ein profitabler Markt. Und auch die Kassen der Nazis füllten sich: Der I.G.Farben-Konzern spendete der Nazipartei über 70 Millionen Reichsmark. Der Historiker Dr. Fred Mercks schreibt:

In dem von den Faschisten inszenierten Rüstungsprogramm zur Vorbereitung des zweiten Weltkrieges spielte die Luftwaffe eine besondere Rolle. Ihre Bedeutung sollte nicht nur in der Anfangsphase des Krieges entscheidend sein. Untrennbar damit verbunden war die Bereitstellung ausreichender Mengen hochwertigen Flugbenzins.
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Dezember 1940 – deutsche Bomber werfen über London 30.000 Brandbomben ab

Nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages waren zwar die Aufstellung und Unterhaltung einer Luftwaffe und der dazugehörigen Einrichtungen und Anlagen in Deutschland verboten. Aber schon in den zwanziger Jahren wurde auch hier getarnt aufgerüstet. Mit dem Machtantritt der Faschisten im Jahre 1933 wurde das Tarnsystem weiter vervollkommnet. Am 25. Juli 1933 befahl Reichsluftfahrtminister Göring, daß nach außen hin kein Zusammenhang zwischen der Wehrmacht und dem Reichsluftfahrtministerium sichtbar werden dürfe.

Geheime Kriegsvorbereitungen der Nazis

Der am 25. März 1933 gegründete Deutsche Luftsportverband führte für seine Mitglieder eine blaugraue Uniform ein, die bis auf geringfügige Unterschiede der späteren Luftwaffenuniform entsprach. Ende 1934 zählte der Luftsportverband 30 000 aktive Mitglieder, die alle systematisch für den späteren Einsatz bei der Luftwaffe vorbereitet wurden. In allen Teilen Deutschlands begann der Ausbau von Flughäfen, Fliegerschulen und entsprechenden Anlagen – alles getarnt als zivile Ausbildungseinrichtungen, Forschungsinstitute oder Wetterdienststellen. Die deutsche Flugzeugindustrie arbeitete mit Hochdruck an der Entwicklung kriegsverwendungsfähiger Flugzeugtypen.
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deutsche Kriegsflugzeuge

Gründung der Reichsluftwaffe

Am 26. Februar 1935 unterschrieben Hitler, Blomberg und Göring den »Erlaß über die Reichsluftwaffe«. Mit diesem Erlaß wurde die Luftwaffe offiziell als dritte Teilstreitkraft neben Heer und Marine gestellt. Die Zeit, da man die Welt über die Aufrüstung täuschen wollte, war damit offiziell beendet. Dennoch versuchten die Naziführer auch weiterhin, ihre wahren Absichten mit demagogischen Erklärungen zu verschleiern. Das kommt sehr deutlich in einem Interview zum Ausdruck, das Göring am 10. März 1935, wenige Tage nach der offiziellen Enttarnung der Luftwaffe, dem Sonderberichterstatter der englischen Zeitung »Daily Mail«, Ward Price, gab und in dem er erklärte: »Die Richtlinie unseres Handelns war nicht die Schaffung einer die anderen Völker bedrohenden Angriffswaffe, sondern nur die Errichtung einer militärischen Luftfahrt, stark genug, um Angriffe auf Deutschland jederzeit abzuwehren.«

Die spanische Stadt Guernica

Nur zwei Jahre später, am 26. April 1937, erlebten die Bewohner der spanischen Stadt Guernica durch die faschistische »Legion Condor«, welch blutige und tödliche Gefahr von der faschistischen Luftwaffe ausging, die Göring mit heimtückischen Worten zu verniedlichen suchte; und nach zwei weiteren Jahren brachten die heulend aus dem Himmel herabstoßenden Sturzkampfbomber vielen Völkern Europas Tod und Verderben.
Guernicadie zerbombte Stadt Guernica
Guernica 1937Legion Condor
nach getaner „Arbeit“ kehren die Mörder von Guernica wieder zurück in ihre deutsche Heimat:

Quelle:
Fred Mercks, Das schwarze Blut, Tatsachenbericht über die Geschichte des Erdöls, Militärverlag der DDR, Berlin, 1976, S.174ff.

Und war nicht nur eine „Terrorwaffe der Nazis“…

Man lese zur Ergänzung dies hier:
„EADS bewirbt sich um die Lieferung von 60 Kampffliegern vom Typ Eurofighter an die Vereinigten Arabischen Emirate und will damit die Hochrüstung der Diktaturen auf der Arabischen Halbinsel vorantreiben. Der Eurofighter habe im Libyen-Krieg seine tödliche Effizienz unter Beweis gestellt und sei geeignet, der emiratischen Luftwaffe zu höchster Schlagkraft zu verhelfen, heißt es werbend in Fachkreisen.“
http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58211

Pater Pawel – ein sowjetischer Held

Bei der heldenhaften Verteidigung der Stadt Leningrad und während der Blockade durch die faschistische Wehrmacht spielte auch die Russisch-Orthodoxe Kirche eine gewichtige Rolle. Nachdem Stalin das Volk zum vereinten Kampf gegen den deutschen Faschismus und zur Verteidigung der Heimat aufgerufen hatte, wandte sich auch der Metropolit Sergej an die russischen Gläubigen. Tausende von ihnen schlossen sich den Partisanen an oder meldeten sich freiwillig zum Einsatz an der Front. Von „religiöser Unfreiheit“ in der Sowjetunion wurde in der westlichen Welt viel gelogen. Über eine Begegnung mit einem sowjetischen Geistlichen im Jahre 1948 schreibt die Berliner Arbeiterveteranin Emmy Koenen:

Frau Dr. Stark-Wintersig*, die der CDU angehörte, hatte den Wunsch, das Kirchenproblem zu studieren. Sie wollte selbst einem Gottesdienst beiwohnen. Wir entschieden, gemeinsam zur Andacht in die größte Moskauer Kathedrale zu gehen. Das Innere zeugte von großem Reichtum. Ich war erstaunt über die vielen Besucher. Als wir die Kathedrale verließen, gab es unter uns Diskussionen über Toleranz und Fürsorge gegenüber Gläubigen. Der Anlaß waren Straßenbahnwagen, die hier regelmäßig warteten, um die Kirchenbesucher in ihre Wohnbezirke zurückzufahren. Dr. Stark-Wintersig hatte das in der Hauptstadt der Sowjetunion niemals erwartet. In Leningrad trafen wir mit dem Stellvertreter des Metropoliten von Leningrad, Nowgorod und Pskow, Pater Pawel (Terassow) zusammen. Wir waren erstaunt über die hohen sowjetischen Orden, die er trug. Er erklärte, als sowjetischer Patriot habe er die russische Mutter Erde gegen die deutschen Faschisten verteidigt und dafür den Orden „Für besondere Verdienste bei der Verteidigung Leningrads“ erhalten. Die zweite hohe staatliche Auszeichnung habe er „Für ehrenvolle patriotische Arbeit“ bekommen. Er wurde mit Fragen überschüttet. Obwohl mir die Position der Kirche bei völliger Trennung vom Staat nicht fremd war, hörte ich viele neue Fakten. Ich erfuhr Einzelheiten über die wirtschaftlichen Grundlagen der Kirche sowie die Ausbildung von jungen Priestern. Aufhorchen ließen uns Tatsachen über die Rolle der Kirche bei der 900 Tage andauernden barbarischen Belagerung Leningrads. Der Metropolit antwortete erschöpfend auf alle Fragen. Als von uns aus nochmals nach der wirtschaftlichen Selbständigkeit gefragt wurde, beendete der wohlbeleibte Pater Pawel, breit lachend, das Gespräch mit dem Ausruf: „Sehe ich so aus, als ob die Kirche in wirtschaftlichen Nöten ist?“

* war 1948 in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) Berliner Abgeordnete und Stadträtin für Sozialwesen
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Pater Pawel – Veteran des Großen Vaterländischen Krieges

Quelle:
Emmy Koenen, in: Im Zeichen des Roten Sterns – Erinnerungen an die deutsch-sowjetische Freundschaft, Dietz Verlag Berlin, 1974, S.258f.
Foto: Artur Bondar

Siehe auch:
Die Blockade: deutscher Völkermord in Leningrad
Blockade – oder der traurige 12.Dezember

Die Arbeiter und die Schmarotzer

Im Kapitalismus sind diejenigen, die keine eigenen Produktionsmittel besitzen, bei Strafe ihres Untergangs gezwungen, ihre Arbeitskraft Tag für Tag an die Besitzer der Produktionsmittel zu verkaufen. Das ist die Grundbedingung, das Wesensmerkmal kapitalistischer Produktionsverhältnisse. Schon hier wird klar, daß dieser Verkauf der Arbeitskraft eine einem Naturgesetz gleiche Notwendigkeit ist, die sich nicht aus dem persönlichen Verhalten von Arbeitern und Kapitalisten, etwa aus ihren subjektiven Charaktereigenschaften und Wünschen ergibt, sondern aus den objektiven sozialökonomischen Bedingungen. [1]

Die Hauptquelle des Monopolprofits ist nach wie vor der von der Arbeiterklasse im kapitalistischen Produktionsprozeß erzeugte Mehrwert, der durch rigourose Ausbeutung, durch den Einsatz elektronischer Produktionshilfsmittel, durch Auslagerung der Produktion in Billiglohnländer, durch Kapitalexport usw. rasch steigt. Davon lebt die sogenannte „zivilisierte Welt“ – der Lohnarbeiter verkauft seine Arbeitskraft. Und wo das nicht mehr möglich ist, sind die Ärmsten der Armen gezwungen, die wenigen noch im Müll der Zivilisation vorhandenen „Wertstoffe“ herauszusuchen, um sie irgendwo zu Geld zu machen.

Die Monopolherrschaft ist die Wurzel des Parasitismus und der Fäulnis des Kapitalismus. Darauf hatte schon Lenin hingewiesen. Dieser Parasitismus und die Fäulnis des Kapitalismus, hob er hervor, „zeigt sich vor allem in der Tendenz zur Fäulnis, die jedes Monopol auszeichnet, wenn Privateigentum an den Produktionsmitteln besteht… Zweitens zeigt sich der Fäulnisprozeß des Kapitalismus in der Entstehung einer gewaltigen Schicht von Rentiers, Kapitalisten, die vom ‚Kuponschneiden’ leben… Drittens ist Kapitalexport Parasitismus ins Quadrat erhoben. Viertens will das Finanzkapital nicht Freiheit, sondern Herrschaft. Politische Reaktion auf der ganzen Linie ist eine Eigenschaft des Imperialismus. Korruption, Bestechung im Riesenausmaß, Panamaskandale jeder Art. Fünftens verwandelt die Ausbeutung der unterdrückten Nationen, die untrennbar mit Annexionen verbunden ist, … die ‚zivilisierte’ Welt immer mehr in einen Schmarotzer am Körper der nichtzivilisierten Völker…“ [2]

Die folgenden Bilder zeigen die Arbeiter einer Müllhalde in Guatemala (links) und den „grauen Alltag“ einer englischen Adelsfamilie (rechts):
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Die allgemeine Krise des Kapitalismus hat viele Gesichter. Aber ohne Zweifel gehören die Unfähigkeit des Imperialismus, die qualitativen Seiten des Lebens zu meistern, seine Unfähigkeit dem Leben Sinn und Inhalt zu verleihen, zu den wichtigsten Merkmalen dieser Krise. Der Imperialismus von heute ist zwar reich an oft sehr teuren Waren, aber arm an Menschlichkeit. [3]

Quelle:
[1] Otto Reinhold/Karl-Heinz Stiemerling, Politische Ökonomie – geschrieben für die Jugend, Dietz Verlag 1985, S.37.
[2] W.I.Lenin: Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus. In: Werke, Bd. 23, S. 103/104.
[3] Otto Reinhold/Karl-Heinz Stiemerling, a.a.O. S.134.

Ein dunkles Kapitel in der deutschen Geschichte

Wenn es heute in den Massenmedien der BRD um Rechtsextremismus geht, wird oft von „Killer-Nazis“ gesprochen, von einem „braunen Sumpf“ und von der Verflechtung zwischen Geheimdiensten und Neonazis. Abstruse Geschichten werden erfunden und verbreitet, um abzulenken von den wahren Hintergründen und von der faschistischen deutschen Vergangenheit. Besorgt um das Ansehen der BRD im Ausland zeigt man im Bundestag Betroffenheit, fordert „schonungslose Aufklärung“. Doch die Wurzeln des Nazismus sind damit nicht erklärt und auch nicht beseitigt – im Gegenteil, wie schon Bertolt Brecht sagte: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch…“

Ein Rückblick in die Geschichte

„Der 30. Januar 1933“, schreibt der Historiker Kurt Gossweiler, „ist einer der dunkelsten Tage in der Geschichte. Damals begann das bis dahin schlimmste Verbrechen: die Vorbereitung des zweiten Weltkrieges und des Überfalls auf die sozialistische Sowjetunion.“ [1] Der Faschismus ist die „äußerste Konsequenz“ des Imperialismus. Allein schon der Begriff „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei“ (NSDAP) enthielt eine dreifache Lüge, denn diese Partei war weder national, noch sozialistisch, noch war sie eine Arbeiterpartei – sie wurde ein Werkzeug der reaktionärsten Kräfte des Industrie- und Finanzkapitals, ein Instrument der Bourgeoisie.

Der Kampf der KPD gegen den Faschismus in Deutschland

Die KPD hatte sich zu einer marxistisch-leninistischen Massenpartei entwickelt. Sie verfolgte das Ziel, den Faschismus mit vereinten Kräften aller Arbeiter und anderer Antifaschisten abzuwehren. Schon vor dem Machtantritt der Nazis hatten Ernst Thälmann und die KPD gewarnt: „Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler, wer Hitler wählt, wählt den Krieg!“. Immer mehr Arbeiter folgten den Aufrufen der KPD, und sie bekämpften die Notverordnungen der Papen-Regierung, die die Sozialleistungen drastisch senkte, das Tarifrecht zerschlug und das in der Verfassung verankerte Streikrecht abschaffte. In zahlreichen Landesteilen gab es Massenproteste gegen anhaltende Arbeitslosigkeit und Unterdrückung und Tausende von Streiks.
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Aufruf der KPD und Rede Ernst Thälmanns zu Ostern 1930 in Leipzig

Wie war die politische Lage?

Einer der Vertreter des Monopolkapitals, der Bankier Kurt Freiherr von Schröder, schildert die Lage so: „Die allgemeinen Bestrebungen der Männer der Wirtschaft gingen dahin, einen starken Führer in Deutschland an die Macht kommen zu sehen, der eine Regierung bilden würde, die lange an der Macht bleiben würde. Als die NSDAP am 6. November 1932 ihren Höhepunkt überschritten hatte, wurde eine Unterstützung durch die deutsche Wirtschaft besonders dringend.“ [2] Deshalb drängte die Bourgeoisie auf die endgültige Beseitigung der bürgerlich-parlamentarischen Ordnung (Weimarer Republik) und die schnelle Errichtung einer diktatorischen Herrschaft. Mit demagogischen Reden hatte Hitler sich eingeführt, und er erhielt dabei die großzügige Unterstützung durch die Großbourgeoisie. Albert Norden vermerkt hierzu: „Mochte so mancher General und der Marschall Hindenburg selbst den ‚böhmischen Gefreiten’ persönlich verachten, so war Hitlers Ziel doch ihr Ziel, und er brachte ihnen, was sie nicht hatten, aber dringend benötigten: die Massengefolgschaft.“ [3] – Hierzu bemerkt der Jurist Dr. Felix Ecke: „Daß jedoch ein Regime, dessen Gesetze fast ausnahmslos verbrecherischen Charakter trugen, eine solche ‚Massengefolgschaft’ erringen konnte, ist ein in der Geschichte einmaliger Vorgang und ohne Berücksichtigung des Einflusses der faschistischen Propaganda kaum erklärbar.“ [4]
Wahl1933Letzte Absprachen vor der faschistischen Regierungsbildung

Zur Jahreswende 1932/33 hatten die Geldgeber der Nazis noch über einen geeigneten Zeitpunkt zur Errichtung der faschistischen Diktatur beraten. Am 3.Februar 1933 traf sich Hitler dann mit den Kommandeuren der Reichswehr und der Marine. Es sprach dort über seine Ziele; es waren auch deren Ziele. Und es waren die Ziele der deutschen Bourgeoisie. Ihnen ging es um die Eroberung fremder Länder, um das Erdöl von Baku, das Getreide der Ukraine und die Bodenschätze Sibiriens. Ihnen ging es um eine Vormachtstellung in der Welt. Der Faschistenführer versicherte, er werde die Kriegsgegner zum Schweigen bringen, die Arbeiterbewegung vernichten und das deutsche Volk wieder „kriegswillig“ erziehen. Eine entscheidende Geheimsitzung fand am 4.Januar 1933 statt. Beinahe fünf Stunden dauerte dieses Treffen in der Villa des Bankiers Schröder zwischen Hitler und von Papen, dem Wortführer der reaktionärsten Vertreter des Monopolkapitals. Diese Aussprache entschied über die künftige Berufung Hitlers zum Reichskanzler.

Wer war eigentlich dieser Hitler?

Joachim Streisand schreibt: „Als Sohn eines Zollinspektors 1889 in Braunau am Inn geboren, in seinem Ehrgeiz, Architekt zu werden, gekränkt, lehnte ihn doch die Kunstakademie in Wien als unfähig ab, trieb sich Hitler vor dem ersten Weltkrieg jahrelang in der österreichischen Hauptstadt umher, bemalte Ansichtskarten und lernte im Zentrum der auseinanderfallenden Habsburger Monarchie Antisemitismus und soziale Demagogie kennen. Er zog 1913 nach München, diente im Krieg als österreichischer Freiwilliger in einem bayrischen Regiment und ergriff nach der Revolution eine Chance, Karriere zu machen: Hitler blieb bei der Reichswehr, lieferte Spitzelmaterial über die Teilnehmer der Münchner Räterepublik…“ [5] Auf Soldatenversammlungen trat Hitler als Propagandaredner auf und wurde im Mai 1919 „V-Mann“ bei der Reichswehr.
Hitler
„Daß Hitler am 27. Januar 1932 im Düsseldorfer Industrieclub einen Vortrag halten konnte, war ein Zeichen dafür, daß die einflußreichsten Gruppen des Finanzkapitals die Zeit gekommen sahen, ihre Sympathie für die NSDAP nun ganz offen zu zeigen. Hitlers Pressechef Otto Dietrich schrieb: ‚Die Wirkung bei den Wirtschaftlern war tief und zeigte sich in den nächsten schweren Kampfmonaten.’ Sie zeigte sich nicht zuletzt darin, daß Friedrich Flick wenige Tage später 100.000 RM an die NSDAP überweisen ließ.“ [6]

Arbeiter gegen die faschistische Gefahr

In einer machtvollen Demonstration hatten die Berliner Arbeit am 25.Januar 1933 den Provokationen der Nazis eine Abfuhr erteilt. So zogen die Kolonnen der schlecht gekleideten und ungenügend ernährten Arbeiter zum Karl-Liebknecht-Haus, wo Ernst Thälmann, John Schehr und Walter Ulbricht mit zum Gruß erhobener Faust auf einer Tribüne standen.
Bülowplatz
Letzte große Kundgebung der KPD am 25.Januar 1933 am Bülowplatz

Was Hitler dem deutschen Volke versprach…

In seiner Regierungserklärung vom 1. Februar 1933 versprach Hitler dem deutschen Volke die soziale Besserstellung der Arbeiter und Bauern und die Erhaltung und Festigung des europäischen Friedens. Hitler und die Vertreter des Regimes sprachen von der „Ankurbelung der Wirtschaft“, der Hilfe für die wirtschaftlich Schwachen, von der „Überwindung der Arbeitslosigkeit“ und von dem aufrichtigen Friedenswillen der Regierung. Doch der 30. Januar 1933 brachte einschneidende Veränderungen für das Leben der Menschen in Deutschland. In Wirklichkeit ging es Hitler und dem mit ihm an die Macht gekommenen Gesindel um die völlige Entrechtung der Werktätigen und die brutale Verfolgung aller Kommunisten und Sozialisten. Es ging ihnen um die Unterdrückung aller Demokraten und Friedensanhänger.
Deutsches Eck
Mit terroristischen Methoden und mit faschistischer Demagogie setzte sich die NSDAP schließlich durch und erreichte eine Massenbasis, insbesondere kleinbürgerliche Kreise. „Gebt mir vier Jahre Zeit“, hatte Hitler verkündet, „und ihr werdet Deutschland nicht wiedererkennen!“ Und tatsächlich war Deutschland, und sogar Europa nach vier Jahren Krieg bis zur Unkenntlichkeit verwüstet.

Wer waren die historisch Verantwortlichen?

Die Hintermänner saßen in den Chefetagen der Banken und der Großkonzerne, in den Villen von Thyssen, Flick und Krupp. Von denen erhielt die Nazi-Bewegung Millionenbeträge zur Finanzierung ihrer Wahlen und zur Unterdrückung der Arbeiterbewegung und der demokratischen Kräfte. Der Nürnberger Prozeß erbrachte dafür den Beweis. In einem Safe des Bankhauses Stein in Köln fand eine amerikanische Spezialeinheit im Mai 1945 den folgenden Brief. Er trug die Unterschriften Dr. Hjalmar Schachts und anderer einflußreicher deutscher Industrieller. Die Monopolisten forderten, daß
Brief
Dieser Brief wurde zu einem Beweisdokument im Nürnberger Prozeß. [7]

War es eine „nationalsozialistische Machtergreifung“?

In zahlreichen westlichen Publikationen und im Sprachgebrauch der Nazis werden die Ereignisse des 30.Januar 1933 oft als „nationalsozialistische Machtergreifung“ bezeichnet. Doch das entspricht nicht den Tatsachen. Denn die Übernahme der Macht durch die Nazis war kein Zufall und auch keine „freie Wahl“. Vielmehr wurden die Nazis ganz bewußt und mit erheblicher finanzieller Unterstützung der Bourgeoisie an die Macht gebracht. Auch der englische Historiker Alan Bullock hatte sich gegen eine solche begriffliche Verzerrung der Tatsachen gewandt, indem er schrieb: „Hitler hat die Macht nicht ergriffen; er ist durch Hintertreppenintrigen in sein Amt geschoben worden.“ [8] Man muß deshalb von einer „Machtübertragung an den Faschismus“ sprechen, oder noch treffender von einer „Errichtung der faschistischen Diktatur“, da mit der Berufung der Hitlerregierung gemäß Dimitroffs bekannter Definition „die offene, terroristische Gewaltherrschaft der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, aggressivsten Kräfte des deutschen Finanzkapitals“ [9] aufgerichtet wurde.

Wie der Begriff des „Faschismus“ in bürgerlichen Medien verwässert wird…

„In der BRD, auch in anderen imperialistischen Staaten“, schreibt Genosse Kurt Gossweiler, „geben Tausende von Publizisten und staatlich besoldeten Historikern, Philosophen, Soziologen falsche Interpretationen, um die Ursachen und Triebkräfte des Faschismus zu verhüllen. Deshalb ist es eine politische und historische Pflicht, auf die genannten Fragen eine wahrheitsgetreue Antwort zu geben. Die wissenschaftliche Erkenntnis über Ursprünge und Wesen des Faschismus kräftigt den antiimperialistischen Kampf in der Gegenwart.“ [10]

„Seit einigen Jahren schon werden die Versuche immer deutlicher und offener, den Begriff des Faschismus zu ‚neutralisieren’. Der Faschismus soll nicht mehr länger als hassenswerte monströse politische Erscheinung gewertet und bekämpft werden, er soll vielmehr als eine ‚allgemein-menschliche’ Erscheinung, der man sogar Sympathie entgegenbringen müsse, [11] deren Führern sogar eine gewisse historische Größe und auch positive Wirksamkeit nicht abgesprochen werden dürfe, [12] aus dem politischen Tageskampf herausgenommen und nur noch zum Gegenstand ‚wissenschaftlicher’, um ‚Verständnis’ bemühter Untersuchungen werden. Kurz gesagt handelt es sich also darum, daß die Diskussion um den Faschismus einen neuen Impuls erhalten hat durch zwar noch verdeckte und vorsichtige, aber in der Tendenz ganz eindeutige Versuche zur zumindest teilweisen Rehabilitierung des Faschismus und seiner Führer. Diese außerhalb der offen faschistischen oder neofaschistischen Kreise neue Tendenz korrespondiert mit Anzeichen verstärkten Unbehagens bestimmter Kreise der herrschenden Klasse in den imperialistischen Ländern mit der bürgerlich-parlamentarischen Demokratie und ihrer Suche nach einer ‚strafferen’ Form der Herrschaftsbehauptung.“ [13]

Quelle:
[1] Kurt Gossweiler, Aufsätze zum Faschismus, Akademie-Verlag, Berlin, 1988, S.316f.
[2]Dokumente zur deutschen Geschichte 1929-1933, Berlin (DDR), 1975, S.89f.
[3] Albert Norden, in: Lehren deutscher Geschichte, Berlin 1950, S. 99.
[4] Felix Ecke, Die braunen Gesetze – Über das Recht im Unrechtsstaat, Staatsverlag der DDR, Berlin, 1990, S.178.
[5] Joachim Streisand, Deutsche Geschichte in einem Band, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin (DDR), 1979, S.280.
[6] Joachim Streisand, a.a.O. S.290.
[7] Joachim Hellwig/Wolfgang Weiss, So macht man Kanzler, Verlag der Nation, Berlin (DDR), S. 79. (Siehe auch: Translation of Document 3901-PS)
[8] A. Bullock, Hitler. Eine Studie über Tyrannei, Düsseldorf 1961, S. 251.
[9] W.Pieck/G.Dimitroff/P.Togliatti, Die Offensive des Faschismus und die Aufgaben der Kommunisten im Kampf für die Volksfront gegen Krieg und Faschismus. Referate auf dem VII. Kongreß der Kommunistischen Internationale (1935), Berlin 1960, S.87.
[10] Kurt Gossweiler, a.a.O., S.316f.
[11] Nahe, Ernst, Der Faschismus in seiner Epoche, München 1963, S. 34f.
[12] Fest, Joachim C., Hitler. Eine Biographie, Frankfurt/M.-Berlin (West)-Wien 1973, S.17ff.
[13] Kurt Gossweiler, a.a.O., S.350.

Siehe auch:
Kurt Gossweiler: 1933 war keine „Machtergreifung“ !

Eine bedeutende Unterredung

josef-stalin1Auf Beschluß des ZK der SED wurden in den Jahren 1950-55 in der DDR 13 Stalinbände herausgegeben. Der 13. und bis dahin letzte Band der Werke J.W.Stalins erschien 1955. Die Bände 14 und 15 wurden dann erst 1976 in Dortmund veröffentlicht, da auf Grund des Revisionismus die Fortsetzung der Werke Stalins in der UdSSR und der DDR abgebrochen wurde. Dazu wurden die Beiträge Stalins aus verschiedensten Quellen zusammengetragen. Besondere Beachtung verdient hier die Unterredung Stalins mit dem englischen Schriftsteller H.G. WELLS. Dieser hatte Stalin im Juli 1934 aufgesucht, ein Jahr nachdem in Deutschland der Faschimus an die Macht gelangt war, um vom Staatsoberhaupt des ersten sozialistischen Landes der Welt Auskunft darüber zu erhalten, was damals tatsächlich in der Sowjetunion geschah, und wie sich die Welt dort zu verändern begonnen hatte.

Dabei ließ Stalin es nicht an der nötigen Klarheit fehlen, um H.G.Wells seinen marxistischen Standpunkt zu erläutern. Es war sozusagen das Kleine Einmaleins des Marxismus-Leninismus. Doch ohne diese einfachen und doch so überzeugenden Darlegungen wäre es kaum möglich gewesen, daß Wells schließlich eingestehen mußte: „…ich habe schon die frohen Gesichter von gesunden Männern und Frauen gesehen und ich weiß, daß sich hier etwas sehr Bedeutsames vollzieht.“
stalin_wells_faschismus

http://www.stalinwerke.de/band14/b14-002.html

Eduard Soermus – der Rote Geiger

Soermus in Freital
Eduard Soermus und seine Frau Virginia mit Kindern aus Freital

In dem 1974 in der DDR erschienen Sammelband über Traditionen deutsch-sowjetischer Freundschaft ist ein hochinteressanter Bericht von Prof. Dr. Hans Teubner enthalten, der als junger Mensch im August 1922 in Chemnitz erstmals den berühmten sowjetischen Geiger Eduard Soermus erlebte. Soermus (* 9. Juli 1878 in Luunja; † 16. August 1940 in Moskau), der bekannt war als der Rote Geiger, trat in unzähligen Konzerten auch vor deutschen Arbeitern auf, wo er nicht nur Musikstücke von Beethoven, Tschaikowski und Chopin zu Gehör brachte, sondern sich auch mit ergreifenden Worten für die internationale Solidarität mit seiner sowjetischen Heimat einsetzte. Hans Teubner schrieb:

Soermus kommt nach Chemnitz

In Aue sprach es sich schnell herum, Soermus sei ein großer russischer Geigenkünstler, der Konzerte gebe, um die Erlöse den Hungernden seines Heimatlandes zugute kommen zu lassen. Soermus gebe jetzt Konzerte in Thüringen, komme aber bald auch in unseren Bezirk Erzgebirge/Vogtland, hieß es. Für den 31. August 1922 war sein erstes Chemnitzer Konzert im Kaufmännischen Vereinshaus angekündigt worden. Klar, daß die ganze Ortsgruppe freudig entschied, nach Chemnitz zu fahren. Erwartungsvoll machten wir uns, die wir zumeist arbeitslos und natürlich nicht festlich gekleidet waren, sondern unsere schäbige Proletarierkluft trugen, auf den Weg. Der Saal war brechend voll.

Er musizierte für die deutschen Arbeiter

Was wir nun erlebten, war für uns ganz neu, überwältigend, begeisternd. Soermus betrat, Geige und Bogen in der Hand, die Bühne. Eine große schlanke Gestalt, markante Gesichtszüge, blonde, glatte Haare. Er sagte mit sanfter Stimme, in gutem Deutsch mit rollendem R, daß die Kunst dem Volke gehöre und daß er mit seiner Geige für die Solidarität der deutschen Arbeiter mit den Hungernden Rußlands spielen werde. Und nun entlockte er seiner Geige Töne, wie sie von uns vorher keiner gehört hatte. Er spielte Bach, Mozart, Beethoven.

Der Geiger des Proletariats

Vor jedem Stück sprach er über die Schöpfer der Werke. So sagte er über Bach, daß ihn Mut und Selbstvertrauen erfüllt habe und daß auch das Proletariat von Mut und Selbstvertrauen erfüllt sein müsse. Er sprach über das erbärmliche Leben, das Mozart bis zu seinem frühen Ende führen mußte, daß Mozarts Geist aber ungebrochen blieb und er mutig war, wie auch das Proletariat es sein müsse. Vor dem Spiel der Kreutzersonate von Beethoven sagte Soermus, daß sie Triumph nach errungenem Sieg verkünde und daß so auch die Arbeiterklasse der ganzen Welt einmal jubeln werde. Auf diese Weise brachte uns Soermus die Klassiker der deutschen Musik erst in Worten, dann mit seinem Geigenspiel nahe. Mit seiner Kunst, die uns eine noch nicht gekannte Welt auftat, erweckte Soermus in uns tiefe Empfindungen, starke Ergriffenheit, Zuversicht. (…)

Ein Solidaritätskonzert für die Sowjetunion

Der Geiger aus Sowjetrußland spielte auch sehr einfühlend deutsche Volkslieder. Es ist mir nicht möglich, wiederzugeben, wie ergriffen wir mitsangen, als Soermus zum Abschluß des Konzerts die „Internationale“ spielte. Die Solidaritätsspende der zumeist armen Konzertteilnehmer erbrachte dann auch einen ansehnlichen Betrag. Wir alle haben durch Soermus die Musik als Waffe im Klassenkampf kennengelernt, und es war wirklich so, daß das Musikerlebnis in uns allen weiterklang und uns für die bevorstehenden harten Kämpfe Kraft verlieh. (…)

Ein empörender Zwischenfall in Magdeburg

Am 1.Mai 1923 verursachte die preußische Polizei in Magdeburg einen empörenden Zwischenfall. Der Magdeburger „Kristallpalast“ war von kommunistischen und sozialdemokratischen Arbeitern, Parteilosen und fortschrittlichen bürgerlichen Musikfreunden dicht besetzt. Bei Konzertbeginn hatte die Polizei ihren Aufmarsch schon vollendet: Eine halbe Hundertschaft zu Fuß, eine halbe Hundertschaft zu Pferde, eine Radfahrerkolonne, ein Überfallkommando, Kriminalbeamte und Spitzel hatte der sozialdemokratische Polizeipräsident Magdeburgs ausgesandt, um gegen den mit einer Geige bewaffneten Bolschewisten vorzugehen. Soermus gab sein Konzert. Die Hörer spendeten dem Virtuosen so stürmischen Beifall, daß er einige Zugaben spielte. Und dann geschah das Ungeheuerliche. Als sich Soermus in den Umkleideraum begab, wurde er von einer Polizeimeute ergriffen, niedergeschlagen, seine Violine, ein kostbares Instrument eines Moskauer Geigenbauers, zertrümmert. (…)

Die Solidarität der Leipziger Gewandhausmusiker

Die Magdeburger Bevölkerung war empört, und überall, wohin die Kunde der barbarischen Tat drang, war es nicht anders. Es gab viele Protestkundgebungen, an denen sich an der Seite der Arbeiter auch bürgerliche Humanisten beteiligten. Die Künstler des Leipziger Gewandhauses protestierten ebenfalls und bezeugten ihre Sympathie für Soermus durch die Übergabe einer wertvollen Violine als Geschenk. Mit diesem neuen Instrument setzte der durch die feindliche Hetze und die polizeilichen Schandtaten nicht entmutigte Künstler seine Konzerte hauptsächlich in Sachsen, aber auch in Süddeutschland und anderen Gebieten fort.

Hermann Duncker als ein großer Pianist

Wenn Soermus mit seiner Frau, Virginia Soermus-Tschaikowski, die ihn zumeist am Flügel begleitete, in Stuttgart weilte, hielten sich die beiden oft bei ihren guten Freunden Käte und Hermann Duncker auf. Da begab es sich, daß Käte und Hermann Duncker auch aktive Mitgestalter eines Konzerts wurden: Virginia erkrankte, sie fiel als Begleiterin aus und konnte auch nicht zum Publikum sprechen, was sie oftmals anstelle ihres Mannes tat, wenn er Redeverbot hatte. Die Dunckers retteten das Konzert, indem Käte, die großartige Rednerin, die Ansprache hielt und Hermann die Begleitung am Flügel übernahm. Das war ein Ereignis besonderer Art, denn Soermus als Pianist begleiten konnte niemand, der eben recht und schlecht Klavier spielte, es mußte ein wirklicher Könner sein. Hermann Duncker, in ganz Deutschland als hervorragender Propagandist des Marxismus schon aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg bekannt, erwies sich plötzlich in der Öffentlichkeit auch als großer Könner am Klavier; er hatte ja von 1892 bis 1895 am Leipziger Konservatorium Musik studiert. (…)

Soermus – der Rote Geiger – wird für immer unvergessen bleiben

Am 16. August 1940 verstarb der leidenschaftliche Kämpfer und geniale Musiker nach einem ruhelosen, aufopferungsvollen Leben. In Tallinn, der Hauptstadt der Estnischen Sozialistischen Sowjetrepublik, deren Gründung der Künstler noch erlebte, werden seine Verdienste im Theater- und Musikmuseum gewürdigt. Dort ist auch seine Violine aufbewahrt. Mir, wie jedem Veteranen der revolutionären Arbeiterbewegung, wird dieser ungewöhnliche Mensch, der sich so bedeutende Verdienste um die deutsch-sowjetische Freundschaft erworben hat, unvergeßlich bleiben.

Quelle:
Im Zeichen des Roten Sterns – Erinnerungen an die Traditionen der deutsch-sowjetischen Freundschaft, Dietz Verlag Berlin, 1974, S.81-90.

Wer war Soja Kosmodemjanskaja?

Mit imperialistischer Gier nach fremdem Reichtum hatte die faschistische deutsche Wehrmacht im Jahre 1941 wortbrüchig und heimtückisch die Sowjetunion überfallen, friedliche Einwohner ermordet, Dörfer geplündert und niedergebrannt, Bibliotheken und Schulen zerstört und die Getreidefelder mit ihren Panzern niedergewalzt. Die Sowjetunion mobilisierte daraufhin alle ihre Kräfte, um das Land von den fremden Eroberern zu befreien. Unzählige Menschen setzten ihr Leben ein für die Verteidigung ihrer sozialistischen Heimat. Als die Faschisten Moskau bedrohten, kämpften viele Komsomolzen als Freiwillige in den Reihen der Partisanenabteilungen. Weit über die Grenzen ihrer sowjetischen Heimat hinaus wurde dabei auch der Name der sowjetischen Komsomolzin Soja Kosmodemjanskaja bekannt.
Soja Kosmodemjanskaja
Soja Kosmodemjanskaja (1923-1941)

In einem Schulbuch der DDR aus dem Jahre 1953 ist auch die Geschichte von Soja Kosmodemjanskaja beschrieben. Soja wurde 1923 geboren. In der Schule hatte sie in allen Fächern gute und sehr gute Zensuren. Sojas Mutter erzählte, daß sich Soja sehr für Mathematik und Physik interessierte. Oft saß das Mädchen abends am Tisch und arbeitete. Es gab Tage, an denen sie bis spät in die Nacht hinein noch lernte und ihre Schulaufgaben löste. Und am nächsten Tag bekam sie dafür eine gute Note.
img217KosmosdemjanskajaSchulheft
Soja, ihr Komsomolausweis und eine Seite aus ihrem Deutsch-Schulheft

Soja lernte auch die deutsche Sprache. Und sie lernte gerne Deutsch. Sie las und schrieb schon gut. Sie liebte die Bücher deutscher Dichter und Schriftsteller. Besonders gern las sie Gedichte des großen deutschen Dichters Goethe. [1] Während des Großen Vaterländischen Krieges erklärten sich viele sowjetische Komsomolzen bereit, die Heimat zu verteidigen. Es gab Komsomolzen, die im Hinterland des Feindes in Partisanenbrigaden kämpften, wie beispielsweise die Helden der „Jungen Garde“ von Krasnodon. Ihnen setzte der Schriftsteller Fadejew ein literarisches Denkmal.[2] Auch Soja Kosmodemjanskaja kämpfte im Hinterland des Feindes vor Moskau. Gemeinsam mit den jungen Partisanen ihrer Gruppe fügte sie den faschistischen Eindringlingen schwere Verluste zu. Als sie Ende November 1941 bei der Ausführung eines Auftrages im Dorf Petrischtschewo in die Hände ihrer Feinde geriet, blieb sie der Heimat bis zum Ende treu. Trotz grausamster Folter verriet sie ihre Freunde nicht. Noch zuletzt rief sie den Leuten zu: «Was steht ihr hier herum und laßt die Köpfe hängen! Ich habe keine Angst für mein Volk und für meine Heimat zu sterben. Wir sind viele, sie werden uns nicht alle überwinden. Zündet sie an, erschlagt sie, vergiftet diese faschistischen Lumpen. Stalin ist mit uns, und er wird kommen und sich rächen. Der Sieg wird unser sein!». So ging Soja Kosmodemjanskaja heldenhaft in den Tod.
img209Ermordung Kosmodemjanskaja
Die Hinrichtung Soja Kosmodemjanskajas

Nach ihrer Ermordung wurde der Leichnam Sojas von den Faschisten grausam geschändet. Die Mutter Sojas, Ljubow Timofejewna Kosmodemjanskaja, deren zweites Kind, Schura, als Offizier der Sowjetarmee ebenfalls sein Leben für die Heimat opferte, hat der Nachwelt die Lebensgeschichte ihrer Kinder erzählt.[3] Die Komsomolzin Klawa, die mit Soja in einer Partisanenabteilung kämpfte, berichtete in einem Brief an die Mutter Sojas über ihr Zusammentreffen mit Soja und ihren gemeinsamen Kampf gegen die faschistischen Eindringlinge:

«Liebe Ljubow Timofejewna!
Mein Name ist Klawa. Ich war gemeinsam mit Ihrer Soja in der Partisanenabteilung… Ich weiß, daß es schwer für Sie sein wird, von mir zu hören, doch ich weiß auch das andere: Es wird wertvoll für Sie sein, alles über Ihre Soja zu erfahren. Mitte Oktober saß ich gemeinsam mit anderen Komsomolzen im Flur des Moskauer Komsomolkomitees. Ich wollte, wie auch die anderen, ins Hinterland des Feindes gehen und dort in einer Partisanenabteilung zu kämpfen. Inmitten der großen Menschenmenge, die vor dem Zimmer des Komsomol-Sekretärs stand, … (S.236ff.)

Ausschnitte aus dem Buch on Ljubow Kosmodemjanskaja lesen bzw. hören Sie hier:
http://german.ruvr.ru/radio_broadcast/4004841/45011871/ (unbedingt anhören! 22:49 min.)

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Und so geht der russische Staat heute mit dem Vermächtnis der Helden des Großen Vaterländischen Krieges um. Dies sind Bilder der Schule Nr.201, in der Soja Kosmodemjanskaja und ihr Bruder Alexander lernten und das Abitur ablegten:
gymnasium_01gymnasium_10gymnasium_18gymnasium_02gymnasium_14gymnasium_30gymnasium_31gymnasium_41gymnasium_43Fotos: http://anothercity.livejournal.com/177407.html
Im Jahre 2010 wurde das Museum für Soja Kosmodemjanskaja aus angeblich „finanziellen Gründen“ geschlossen. Das Museum, die Schulbibliothek und die Unterrichtsräume wurden verwüstet und von Vandalen geschändet. Der jetzige Direktor fühlt sich nicht zuständig…

Quellen:
[1] Русский язык, Russisches Lehrbuch, Dritter Teil, Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin, 1953, S.19.
[2] Alexander Fadejew, Die junge Garde, Verlag Neues Leben (DDR), Berlin 1976.
[3] Ljubow Kosmodemjanskaja, Soja und Schura, Militärverlag der DDR, Berlin 1975.
Text (russ.) und Bilder: Мы победили Wir hatten gesiegt!
(„Tanja“ ermordet…)

Siehe auch:
Soja Anatoljewa Kosmodemjanskaja – Die unvergessene Heldin der Sowjetunion
Kommunisten-online: Die Partisanin Tanja
Mike Bessler, Zoya Kosmodemyanskaya (engl.)
Northstar Compass: Tsatyana Shvetsova, Zoya Kosmodemyanskaya (engl.)
Dokumentarfilm (2005): Зоя Космодемьянская. Правда о Подвиге д/Ф (russ.)

Dr. Kurt Gossweiler – ein unbestechlicher Chronist des Jahrhunderts

Einem 94jährigen Kommunisten zum Geburtstag…

Dr.Kurt GossweilerDer Historiker Dr.Kurt Gossweiler (* 05. November 1917)

Im Jahr der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution wurde er geboren. So bewegt wie dieses Jahrhundert ist auch seine Biografie. Doch in einem blieb er sich immer treu. In seiner Jugend wurde er Kommunist, und er ist es bis heute. Wer könnte besser unter all den Verehrern und Bewunderern dieses großartigen und doch so bescheidenen, dieses prinzipienfesten, klugen und auch nachdenklichen Menschen, des Historikers Dr. Kurt Gossweiler, einschätzen, was dieser in seinem Leben geleistet hat und welchen Schatz an Erfahrungen er der Arbeiterklasse und künftigen Generationen hinterläßt, als einer, der ebenso standhaft für die Sache des Sozialismus eintritt – der Verteidigungsminister der DDR, Armeegeneral Genosse Heinz Keßler. In einer Festschrift zum 90. Geburtstag Kurt Gossweilers gab er folgendes zu Protokoll:

Heinz Keßler: Was mir an dem lieben Kurt besonders gefällt und was mich besonders beeindruckt hat, und das jedes Mal aufs Neue, denn man vergleicht ja mit anderen Menschen, die man kennen gelernt hat im Verlaufe seines Lebens, ist folgendes: Er verfügt durch seine eigene, fleißige, gründliche Arbeit über ein fundamentales Wissen über die Geschichte der Arbeiterbewegung im allgemeinen, speziell über die Geschichte der Arbeiterbewegung in Deutschland und in der Sowjetunion. Und was mir an ihm und an seiner Art gefallt und was mich beeindruckt, ist, daß er versteht – und ich habe nicht allzu viele solcher Menschen kennen gelernt – aus diesem Wissen, aus der Kenntnis vieler Faktoren, die richtigen Zusammenhänge herauszuarbeiten und in guten wie in weniger guten Zeiten die Schlußfolgerungen darzustellen, die in ihrer Grundtendenz, wie es für einen Kommunisten ja sein sollte, immer positiv sind, positiv in der Richtung: Was immer auch ist, was immer auch war: es gibt keinen anderen Weg, um die Mehrheit der Menschheit auf unserer Erde in eine bessere Zukunft zu fuhren, als den Weg zum Sozialismus.

Und ich bewundere auch, ja ich beneide ihn sogar darum, daß er in prinzipieller, aber auch sehr sachlicher Weise sich mit Freundinnen und Freunden, Genossinnen und Genossen, die aus unterschiedlichen Sichten, unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen, ich würde sagen: nicht böswillig – solche gibt’s auch – sondern, weil sie irren, auseinandersetzt und auf diese Weise hilft, daß diese Genossin oder jener Genosse wieder zurückfindet zu unseren Grundfesten, nämlich unserer wissenschaftlichen Lehre des Marxismus-Leninismus. (…)

Wir wissen ja, daß gerade Kurt die Entwicklung der Sowjetunion in Vorbereitung der Oktoberrevolution, während der Oktoberrevolution, im Verlauf der unterschiedlichen Fünf-Jahr-Pläne mit ihren unterschiedlichen Inhalten sehr gut kennt, wirklich gründlich studiert hat und über ein in die Einzelheiten gehendes Wissen verfügt, und daß er dieser Art der Verdrängung, dieser – wenn auch von einzelnen nicht immer gewollten – Verleumdung des Marxismus-Leninismus entschieden zurückweist und anhand seiner Erfahrungen, seiner Erkenntnisse, seiner Studien den Nachweis erbringt, wie die Oktoberrevolution zustande kam, welche Schwierigkeiten es gab, welche großen Probleme und Auseinandersetzungen es gab über die inhaltliche Gestaltung der Fünf-Jahr-Pläne bis in die Zeit hinein der Abwehrvorbereitungen, des Beginns, der Führung und der siegreichen Beendigung des Großen Vaterländischen Krieges.

Und hier spielt natürlich die Position von Kurt eine große Rolle, daß er nach meiner Auffassung eine richtige, sachliche, dem geschichtlichen Verlauf entsprechende Darstellung der Kommunistischen Partei der Sowjetunion und ihrer Führung unter der Leitung von Stalin darstellt. [1]

Und Kurt Gossweiler schrieb nun seinerseits über seinen Kampfgefährten:

Kurt Gossweiler: Seit ich Gewißheit darüber hatte, welch tödliche Gefahr für den Sozialismus, für die Sowjetunion und damit auch für die DDR und alle sozialistischen Staaten von der Führung in Moskau ausging, drängte sich mir natürlich auch die Frage auf: Wie sieht es eigentlich in unserer Führung aus? Könnte es darunter auch Leute geben, die – bewußt oder aus falschem guten Glauben – Helfershelfer Gorbatschows werden können oder schon sind? Bei zweien war ich mir ganz sicher, daß dies auf sie auf keinen Fall zutrifft: Bei Erich Honecker und dem Verteidigungsminister Heinz Keßler… [2]

Quelle:
[1] Und was war es nun wirklich? Festschrift für Kurt Gossweiler anläßlich seines 90.Geburtstages, Hannover, 2007, S.50f.
[2] Die Sache aufgeben, heißt sich selbst aufgeben – Festschrift für Heinz Keßler zum 90.Geburtstag, Verlag Wiljo Heinen, Berlin 2010, S.47.

Siehe dazu auch:
Dr. Kurt Gossweiler – Politisches Archiv:
http://www.kurt-gossweiler.de/

– Ist Gewalt zur Verteidigung des Kommunismus unmoralisch?
– Zum XX.Parteitag der KPdSU: Eine verbrecherische Rede
– Kurt Gossweiler: Über die DDR

Kurt Gossweiler – Die Taubenfußchronik oder die Chruschtschowiade:
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Ein offenes Wort und seine Folgen…

Noch keine acht Monate ist es her, da überfiel die NATO, begleitet von einer zügellosen und verlogenen Medienkampagne und im krassen Widerspruch zum Völkerrecht eines der erdölreichsten Länder der Welt. (siehe Arbeiterfotografie: Maledetta Primavera)
Und nun offenbaren auch deutsche Konzerne ihre militaristische Einstellung, so jedenfalls der deutsche Telefonanbieter Telefonica.
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Vanessa Hessler – eine mutige junge Frau

In einem Interview gegenüber der italienischen Zeitschrift „Diva e Donna“ hatte das italienisch-amerikanischen Werbemodel Vanessa Hessler ihre langjährige Beziehung zu einem Sohn Ghaddafis bekannt. Man darf nicht alles glauben, sagte Hessler, das libysche Volk sei ihr weder besonders arm noch sonderlich fanatisch vorgekommen. Sie habe ganz normale Menschen dort getroffen. Jedenfalls liege ihr das Schicksal Libyens sehr am Herzen. Daraufhin kündigte ihr der deutsche Telefonkonzern Telefonica kurzerhand den Werbevertrag. Sie darf ab sofort nicht mehr für „Alice“ werben. Ein Konzernsprecher begründete die Entscheidung seiner Firma damit, daß die Äußerungen Vanessa Hesslers sich nicht mit den „Werten und Vorstellungen“ von Telefonica vertrügen und „in keinster Weise“ der Position des Unternehmens entsprächen. Wegen ihrer aufrechten Haltung gegenüber der Familie des ehemaligen libyschen Staatspräsidenten Muammar al-Ghaddafi verlor Vanessa Hessler ihren Job.

siehe auch:
Harald Pflueger: O2 und Alice feuern Top-Model Vanessa Hessler
Fidel Castro: Der faschistische Krieg der NATO
Thierry Meyssan: Was ist in Libyen los?